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Universitäts-Augenklinik Freiburg März 1999
Abteilung Neuroophthalmologie und Schielbehandlung
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. G. Kommerell

Mitteilungen aus der Klinik 5/98
Bericht über den Freiburger Augenärzteabend
zu Ehren von Prof. Dr. Dr. G. Mackensen
am 9.10.1998

Programm:

  1. H. Witschel Laudatio
  2. R. Sundmacher (Düsseldorf) Operative Konsequenzen aus dem Limbus-Stammzell-Konzept
  3. T.D. Pham (Berlin) Die Entwicklung und der Stand der Kataraktchirurgie
  4. F. Grehn (Würzburg) Das Problem der Wundheilung in der Glaukomchirurgie
  5. N. Pfeiffer (Mainz) Anmerkungen zur Trabekulotomie

H. WITSCHEL: Laudatio zum 80. Geburtstag von Prof. Mackensen

Begrüßung

Mir fällt heute die erfreuliche und gleichzeitig schwierige Aufgabe zu, die Laudatio zu Ihrem 80. Geburtstag zu halten, lieber Herr Mackensen. Erfreulich, weil wir uns wirklich alle freuen, mit Ihnen Ihren 80. Geburtstag feiern zu dürfen. Schwierig, weil es bereits die dritte Laudatio ist, die ich auf Sie halten darf, nach denjenigen am 70. und am 75. Geburtstag, und seither hat sich nicht mehr so viel Neues in Ihrem Leben ereignet. Und da uns überdies das Wirken und das Werk Mackensens als Arzt, Klinikchef, Forscher und akademischer Lehrer wohl bekannt ist, möchte ich heute mehr den Menschen Mackensen in den Mittelpunkt stellen, als der er uns ja jetzt vor allem wert und teuer ist.

Zunächst aber doch noch einige nackte Daten aus dem Lebenslauf. Mackensen wurde am 7.10.1918 in Braunschweig geboren. Nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums und nach Ableistung des zweijährigen Wehrdienstes begann er 1940 in Göttingen das Studium der Medizin, welches er, unterbrochen durch eine Kriegsfamulatur im Lazarett in Smolensk, 1944 mit dem Staatsexamen abschloß. Noch während des Staatsexamens heiratete er Frau Dr. med. Charlotte Mackensen. Im Juli 1945 und im Februar 1950 wurden seine beiden Kinder Dietrich und Susanne geboren.

Im September 1945 trat Mackensen als unbezahlter Volontärassistent in die Universitäts-Augenklinik Göttingen unter Erggelet ein. Erst zwei Jahre später erhielt er eine volle Stelle als wissenschaftlicher Assistent. 1951 schloß er die Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkunde in Göttingen ab und wechselte 1953 an die Universitäts-Augenklinik Tübingen unter Harms. In Göttingen begonnene, wissenschaftliche Untersuchungen zu funktionellen Zusammenhängen des Sehens, wurden von Mackensen in Tübingen fortgeführt. Als besonders glücklich erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit Elfriede Aulhorn, der er schon in Göttingen begegnet war. 1957 habilitierte sich Mackensen mit einer Arbeit über die Pathophysiologie der Schielamblyopie, 1963 wurde er zum apl Professor ernannt. Die Jahre in Tübingen haben Mackensen stark geprägt. Vieles von der Tübinger Schule hat er mit nach Freiburg gebracht. Auf der anderen Seite hat aber auch Mackensen Spuren in der Tübinger Klinik hinterlassen, die sich teilweise noch heute finden.

In den späteren Tübinger Jahren wandte sich Mackensen mehr und mehr chirurgischen Problemen zu. Zusammen mit seinem Lehrer Harms entwickelte er die Mikrochirurgie des Auges, die dann von Tübingen und Freiburg aus ihren Siegeszug um die Welt antrat. 10 Jahre arbeiteten beide an der neuen Technik, denn es galt ja nicht nur, neue Operationsmethoden zu entwickeln, sondern es mußte auch das nötige Instrumentarium geschaffen werden, vom Mikroskop bis zum Nylonfaden. Erst dann traten sie mit ihrem grundlegenden Buch “Augenoperationen unter dem Mikroskop” 1966 an die Öffentlichkeit. Heute ist das ganz anders, heute werden Methoden und Erkenntnisse in Fernsehen und Focus veröffentlicht, bevor sie einer eingehenden Prüfung unterzogen wurden. Vielleicht ist diese Zurückhaltung ein Grund dafür, daß man so selten die Namen Mackensen und Harms hört, wenn in festlichen Reden die Verdienste der europäischen bzw. deutschen Ophthalmologie gepriesen werden. Das ärgert mich immer. Sicher waren Custodis und Meyer-Schwickerath bzw. ihre Taten Meilensteine im Wege der Entwicklung unseres Faches. Aber was wäre die heutige Augenheilkunde ohne Mikrochirurgie?

1967 folgte Mackensen dem Ruf auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde in Freiburg. Von nun an liegt sein Lebenslauf sozusagen offen vor uns. Bald nach seinem Dienstantritt richtete er zusammen mit der Firma Zeiss mikrochirurgische Kurse ein. Heute würde man sie “wet labs” nennen. Freiburg wurde zum Mekka für angehende Mikrochirurgen. Aus allen Teilen der Welt kamen sie, um die neuen Methoden zu erlernen. Im Gegenzug wurde Mackensen in alle Welt zu Vorträgen und Demonstrationen eingeladen. Als Krönung seines Bemühens um die Mikrochirurgie darf man die zweibändige Operationslehre betrachten, die er zusammen mit Neubauer herausgab und die von Blodi ins Englische übersetzt, auch jenseits des Atlantiks ein großer Erfolg wurde.

Mackensens wissenschaftliches Werk war aber weiter gespannt. Über 160 Publikationen in renommierten Zeitschriften, zahlreiche Buchbeiträge und mehrere Monographien, unter anderem das mit seinem Schüler Grehn zusammen verfasste Glaukombuch, legen davon Zeugnis ab.

Nach dem Umzug aus Tübingen wurde die Freiburger Universität seine neue Heimat. Es war für ihn, wie für die anderen Hochschullehrer seiner Generation, eine Selbstverständlichkeit, sich trotz großer zeitlicher Belastung mit ganzer Kraft für seine “Alma mater” einzusetzen. Zweimal war er Dekan der Medizinischen Fakultät, dann Prorektor für Medizin. Während dieser Zeit knüpfte er enge Kontakte zur Partneruniversität Glasgow, welche ihm die Ehrendoktorwürde verlieh. Für seinen Einsatz konnte Mackensen bei seinem Abschied 1988 die Universitätsmedaille entgegennehmen.

Lassen Sie mich nun versuchen, den Menschen Mackensen ein wenig zu charakterisieren, ein Unterfangen, welches notgedrungen sehr subjektiv gefärbt sein muß. Mackensen wurde, wie schon erwähnt, in die Zeit zwischen den Weltkriegen hinein geboren, eine Zeit der Unsicherheit und vielfältigen Bedrohungen, aber auch eine Zeit der heilsamen Unruhe und des geistigen Aufbruchs. Ein wenig von diesem Geist mag auch in die nördliche Provinzstadt Braunschweig gedrungen sein und dort den jungen Mann, dem eine gütige Fee wache Auffassungsgabe und zeichnerisches Talent in die Wiege gelegt hatte, für das Theater begeistert haben. Er soll kaum eine Aufführung in Braunschweig versäumt haben, und sein festes Ziel war es, Bühnenbildner zu werden. Nun, das konnte glücklicherweise verhindert werden, aber das Theater zieht sich weiter wie ein roter Faden durch sein Leben. Die sagenumwobenen Klinikfeste in Tübingen, wo Mackensen bei Theateraufführungen, Kabarett und musikalischen Darbietungen Regie führte, setzten sich fort in den Neujahrsempfängen und Gartenfesten in Freiburg, die ohne Theateraufführung nicht denkbar waren. Unsere eigenen Bemühungen drohten dabei oft kläglich zu scheitern. Mit fester Hand übernahm er dann selbst die Regie.

Aber ist nicht auch Mackensens Weltsicht durch seine Theaterleidenschaft zumindestens mitgeprägt? Es scheint manchmal, als sähe er das Weltgeschehen wie eine große Theaterkulisse, vor der Personen bzw. Charaktere agieren. Als scharfer Beobachter mit viel Sinn für Originale und Situationskomik betrachtet er das Welttheater mit freundlicher Skepsis und leichter Ironie und sieht hinter dem glänzenden Schein immer auch das Ungesicherte, das Scheinbare, das Vorgespielte. Diese Sicht prägte auch wohl seine Haltung im Klinikalltag. Falsche Sicherheit war ihm stets zuwider. Ein vom soliden Wissen getragenes selbstkritisches Denken und Handeln sollen dem Arzt eigen sein. Nur so kann er wirklich zum Wohle der Patienten wirken, und das Wohl seiner Patienten war Mackensen das wichtigste Anliegen. Eine solche selbstkritische Haltung erwächst nur aus gründlicher Schulung, das war Mackensen bewusst. Und so war er seinen Studenten, die immer seinen Hörsaal füllten, ein begeisterter und begeisternder akademischer Lehrer. An der Klinik führte er den systematischen Weiterbildungsunterricht ein. Als ich 1971 als Assistent in die Klinik eintrat, nicht mehr ganz jung an Jahren, hatte ich schon verschiedene Chefs erlebt. Vom ersten Tag an war ich beindruckt von der Art und Weise, wie man in Freiburg miteinander umging. Man hörte aufeinander, und auch die jüngeren Mitarbeiter wurden in ihrer Meinung ernst genommen. Ein starres Handlungsschema gab es nicht. Manchmal hätten wir lieber feste Regeln gehabt. Gerade für den jüngeren Anfänger ist das oft leichter, aber letztlich war es doch besser so. Zu dieser kritischen, vor allem selbstkritischen Haltung passte auch, daß Mackensen selten wirklich böse wurde, zumindestens nicht mit lauten Worten. Wenn wir etwas verkehrt gemacht hatten, schimpfte er nicht, sondern sah uns oft eher betrübt oder gar traurig an, was viel schwerer zu ertragen war als lauter Zorn, und sicher ebenso gut wirkte. Es gibt verschiedene Methoden, eine große Klinik zu führen, aber Mackensens Stil war sicher nicht der schlechteste. Es hat Freude gemacht, unter ihm zu arbeiten. Eine große Zahl guter Augenärzte, viele Chefärzte und immerhin 5 Lehrstuhlinhaber sind aus seiner Schule hervorgegangen. Und nicht zu vergessen: viele, viele Patienten erinnern sich seiner heute noch mit Dankbarkeit.

Wenn ich von Mackensens pädagogischer Begeisterung gesprochen habe, dann darf ich natürlich die Fortbildungsabende für Augenärzte nicht vergessen, die er in Freiburg begründete, als so etwas in Deutschland noch völlig unüblich war, und die uns seitdem über 180 mal in diesem Hörsaal vereinigt haben. Es war nur folgerichtig, daß die Deutsche Ärzteschaft ihm anläßlich seines 60. Geburtstages die Ernst von Bergmann-Plakette für seine Verdienste um die ärztliche Fort- und Weiterbildung verlieh.

Die Charakterisierung Mackensens wäre unvollständig, würde ich nicht seine zahlreichen anderen Fähigkeiten und Vorlieben wenigstens erwähnen. Von seiner malerischen, zeichnerischen Begabung habe ich schon gesprochen. Sie kam auch in seinem Berufsleben zum Ausdruck, nicht nur bei der Gestaltung von wissenschaftlichen Abbildungen und Büchern, sondern auch im Klinikalltag, etwa bei der Planung von plastischen Operationen. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er bei der Operationsvorstellung --den Blick schon auf das Gesicht des Patienten geheftet-- um einen Filzstift bat --der sich übrigens meistens als ausgetrockenet erwies-- und dann mit leicht erhobenem Kinn, weil durch den unteren Teil seiner Gleitsichtbrille blickend, mit sicherem Schwung die Operationsschnitte auf die Haut des Patienten zeichnete. Diese Kunstwerke waren naturgemäß vergänglich, nur wenige haben sich zumindestens im Bild erhalten.

Wer in Mackensens Gunst stand und steht --und das sind etliche-- darf sich zum Jahreswechsel über eine sehr persönlich gestaltete Glückwunschkarte freuen, oft aus Skizzen bei Wanderungen oder Klinikkausflügen hervorgegangen.

Eine ganze Reihe anderer Hobbies werden von Mackensen gepflegt, und er hat es hier zu einiger Meisterschaft gebracht. So bastelte er einst Flaschenschiffe mit an der Mikrochirurgie geschulten, geschickten Händen. Er beschäftigt sich mit Mineralogie und besitzt eine eindrucksvolle Sammlung schöner Steine. Seine botanischen Kenntnisse sind erstaunlich. In Verbindung mit seiner Leidenschaft fürs Gärtnern, ein Relikt seiner bäuerlichen Abstammung, haben sie einen Garten entstehen lassen, dessen Vielfalt beglückt.

Mackensen liebt die Sprache. Er weiß um ihre Macht als Vehikel unserer Gedanken und Vorstellungen und er legt stets Wert auf Sprachdisziplin. Wen wundert da seine Liebe zur guten Literatur?

Schließlich sei nicht unerwähnt, daß er ein gutes Essen nicht verabscheut und einen edlen Tropfen wohl zu schätzen weiß, Eigenschaften, die seine Persönlichkeit abrunden. Eine barocke Persönlichkeit? Nicht ganz, denn dazu ist er zu feinsinnig. Aber auf ein reiches, erfülltes Leben dürfen Sie nach 80 Jahren zurückblicken, lieber Herr Mackensen, und wir sind dankbar, daß wir viele Jahre daran teilhaben konnten. Wir alle wünschen Ihnen von Herzen für die weiteren Lebensjahre Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Und uns wünschen wir, daß Sie uns noch recht lange erhalten bleiben als vorbildlicher Arzt und Lehrer. Und mir persönlich --wenn ich das hier sagen darf-- als väterlicher Freund.

D. T. PHAM: Die Entwicklung und der Stand der Katarakt-Chirurgie

Einer der wichtigsten Fortschritte in der Katarakt-Chirurgie ist die Entwicklung der selbstschließenden und nahtlosen Wunde. Diese “No-Stitch-Technik” wurde von Mc Farland 1990 eingeführt und hat in den folgenden Jahren eine rasche Verbreitung gefunden. Entscheidend für die Schnitt-Technik ist die Präparation einer cornealen Lamelle als Eingang zur Vorderkammer. Die Lamelle befindet sich im gefäßfreien Areal, d. h. vor der Schwalbeschen Linie. Die radiäre Länge des Tunnels soll 1,5 mm nicht unterschreiten. So ist der Wundverschluß auch bei unphysiologischer Drucksteigerung mit einer daraus resultierenden Wundlamellenverschiebung nicht gefährdet. Besonders hervorzuheben sind die Deformations- und Refraktionsstabilität. Experimente bewiesen, daß die selbstschließende Wunde widerstandsfähiger ist als der bisherige Korneoskleralschnitt, der Kante-zu-Kante mit einer Kreuzstichnaht adaptiert wurde. An enukleierten Augen konnte gezeigt werden, daß eine 7 mm lange selbstschließende Wunde einen intraokularen Druck von über 800 mmHg aushält. Sie ist also um das 5-fache stabiler als der corneosklerale Wundverschluß mit Kreuzstichnaht. Der große Vorteil der selbtschließenden Wunde besteht weiterhin darin, daß die intra- und postoperativen Komplikationen verringert werden: so kommen etwa Hypotonie, Irisprolaps und Hyphäma nur noch sehr selten vor. Die Häufigkeit der Fibrinreaktion und der Endophthalmitis konnte auf die Hälfte reduziert werden. Im Hinblick auf die Refraktion ist die selbstschließende Wunde durch zwei Eigenschaften charakterisiert: sie induziert zum einen nur einen geringen Astigmatismus, da der Nahteinfluß entfällt. Mit einer 7-mm-Inzision erzeugt man z. B. in der 12h-Position knapp 1 dpt Astigmatismus. Der Betrag nimmt zu, wenn man weiter cornealwärts operiert, und er halbiert sich, wenn man den Schnitt um 1 mm nach skleral oder in die temporale Region legt. Zum anderen führt die selbstschließende Wunde bereits früh zu einer stabilen Refraktion. Dies Verhalten muß man kennen, um die postoperative Refraktion unter Berücksichtigung des präoperativen Astigmatismus zu beeinflussen. Das Ziel ist ein postoperativer Astigmatismus von möglichst nicht über 1 dpt.

F. GREHN: Das Problem der Wundheilung in der Glaukomchirurgie

Der Langzeiterfolg der Filtrationschirurgie bei Glaukom hängt von der Entwicklung eines funktionell und morphologisch guten Sickerkissens ab. Die Wundheilungsprozesse im Rahmen der Sickerkissenentwicklung durchlaufen mehrere Phasen. Die meisten Vernarbungsprozesse spielen sich im subkonjunktivalen Bindegewebe ab, nicht im Bereich des Skleradeckels. Daher kann man mit der Spaltlampe die Phasen der Wundheilung abschätzen. Dadurch wird ein frühzeitiges Eingreifen bei Vernarbungsprozessen möglich.

Eine standardisierte Klassifikation des Sickerkissens ist für die Verlaufsbeurteilung hilfreich. Folgende Kriterien wurden zusammengestellt, um eine semi-quantitative Abschätzung der Wundheilungsverhältnisse zu ermöglichen:

  • Vorhandensein oder Fehlen von Mikrozysten in verschiedenen Abschnitten des Sickerkissens
  • Zahl konjunktivaler Gefäße im Vergleich zu Standardfotographien
  • Zahl von Korkenziehergefäßen im Vergleich zu Standardfotographien
  • Vorhandensein oder Fehlen einer Abkapselung des Sickerkissens
  • Höhe des Sickerkissens

Mikrozysten sind kleine, mit Kammerwasser gefüllte Räume, die direkt unter dem konjunktivalen Epithel, häufig am Limbus, aber auch in verschiedenen Abschnitten des Sickerkissens zu finden sind und am besten mit einem schmalen Spalt, zum Teil im regredienten Licht, erkannt werden können.

Korkenziehergefäße entwickeln sich wahrscheinlich durch Kontraktion von subkonjunktivalem Bindegewebe im Rahmen einer überschießenden Wundheilung.

Eine Tenonzyste entsteht durch kondensiertes Bindegewebe, das eine undurchlässige Wand gegenüber dem Kammerwasser bildet. Eine Tenonzyste beweist gleichzeitig die Durchgängigkeit des Skleradeckels. Typischerweise ist die Bindehaut über der Zyste verschieblich. Dies kann als zusätzliches diagnostisches Zeichen gewertet werden.

Bei einer konsekutiven Serie von Glaukomoperationen wurde entsprechend dieser Kriterien beobachtet, ob sich eine günstige oder ungünstige Sickerkissenentwicklung einstellt. Im letzten Fall werden entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen:

  • Verstärkung der lokalen Steroide
  • Subkonjunktivale 5-FU-Injektionen (5 mg/Dosis, täglich über 7 Tage, danach 6x im Abstand einer Woche, Gesamtdosis 65 mg)
  • Kombination aus „Needling" und subkonjunktivaler 5-FU-Applikation nach obigem Schema
  • Ausschneidung der Tenonzyste (nur in seltenen Fällen erforderlich)

Die genaue Beachtung der Wundheilung während der Sickerkissenentwicklung ermöglicht also eine entsprechende therapeutische Intervention und bringt damit bessere Ergebnisse der Glaukomoperation.

Neben der Vernarbung kann auch eine direkte Steroidwirkung (dann bei gutem Sickerkissen) ein Grund für eine postoperative Druckerhöhung sein.

In jedem Fall sollte eine postoperative Augeninnendruckerhöhung nicht automatisch zum Wiedereinsetzen von Glaukommedikamenten verleiten, da diese den Entzündungszustand der Bindehaut verstärken und somit die Vernarbung fördern. Bei konsequenter Behandlung und Intervention nach der Glaukomoperation kann der langfristige Erfolg (Drucksenkung um mindestens 20%, Druckwerte dabei unter 21 mmHg, keine zusätzlichen Glaukommedikamente, Visus und Gesichtsfeld stabil) sicherlich um 20% gegenüber weniger individuellem Vorgehen angehoben werden.

Die Ursache für das Versagen von Filtrationsoperationen liegt einerseits in bekannten Faktoren (Uveitis, vorangegangene Operationen, Neovaskularisation, Membranüberwachsung), andererseits sind aber viele, z. T. in der Biochemie des Kammerwasser gelegene Ursachen noch weitgehend unbekannt. So konnten wir zeigen, daß der Gehalt an bestimmten Wachstumsfaktoren (TGFß2) im Kammerwasser von Glaukomaugen wesentlich höher ist als bei nicht glaukomatösen Kontrollaugen. Dies traf auch für das juvenile Glaukom, nicht aber für das Pseudoexfoliationsglaukom zu. Eine Hemmung des TGFß2 wäre somit ein Ansatz zur Verbesserung der Sickerkissenentwicklung.

Literatur
Classification of filtering blebs in trabeculectomy: biomicroscopy and functionality; G. Picht, F. Grehn; Curr Opin Ophthalmol 1998, 9; II; 2-8

N. PFEIFFER: Anmerkungen zur Trabekulotomie

Dieses Symposium findet zu Ehren von G. Mackensen statt, dem ich viel in der Förderung meiner persönlichen und wissenschaftlichen Entwicklung verdanke. Mackensens klinisches und wissenschaftliches Wirken ist umfangreich und äußerst fruchtbar. Ein Teil dieses Werkes ist die Fortentwicklung der Trabekulotomie, von der hier die Rede sein soll.

Die Trabekulotomie stellt eigentlich die ideale Glaukomoperation dar, da sie am pathophysiologisch entscheidenden Punkt der Glaukomgenese angreift. Sowohl beim primären Offenwinkelglaukom als auch beim dysgenetischen – congenitalen – Glaukom ist der Abflußwiderstand im juxtakanalikulären Gewebe und im Trabekelwerk erhöht. Bei der Trabekulotomie werden gerade diese Strukturen eröffnet, die Abflußleichtigkeit für das Kammerwasser verbessert und im besten Fall auf das normale Maß geregelt. Dennoch hat sich das operativ anspruchsvolle Verfahren zunächst nicht leicht durchsetzen können.

Erstmals beschrieben wurde die Trabekulotomie 1960 von Smith und Burian. Weitere Verbreitung erfuhr sie jedoch erst, nachdem Dannheim, Harms und Mackensen das Verfahren modifiziert, die Operation unter dem Operationsmikroskop ausgeführt und das notwendige Instrumentarium entwickelt hatten. Seitdem ist die Technik, am anschaulichsten beschrieben in Mackensens Operationslehre, fest etabliert. Die wichtigsten Schritte sind: Präparation eines Skleradeckels und Aufsuchen des Schlemmschen Kanals, Sondieren des Schlemmschen Kanals mit einer feinen Sonde und Einschwenken derselben in die Vorderkammer des Auges. Die Hauptschwierigkeiten liegen in der Identifizierung des Kanals und der Eröffnung nur des juxtakanalikulären Gewebes und Trabekelwerks. Als hilfreich für das Auffinden des Kanals hat sich die Präparation eines zweiten, tiefen Deckels erwiesen. Hierdurch wird die Steuerung der Tiefe der Präparation verbessert, und häufig „fällt" man bei der Präparation geradezu in den Kanal hinein. Eine gonioskopische Kontrolle während der Operation kann zur Verifizierung der Lokalisation dienen. Typische Komplikationen des Verfahrens sind das Verfehlen des Kanals und eine Descemetolyse oder Verletzung angrenzender Strukturen beim Einschwenken der Sonde in die Vorderkammer. Besonders kritisch ist, wenn versehentlich der leicht zu eröffnende subziliare Raum mit dem Schlemmschen Kanal verwechselt wird, da es dann zur Ziliarkörperabhebung kommen kann. Auch bei korrekter Präparation ist eine Blutung in die Vorderkammer häufig, da es durch Erniedrigung des Druckes zum Rückfluß aus den episkleralen Venen kommt. Schließlich findet man nach Trabekulotomie in fast einem Drittel der Fälle ein – meist flaches – Sickerkissen, obwohl eine Fistulation von Kammerwasser unter die Bindehaut gar nicht intendiert ist. Mehrere Indikationen sind für die Trabekulotomie fest etabliert: Beim congenitalen Glaukom ist die Trabekulotomie die Methode der Wahl. Vorteile gegenüber der Goniotomie sind die Durchführbarkeit auch bei Hornhauttrübung und das Erreichen normaler Augeninnendruckwerte mit einer geringeren Zahl von Eingriffen. Gute Ergebnisse werden auch bei anderen dysgnetischen Glaukomformen, wie dem spätjuvenilen Glaukom, dem Pigmentdispersionsglaukom und dem Glaukom bei hoher Myopie berichtet. Günstig ist die Trabekulotomie auch bei Sturge-Weber-Syndrom, bei dem die Trabekelektomie ein hohes Risiko darstellt. Mehrere Autoren haben die Trabekulotomie kombiniert mit einer Kataraktoperation eingesetzt und über gute Ergebnisse berichtet, die anderen Kombinationen, wie etwa der mit Trabekelektomie, sogar unter zusätzlicher Verwendung von Mitomycin C, entsprechen. Beim primären Offenwinkelglaukom hat sich die Trabekulotomie dagegen nicht durchsetzen können, da die Augendrucksenkung geringer ist als bei fistulierenden Verfahren. Die Gründe dafür sind nicht klar. Möglicherweise ist die aufwendigere und gegen Variationen anfälligere Operationstechnik ausschlaggebend. Für die Trabekelektomie als Glaukomoperation beim Offenwinkelglaukom spricht aber, daß unter Verwendung von Antimetaboliten wie Mitomycin C oder 5-FU ein besonders niedriger Druck erreicht werden kann. Grundsätzlich gilt, daß die Probleme der Trabekulotomie während der Operation auftreten und eine große Herausforderung darstellen. Gelingt die Operation, so ist der Verlauf, abgesehen von der Resorption der häufig auftretenden Blutungen, in der Regel unkompliziert. Die Trabekelektomie dagegen ist zwar technisch einfacher. In der postoperativen Phase gibt es aber oft Probleme wie Hypotonie, Sickerkissenversagen und Heilungsschwierigkeiten, die nach der Trabekulotomie selten sind.

Zur Zeit wird ein neues Operationsverfahren propagiert, welches möglicherweise nur einer modifizierten Trabekulotomie entspricht: Bei der tiefen Sklerotomie mit Viskokanalostomie wird eine der Trabekulotomie ganz ähnliche Präparation vorgenommen und danach ein Hyaluronsäurepräparat in den Schlemmschen Kanal gespritzt (das allerdings zuweilen in die Vorderkammer gelangt). Es kommt es einer Ausbleichung der episkleralen Venen. Damit ist ein Charakteristikum der Trabekulotomie ausgebildet, nämlich der Anschluß der Vorderkammer an das episklerale Abflußsystem.

unterer Abschluss
Impressum