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Ein neue Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien: Tiefe Hirnstimulation im vorderen Thalamus
Epilepsien betreffen 1 von 100 Menschen. Trotzt Verbesserungen in der Behandlung mit Medikamenten und durch Epilepsiechirurgie gibt es Patienten, denen bislang nicht ausreichend geholfen werden kann. Für diese Gruppe ist seit Herbst 2010 ein neues Behandlungsverfahren in Deutschland zugelassen: die tiefe Hirnstimulation im vorderen Thalamus.
Das Neurozentrum Freiburg gehört zu den führenden Epilepsiezentren in Europa, wo dieses neue Behandlungsmöglichkeit durchgeführt wird, zu der hier einige Information zusammen gestellt sind.
Wie funktioniert tiefe Hirnstimulation?
Für die tiefe Hirnstimulation wird ein kleines, batteriebetriebenes Gerät im Brustbereich unter der Haut eingesetzt, ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher. Dieses kann genau gesteuerte Stromimpulse aussenden. Diese Impulse werde über Kabel geleitet, die unter der Haut bis zum Nacken und hinter den Ohren bis zu der Stelle verlaufen, wo die Kabel durch den Schädelknochen durchtreten. Die Kabel enden beidseits an dünnen Elektroden (1 mm Durchmesser), die ein bestimmte Region im Gehirn, dem Thalamus, erreichen. Während das Verfahren der tiefen Hirnstimulation zur Epilepsiebehandlung noch neu ist, wird es in vergleichbarer Weise schon seit längerem zur Behandlung anderer Erkrankungen angewandt. Beispielsweise wurden weltweit bereits 70.000 Parkinsonpatienten mit tiefer Hirnstimulation behandelt.
Das Zielgebiet der Stimulation, der „Thalamus“, ist ein zentral im Gehirn liegendes Gebiet, das mit vielen Hirnarealen in Kontakt steht. Die Stromimpulse wirken sich auf die Entwicklung und Ausbreitung epileptischer Aktivität aus.
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| Lage einer Reizelektrode im Thalamus | Elektrodenspitze mit Platinkontakten |
Wie wirksam ist die Behandlung?
Der Zulassung als Behandlung liegt eine multizentrische Studie zugrunde, die von Robert Fischer, dem Leiter des Epilepsiezentrum an der Universität Stanford in den USA im Jahr 2010 veröffentlicht wurde.
Über 100 erwachsenen Patienten mit fokaler Epilepsie, denen weder mit Medikamenten, Epilepsiechirurgie oder Vagusnervstimulation (VNS) ausreichend geholfen werden konnte, wurde ein Stimulator zur tiefen Hirnstimulation im vorderen Thalamus eingesetzt. Zu Beginn der Studien hatten die Patienten durchschnittlich 20 Anfälle pro Monat. Die Studie wurde durch die Firma Medtronic finanziert, die die Stimulationsgeräte herstellt. Zunächst wurde einen Monat abgewartet. In dieser Phase nahm die Anfallsfrequenz auch ohne Stimulation um 21% ab, was entweder ein Placeboeffekt darstellte oder ein Effekt des Einbringens der Elektroden in den Thalamus. Dann wurde bei der Hälfte der Patienten der Stimulator eingeschaltet, während er in der anderen Hälfte der Patienten ausgeschaltet blieb. Weder die Patienten, noch deren Ärzte wussten in dieser Phase welcher Patient zu welcher Gruppe gehörte. Ein solcher Doppel-Blind-Versuch entspricht den höchsten Anforderungen an eine medizinische Studie.
Nach 3 Monaten hatten Patienten in der Stimulationsgruppe 40% weniger Anfälle als vor Studienbeginn, während Patienten in der Gruppe ohne Stimulation nur 14,5% weniger Anfälle hatten. Bemerkenswert war, dass in den 3 Monaten nur 7 % der Patienten in der Stimulationsgruppe anfallsbedingte Verletzungen erlitten im Vergleich zu 26 % in der Gruppe ohne Stimulation.
In der zweiten Phase der Untersuchung wurde die Stimulation bei allen Patienten eingeschaltet. Nach 12 Monaten hatten die Teilnehmer durchschnittlich 41% weniger Anfälle.
Zu diesem Zeitpunkt konnten die Patienten sich für ein Fortführung der Stimulation entscheiden, was die meisten taten. Nach zwei Jahren war die durchschnittliche Anfallshäufigkeit um 56% gesunken. 14 Patienten waren für mindestens 6 Monate anfallsfrei.
Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?
Bei den 110 Patienten war die Hauptkomplikation Infektionen im Bereich der Implantationsstelle, die jeweils behandelbar waren oder Missempfindungen. In der Gruppe mit Stimulation berichteten mehr Patienten über depressive Stimmung oder dem Gefühl der Gedächtnisstörung als in der Gruppe ohne Stimulation. In Gedächtnistests jedoch fand sich kein Unterschied.
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| Ein stereotaktischer Neurochirurg in Freiburg bei der Implantation
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| Lage der Stimulationselektroden im Röngtgenbild |
Wer kann sich durch tiefe Hirnstimulation behandeln lassen?
Erwachsene mit bislang nicht ausreichend kontrollierter Epilepsie können sich in Freiburg behandeln lassen. Wenn Sie mehr über Chancen und Risiken der Behandlung erfahren möchten, können Sie sich gerne an uns wenden:
Tel. 0761 270 53660 (Sekretariat des Epilepsizentrums) oder Dr. M. Neufang 0761 270 87560









