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Vorhofflimmern
Was bedeutet Vorhofflimmern?
Beim Vorhofflimmern tritt der Sinusknoten als normaler Taktgeber der Herzfrequenz außer Kraft. Die elektrischen Impulse zur Erzeugung der Herzkontraktion entstehen beim Vorhofflimmern in verschiedenen Stellen der Vorhöfe. In der Entstehung werden einzelne, spontan aktive schnell feuernde Erregungszentren in den Vorhöfen von kreisenden Erregungen unterschieden (Abbildung 4).
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| Abb 4: Erregung der Vorhöfe bei Vorhofflimmern, a: einzelne, spontan aktive schnell feuernde Erregungszentren, b= kreisende Erregungen, RA= rechter Vorhof, LA= linker Vorhof | |
Diese unregelmäßigen elektrischen Impulse führen zu einer unregelmäßigen und stark erhöhten Anzahl von Vorhofkontraktionen (> 350 pro Minute). Dies führt in der Folge zu einer unregelmäßigen Kontraktion der Herzkammern. Die Häufigkeit der Kontraktion der Herzkammern kann im Rahmen dieser Erkrankung normal oder auch deutlich erhöht sein. Abb 5 zeigt das EKG bei Vorhofflimmern.
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| Abb 5: EKG des Herzens bei Vorhofflimmern |
Welche Arten von Vorhofflimmern gibt es?
In der Definition werden 3 verschiedene Arten des Vorhofflimmerns unterschieden:
- paroxysmal, tritt anfallsweise auf und terminiert sich spontan, normalerweise innerhalb der ersten 48 Stunden
- persistierend, terminiert sich nicht spontan, aber kann medikamentös oder mittels Kardioversion in einen normalen Sinusrhythmus überführt werden
- permanent, terminiert sich nicht spontan und kann weder medikamentös noch mittels elektrischer Kardioversion in einen Sinusrhythmus überführt werden
Wie häufig ist Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen. Derzeit leiden ca. 5,5 Millionen Menschen weltweit unter dieser Erkrankung und es werden jährlich ca. 720.000 Neuerkrankungen weltweit festgestellt. Es wird prognostiziert, dass sich diese Zahl in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Die Anzahl der Erkrankungen steigt mit dem Alter. Es leiden ca. 3% der 60%-jährigen und ca. 8% der 80-jährigen Menschen unter dieser Form der Herzrhythmusstörung.
Welche Risikofaktoren zur Entstehung des Vorhofflimmerns gibt es?
Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigen. Hierzu zählen beispielsweise Herzklappenerkrankungen (insbesondere Erkrankungen der Mitralklappe), in deren Rahmen es zu einer Vergrößerung, Überdehnung und Umstrukturierung der Vorhöfe kommt, die für die Entstehung des Vorhofflimmerns prädisponiert. Weitere Faktoren, die die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigen, sind hohes Lebensalter, Diabetes, hoher Blutdruck, Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, eine Entzündung des Herzens, Schilddrüsenerkrankungen oder auch angeborene Herzfehler. In selteneren Fällen kann es auch ohne zugrunde liegende systemische Erkrankung zu Vorhofflimmern kommen.
Wie macht sich Vorhofflimmern bemerkbar?
Vorhofflimmern kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen: Hierzu zählen beispielsweise Herzrasen, Brustenge, Schwindel oder auch Müdigkeit und Schwäche. Ebenfalls kann es durch den Verlust der normalen Vorhofkontraktion zu einer verminderten Füllung der Herzkammern und so zu einem verminderten Schlagvolumen des Herzens kommen. Das Schlagvolumen des Herzens kann zusätzlich durch die irreguläre Erregung der Herzkammern vermindert sein. Dies kann dazu führen, dass der Herzmuskel langfristig nicht mehr in der Lage ist, das vom Körper benötigte Blutvolumen auszuwerfen und es kann zu den Symptomen eines Herzversagens kommen. Studien haben jedoch gezeigt, dass die durch Vorhofflimmern verursachte Form des Herzversagens durch die Wiederherstellung eines normalen Sinusrhythmus wieder rückgängig gemacht werden kann. Eine weitere gravierende Folge des Vorhofflimmerns kann das Auftreten von Embolien (Fortspülung von Blutpfropfen) sein. Durch die flimmernde Bewegung der Vorhöfe kann es zu einer Stagnation des Blutes in den Vorhöfen und somit zur Ausbildung von Blutpfropfen (Thromben) kommen. Diese Thromben können im Rahmen der Herzaktion aus den Vorhöfen in die Kammern und von dort in die Schlagadern fortgespült werden (Embolie). Die fortgespülten Thromben können in der Peripherie Gefäße verschließen. Im Körperkreislauf kann dies z. B. zu akuten Verschlüssen von Arm, Bein oder Organarterien führen. Besonders gefährlich ist jedoch der akute Verschluss von hirnversorgenden Arterien mit der Folge eines Schlaganfalls (Abb 6). Das Vorhofflimmern ist die häufigste Ursache für einen Schlaganfall bei Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind. Bei diesen Patienten ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um das 3 - 5 fache erhöht.
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| Abb 6: Entstehung eines Schlaganfalls |
Das Vorhofflimmern ist somit eine ernst zu nehmende und potentiell gefährliche Erkrankung. Eine Studie hat gezeigt, dass allein die Diagnose Vorhofflimmern die Lebenserwartung um bis zu 5 Jahre bei Männern und um bis zu 9 Jahre bei Frauen verringern kann.














