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Erworbene Herzklappenerkrankungen
Die Hauptfunktion des Herzens besteht darin, den Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Dafür schlägt es im Durchschnitt 60-90 mal pro Minute und fördert 5-6 Liter Blut pro Minute. Das Herz besteht aus vier Kammern: dem rechten und linken Atrium (Vorhof) und dem rechten und linken Ventrikel (Hauptkammer). Sauerstoffarmes Blut wird aus dem Körper über eine obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof geleitet. Von dort gelangt es in den rechten Ventrikel, der es in die Lungenstrombahn pumpt. Dort angereichert mit Sauerstoff gelangt das Blut zurück zum Herzen in den linken Vorhof, von dort weiter in den linken Ventrikel, der es in die Aorta (Hauptschlagader) und somit in den gesamten Körper befördert. Vier Herzklappen ermöglichen einem Ventil entsprechend zum einen den ungehinderten Vorwärtsfluß des Blutes, zum anderen verhindern sie , daß das Blut zurückströmen kann:
Die Herzklappen öffnen und schließen sich ca.
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1. Trikuspidalklappe: zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer 2. Pulmonalklappe: zwischen rechter Kammer und Lungenstrombahn 3. Mitralklappe: zwischen linkem Vorhof und linker Kammer 4. Aortenklappe: zwischen linker Kammer und Körperstrombahn |
35-40 millionenmal im Jahr. Eine Einschränkung ihrer Funktion beeinträchtigt den gesamten Körperkreislauf.
Ursachen für Herzklappenerkrankungen
Die Funktion der Herzklappen kann durch verschiedene Weise gestört werden. Neben den bereits angeborenen Herzklappenveränderung unterscheidet man mehrere Ursachen, die im Laufe des Lebens zu Klappenveränderungen führen können:
1. Infektionen ( Endokarditis)
Häufigste Ursache ist das rheumatische Fieber, das durch eine Art allergische Reaktion auf bestimmte Bakterien (Streptokokken) zu entzündlichen Veränderungen an den Klappen aber auch in der Haut, im zentralen Nervensystem und an den Gelenken führen kann. Die bakterielle Endokarditis hingegen entsteht durch die unmittelbare Besiedelung von Bakterien an der Klappe, die durch einen infektiösen Streuherd im Körper ins Blut gelangten.
2. Alterungsprozess ( Degeneration)
Das ursprünglich zarte Klappengewebe wird steif und unbeweglich; es kommt zu Kalkeinlagerungen, Schrumpfungen, Verwachsungen oder Zerstörung der Klappenanteile.
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| Degenerative Veränderungen einer Aortenklappe mit hochgradiger Einengung |
3. Relative Klappenfehler
Bei einer ausgeprägten Herzschwäche besteht eine Erweiterung des Herzmuskel, die auch den sogenannten Klappenapparat mitbetrifft. Es kommt zur Schlussunfähigkeit der Klappe. Ebenso kann ein Herzinfarkt Herzmuskelanteile zerstören, wodurch die Klappenfunktion beeinträchtigt wird. Betroffen sind meist die Klappen des linken Herzens: die Mitralklappe und die Aortenklappe. Die Einengung einer Klappe nennt man Stenose, sie behindert den Vorwärtsfluss des Blutes. Die Schlussunfähigkeit einer Klappe, die den Rückfluss des Blutes zulässt wird als Insuffizienz bezeichnet.
Symptome bei Herzklappenerkrankungen
Eine langanhaltende Funktionseinschränkung einer Herzklappe führt zur Pumpeinschränkung des Herzens. Bei einer Klappeninsuffizienz wird das Herz mit Volumen überlastet, bei einer Stenose durch den hohen Druck , den es überwinden muss. Ist das Herz überfordert entstehen Symptome wie rasche Ermüdbarkeit, Atemnot bei Belastung, Beinschwellungen, Herzrasen, Brustkorbschmerzen oder kurzzeitige Bewusstseinseintrübungen.
Diagnostik
Bereits der Hausarzt kann durch Abhören der Herztöne den Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung stellen. Eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung ( Echokardiographie) kann seine Diagnose bestätigen. Ergänzend kann durch eine Herzkatheteruntersuchung mit Druckmessungen im Herzen der Klappenfehler genau bestimmt werden.
Mechanische Herzklappen
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Sie zeichnen sich aus durch eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit bei guter Körperverträglichkeit. Um die Bildung von Blutgerinnseln an der Klappe zu verhindern (die immer dann entsteht, wenn Blut mit körperfremdem Material in Berührung kommt) müssen jedoch die Patienten lebenslang ein gerinnungshemmendes Medikament (Antikoagulantien) einnehmen. Dadurch entsteht eine erhöhte Blutungsneigung. Die Blutgerinnung muss durch regelmäßige Blutkontrollen ( Quick- oder INR- Wert) durch den Hausarzt oder den Patienten selbst eingestellt werden. Die künstliche Herzklappe eignet sich vor allem für jüngere Patienten.
Biologische Herzklappen
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Biologische Herzklappen bestehen vorwiegend aus Herzklappen- oder Herzbeutelmaterial von Schweinen oder Rindern. Dieses Gewebe wird auf ein Gerüst ( Stent) aufgebaut. Daneben gibt es auch gerüstfreie biologische Klappen (stentless), die aus kompletten Aortenklappen von Schweinen hergestellt werden. Eine weitere Art von biologischen Klappen sind die sogenannten Homografts, menschliche Pulmonal- oder Aortenklappen.
Der Vorteil der biologischen Klappen besteht darin, dass eine dauerhafte Blutgerinnungshemmung nicht erforderlich ist. Die Haltbarkeit ist jedoch eingeschränkt, begründet durch Verkalkungen mit nachfolgender Einengung, die eine erneute Operation erforderlich machen können. Biologische Klappen eignen sich somit eher für ältere Patienten. Gerüstfreie und menschliche Klappen sind derzeit noch vorwiegend auf wenige Patienten beschränkt.





