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Die Alexander Ecker Sammlung in Freiburg  

Simone Ortolf 

 Alexander Ecker (1816 - 1887) - Portrait und wissenschaftliche Laufbahn

Alexander Ecker entstammte einer bekannten Freiburger Professorenfamilie. Nach dem Medizinstudium in Freiburg entschied er sich jedoch gegen die Arbeit als praktizierender Arzt und sah seine Zukunft in der wissenschaftlichen Arbeit im Fachbereich Anatomie. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Dozent an den Universitäten Basel und Heidelberg kehrte er 1850 nach Freiburg zurück, wo er den Lehrstuhl für Physiologie, Vergleichende Anatomie und Zoologie übernahm. Große Bekanntheit erlangten seine Arbeiten zur Embryonalentwicklung bei Mensch und Tier sowie empirische Studien zur Physiologie und Pathologie. Einige seiner anatomischen Studien und Zeichnungen fanden u. a. Eingang in Publikationen von Charles Darwin. Neben der Medizin und Anatomie erstreckte sich Eckers wissenschaftliche Tätigkeit ebenfalls auf die Fachbereiche Ur- und Frühgeschichte, Prähistorische Anthropologie und Ethnologie. Als vielseitiger Wissenschaftler und Sammler hinterließ er Freiburg einen umfangreichen Nachlass, der den Grundstock des heutigen Völkerkundemuseums und des Museums für Ur- und Frühgeschichte bildete und eine der wichtigsten deutschen Schädelsammlungen umfasst.

 Entstehung und Geschichte der Sammlung

Alexander Eckers Sammlerleidenschaft galt insbesondere der Erweiterung der bestehenden anatomischen und pathologischen Sammlung. Es gelang ihm bis zum Ende der 1870er Jahre über 450 Schädel aus archäologischen Grabungen und von Forschungsreisen zusammen zu tragen.

Überliefert ist uns beispielsweise der Kontakt zu einem seiner bekanntesten Schüler, Theodor Bilharz (1825-1862), der als Arzt in Kairo/Ägypten arbeitete. Er erlangte Berühmtheit als Entdecker des Erregers der Blutharnruhr, die nach ihm Bilharziose genannt wurde (heute Schistosomiasis). Bilharz sammelte entweder selbst Schädel von getöteten Sklaven oder Soldaten oder erhielt sie im Tausch von anderen weit gereisten Kollegen und leitete diese an Ecker weiter.

Weiterhin erstellte Ecker eine Vergleichssammlung so genannter „Rasseschädel“ bestehend aus rezenten regionalen Schädeln aus Baden, die er zum typologischen Vergleich mit archäologischen Funden der gleichen Region heranzog. Das hieraus entstandene Werk ist die 1865 erschienene "Crania Germaniae meridionalis occidentalis. Beschreibung und Abbildung von Schädeln früher und heutiger Bewohner des südwestlichen Deutschlands und insbesondere des Großherzogtums Baden". Die hier vorgestellte Definition des so genannten „Reihengräbertypus“ wurde von nachfolgenden Anthropologen als Basis für die typologische Einteilung der so genannten „Nordischen Rasse“ verwandt. „In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Ecker deshalb verschiedentlich zum Vordenker der völkischen Rassenideologie stilisiert, die seiner Zeit aber noch fremd war.“ (Fehr, 2003).

 Nachfolger

Nach Alexander Eckers Tod wurde die Sammlung von verschiedenen Nachfolgern weiter betreut. Hier zu nennen sind Eugen Fischer (1874-1967), der die Sammlung bis 1927 betreute und später Vorreiter der nationalsozialistischen Rassenideologie wurde, darauf folgend seine Schüler Johann Schaeuble und Kurt Gerhardt.

 Stationen der Sammlung

1961 Kunstgeschichtliches Institut im Adelhauser Kloster

ab 1962 Neubau des Instituts für Humangenetik und Anthropologie in der Alberstr. 11 (heutige Rechtsmedizin)

1987 bis 1989 Anatomisches Institut, Reinhard Putz

1989-2001 Neurozentrum, Prof. Schumacher

 Die Sammlung heute

Seit dem Jahr 2002 gehört die Alexander Ecker Sammlung dem Universitätsarchiv der Universität Freiburg an. Sie wurde neu katalogisiert und in die Dauerausstellung des Uniseums integriert. Im Rahmen des Jubiläums des Museums für Ur- und Frühgeschichte im Colombischlössle entstand die Idee, die Sammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren, was freundlicherweise durch das Universitätsarchiv ermöglicht wurde. Ebenfalls erhielten Studierende im Zuge eines Forschungspraktikums Zugang, um einzelne Aspekte der Sammlung aufzuarbeiten (siehe Arbeiten von Daniel Möller M.A. und Alexandra Rüdell M.A.).

Ausblick

Das Vermächtnis Alexander Eckers und seiner Nachfolger birgt auch für die Zukunft zahlreiche Ansatzpunkte. Die Entschlüsselung dieser exzeptionellen Schädelsammlung steht noch am Anfang, die Untersuchung individueller Lebensläufe, archäologischer Gruppen und ethnologischer Hintergründe ist in vielen Fällen noch offen.

Ihr forschungsgeschichtlicher Wert steht außer Frage, da die Sammlung die Denkweise der in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommenden neuen naturwissenschaftlichen Vorgehensweise widerspiegelt. Das Nachvollziehen dieser Entwicklung zeigt auf, welche Rolle Eckers Arbeiten zur Rechtfertigung rassistischer Ideologien am Beginn des 20. Jahrhunderts spielten. Der verantwortungsvolle Umgang mit der heute im Universitätsarchiv Freiburg gelagerten Sammlung ist ein besonderes Anliegen.

Nachweise

Fehr, Hubert (2003)
Portraits Alexander Ecker, Eugen Fischer und Georg Kraft. In: Hilde Hiller (Hrsg.), 20 Jahre Museum für Ur- und Frühgeschichte. Wirken gegen die Vergänglichkeit der Vergangenheit. S. 35-38; 39-42; 43-46.

Ecker, Alexander (1886)
Hundert Jahre einer Freiburger Professoren-Familie : biographische Aufzeichnungen.

Ecker, Alexander (1883)
Verzeichnis der Publikationen von Alexander Ecker : Professor an der Universität Freiburg 1839 - 1883.

Möller Daniel (2008)
Die Anthropologische Schädelsammlung Freiburg (Alexander-Ecker-Sammlung). Rekonstruktion von Herkunft und Erwerbungskontext der Schädel. (unpubl. Magisterarbeit)

Rüdell, Alexandra (2008)
Projekt zur Identifikation von Schädeln australischer Aborigines in der anthropologischen Alexander-Ecker-Sammlung in Freiburg. (unpubl.)  

unterer Abschluss
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