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Stuhlinkontinenz
Betroffene Patienten mit Stuhlinkontinenz sind neben älteren Patienten auch junge Frauen, die eine Schädigung des Damms während der Entbindung erlitten haben. Ebenso können operative Eingriffe oder Unfälle zu Funktionsbeeinträchtigungen des Schliessmuskelapparartes führen. Stoffwechselerkrankungen wie die Zuckerkrankheit oder Erkrankungen des Nervensystems (Schlaganfall, Multiple Sklerose) sind weitere mögliche Ursachen für eine Inkontinenz.
Dabei stellt die Stuhlinkontinenz oft ein Symptom verschiedenster Ursachen dar, die im Vorfeld vor einer Behandlung geklärt und therapiert werden müssen.
Verschiedene Schweregrade werden nach der Fähigkeit eingeteilt, Winde, flüssigen Stuhl oder festen Stuhl halten zu können.
Einteilung der Stuhlinkontinenz
Grad I flüssig-breiger Stuhl kann nicht gehalten werden
Grad II zusätzliches Unvermögen für das Halten von Winden
Grad III zusätzlich kann fester Stuhl nicht gehalten werden
Moderne Therapiekonzepte bieten eine Reihe von Möglichkeiten eine vorhandene Stuhlinkontinenz entscheidend zu lindern oder sogar zu heilen.
Die Therapie der Stuhlinkontinenz besteht vorangig in der Behandlung der ursächlichen Erkrankung. Wenn dieses nur unzureichend oder nicht möglich ist stehen zunächst allgemeine pflegerische und medikamentöse Massnahmen im Mittelpunkt. Hierzu zählen hygienische Verhaltensmassnahmen (z.B. Verwendung von Vorlagen, austrocknende Cremes und Salben) um Hautreizungen im Analbereich durch ständigen Kontakt mit dem Stuhl zu reduzieren. Ballaststoffreiche Ernährung, blähende Speisen und Kaffe sollten vermieden werden, da sie die Kontinenzleistung durch Erhöhung der Stuhlfrequenz und Verminderung der Stuhlkonsistenz erschweren. Zur medikamentösen Therapie kommen Medikamente (z.B. Loperamid) zum Einsatz, die über eine Verlangsamung der Darmpassage die Flüssigkeitsrückresorption aus dem Darm fördern und dadurch die Stuhlkonsistenz erhöhen und damit die Stuhlfrequenz erniedrigen.
Durch konsequente Beckenbodengymnastik sind vielfach gute Ergebnisse zu erreichen.
Weitere in der Therapie der Stuhlinkontinenz etablierte Verfahren sind das Biofeedback-Training und die Elektrostimulation. Mit dem Biofeedback übt der Patient anhand optischer oder akustischer Signale seinen äußeren Schließmuskel. Im Gegensatz zum Biofeedback wird bei der Elektrostimulation die Kontraktion des Schliessmuskels nicht aktiv durch den Patienten ausgelöst, sondern sie wird passiv durch Stromapplikation mittels Elektroden erzeugt. Bei der Elektrostimulation wird der innere Schließmuskel, der nicht willkürlich kontrolliert werden kann, mit Hilfe von schwachen Reizströmen stimuliert und so trainiert.
Neuere Geräte vereinen beide Funktionen in einem und ermöglichen so ein umfassendes Training, das der Patient nach kurzer Anlernphase zu Hause selbstständig durchführen kann. Die genannten Verfahren werden in unserer chirurgischen Klinik angewandt.
Bei bestimmten Defekten des Schliessmuskelapparates kommen auch operative Verfahren zur Anwendung, die eine Straffung oder Wiederherstellung des beschädigten Schließmuskels zum Ziel haben. Sind diese Operationen nicht erfolgreich, kann in ausgewählten Fällen auch ein künstlicher Schließmuskelersatz durchgeführt werden.
© Text: Prof. Ruf 2005




