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Koronarchirurgie
Indikation für eine Bypassoperation sind Erkrankungen des Hauptstamms der linken Kranzader, Erkrankungen aller 3 Gefäße oder solche Erkrankungen, die nicht mit Hilfe von Kathetertechniken behandelt werden können.
Als Bypassmaterial am Herzen können verschiedene Gefäße verwendet werden.
1. Brustwandarterien
Bei den meisten Bypassoperationen wird die linke Brustwandarterie als Bypassmaterial verwendet. Die linke Brustwandarterie oder auch Arteria mammaria entspringt aus der linken Armarterie. Im Rahmen der Herzoperation kann diese Arterie nach Eröffnen des Brustbeins von der Brustwand abpräpariert werden. Anschließend wird das fußwärts gelegene Ende der Brustwandarterie abgetrennt und hinter der Engstelle der Kranzader aufgenäht (in situ Bypass). Seltener werden auch beide Enden der Brustwandarterie durchtrennt und das Gefäß als so genannter Freegraft verwendet. Dabei wird das kopfwärts gelegene Ende in den Aortenbogen eingenäht.
Die Arteria mammaria hat von allen Bypassgefäßen die beste Langzeitprognose.
2. Stammvenen des oberflächlichen Venensystems aus Unter- und Oberschenkel
Das sauerstoffarme Blut wird aus den Beinen über ein tiefes und ein oberflächliches Beinvenensystem zurück zum Herzen drainiert. Ist das tiefe Beinvenensystem intakt, kann die Stammvene des oberflächlichen Venensystems als Bypassmaterial verwendet werden. Dies ist nicht möglich bei starken Krampfadern des Gefäßes. Wie bei einem Freegraft der Brustwandarterie wird das eine Ende der Venen hinter der Engstelle des betroffenen Herzkranzgefäßes aufgenäht und das andere Ende in die Aortenwurzel eingenäht. Abb. 5 zeigt eine Schemazeichnung von koronaren Venenbypässen. Abb. 6 zeigt den intraoperativen Situs nach angelegten Venenbypass. In Abb. 7 ist die Nahttechnik gezeigt, mittels derer ein Venenbypass auf eine Herzkranzader aufgenäht wird (Anastomose).
In Freiburg wird die Beinvene mittels endoskopischer Technik entnommen. Hierbei sind nur minimale Hautschnitte zum Präparieren der Vene notwendig. Es kommt dadurch zu einem sehr guten kosmetischen Ergebnis. Komplikationen wie z. B. Wundinfekte nach Minivenen-Entnahme sind extrem selten.
3. Unterarmarterien (Arteria radialis)
Es gibt zwei große Unterarmarterien, die Arteria radialis und die Arteria ulnaris. Für die Bypassoperation wird die Arteria radialis verwendet. Vor der Entnahme wird über den so genannten ALLEN-Test sichergestellt, dass eine ausreichende Blutversorgung der Hand über die Arteria ulnaris besteht. Die Arteria radialis als Bypassmaterial wird insbesondere in 2 Fällen verwendet:
- 1. Bei jungen Patienten, da die Verwendung arterieller Bypässe im Vergleich zu Venenbypässen bei hochgradigen Verengungen der Herzkranzgefäße längere Offenheitsraten gezeigt hat.
- 2. Bei älteren Patienten, wenn aufgrund von Voroperationen oder z. B. von Krampfadern kein anderes Bypassmaterial zur Verfügung steht.
OP-Technik:
Im Rahmen einer Bypassoperation wird üblicherweise das Brustbein eröffnet, anschließend werden simultan Brustwandarterie und Beinvene, gegebenenfalls auch Armarterie, als Bypassmaterial präpariert. Dann erfolgt der Anschluss des Herzens an eine Herz-Lungen-Maschine. Da in den meisten Fällen im Rahmen einer Bypassoperation das Herz stillgelegt wird, muss die Aorta abgeklemmt und die Herz-Lungen-Maschine in dieser Zeit die Funktion des Herzens und der Lunge übernehmen. Das Blut wird dabei in der Maschine mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Körperkreislauf gepumpt. Nach Beendigung der Bypassoperation wird die Aortenklemme wieder entfernt und das Herz beginnt wieder zu schlagen. Anschließend wird die Herz-Lungen-Maschine wieder beendet. Das eröffnete Brustbein wird mit Drahtcerclagen verschlossen und die Wunde wieder verschlossen. Der Patient wird anschließend beatmet auf unsere Intensivstation verlegt. Die Extubation erfolgt üblicherweise nach 5 - 8 Stunden. Die Herz- und übrigen Körperfunktionen des Patienten werden währenddessen engmaschig überwacht. Im Regelfall können die Patienten am anschließenden Tag auf die Normalstation verlegt werden. Dort erfolgt die schrittweise Mobilisation und eine anschließende Verlegung in eine Reha-Klinik. Der Aufenthalt in einer Reha-Klinik dauert üblicherweise 3 Wochen.
Nachsorge:
Zur Muskelkräftigung werden täglich krankengymnastische Übungen durchgeführt. Wichtig ist auch ein intensives Atemtraining zur Vorbeugung von Lungenentzündung. Das Brustbein braucht für die vollständige Heilung ca. 3 Monate, so dass in diesem Zeitraum alle Belastungen, die auf das Brustbein einwirken können, vermieden werden sollten. Sollten Sie Fragen zu Ihrer Operation haben, können Sie sich gerne mit unten genannter Kontaktadresse in Verbindung setzen.
Kontaktadresse:
OA Dr. med. J.Schöllhorn
Herz-Kreislauf Zentrum Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55
D-79106 Freiburg
Tel.: 0761 / 270 - 27550
E-mail: joachim.schoellhorn@uniklinik-freiburg.de





