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Vogelgrippe – Wird aus der Geflügelpest ein tödliches Supervirus?
Der Erreger, von dem Virologen lange glaubten, er befalle nur Vögel, hat bis heute über 150 Menschen infiziert; die Hälfte von ihnen starb. Zuletzt Patienten in Ägypten und der Türkei. Verantwortlich ist die Geflügelpest, ein Influenzavirus namens H5N1. Wie gefährlich dieses Virus für den Menschen ist, darüber diskutieren Wissenschaftler weltweit. "Am Puls Magazin" sprach mit Prof. Otto Haller, Leiter der Virologie am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Freiburg und Influenza-Experte am European Center for Disease Control (ECDC) in Stockholm.
AmPuls Magazin: Wie gefährlich ist H5N1?
Haller: Die Frage ist derzeit: Für wen? H5N1 ist ein Virus, das in Wasservögeln wie beispielsweise frei lebenden Enten vorkommt und dort mittlerweile zu schweren Erkrankungen führt. Seine Wirkung bei Hausgeflügel ist jedoch noch deutlich drastischer: Das Virus verbreitet sich rasch und die meisten Tiere verenden in wenigen Tagen; das erklärt auch die landläufige Bezeichnung der Erkrankung als Geflügelpest. Kommt der Mensch mit dem Virus in Kontakt, kann er erkranken – wie wir wissen mit teilweise tödlichen Folgen. Entscheidend ist aber: H5N1 überträgt sich nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht von Mensch zu Mensch.
AmPuls Magazin: Warum dann die ganze Aufregung um ein, jedenfalls für den Menschen, eher "harmloses" Virus?
Haller: Harmlos ist das Virus ja keinesfalls. Es geht um die Angst vor einer Pandemie, also einer rasanten Ausbreitung der Erkrankung beim Menschen. Davor fürchten wir uns. Noch ist die pandemische Ausbreitung des Virus auf Geflügel und Vögel beschränkt.
AmPuls Magazin: Was heißt noch?
Haller: Influenzaviren verändern sich ständig. Wir kennen das von den jährlichen Grippewellen: regelmäßig entstehen vor allem in Asien neue Viren-Varianten, die mal mehr oder mal weniger schwere Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Wenn sich H5N1 nun, und genau darin besteht die Gefahr, von Mensch zu Mensch ebenso einfach und rasant verbreiten würde wie beim Geflügel, könnte es zu einer Pandemie kommen.
AmPuls Magazin: Also ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus zu einer ernsten Gefahr wird?
Haller: Im Prinzip richtig. Leider kann beim derzeitigen Kenntnisstand niemand diesen Zeitpunkt auch nur annähernd definieren. Influenzaviren mutieren ständig. Treffen dabei verschiedene Virusstämme aufeinander, kann es durch ein so genanntes Reassortment zu einer drastischen Veränderung des Erbgutes der Viren kommen. Es ist daher denkbar, dass auf diese Weise H5N1 mit Influenzaviren, die von Mensch zu Mensch übertragbar sind, zusammenkommt und durch ein Genaustausch ein neues Virus entsteht. Der Mensch wird quasi zum "Virenmischer".
AmPuls Magazin: Und das Ergebnis eines solchen genetischen Veränderung könnte ein neues Supervirus sein, das eine Pandemie auslöst?
Haller: Es besteht die Möglichkeit. Entscheidend ist deshalb, dem Virus so wenige Chancen wie möglich zur Mutation im Menschen zu geben. Wir haben dazu zwei Alternativen: Entweder sorgen wir dafür, was ja bereits geschieht, dass die Ausbreitung und der Kontakt zu infizierten Tieren, also bei H5N1 in erster Linie Vögeln und Geflügel, vermieden wird. Oder wir greifen mit einer Impfung direkt bei den Trägern des Virus ein; das heißt potentielle Überträger des Virus, also beispielsweise Hühner, werden geimpft – für den Menschen existiert ein solcher Impfstoff leider noch nicht.
AmPuls Magazin: Wie kann man sich schützen?
Haller: Wir sind vorbereitet: Es gibt Medikamente, vor allem die so genannten "Neuraminidaseinhibitoren" Oseltamivir und Zanamivir, die gegen H5N1 gute Wirkung zeigen. Pandemiepläne und eine gut organisierte Diagnostik – beispielsweise hier am Universitätsklinikum – sorgen dafür, dass wir der Vogelgrippe keineswegs schutzlos ausgeliefert sind. Darüber hinaus arbeiten nicht nur wir intensiv an der weiteren wissenschaftlichen Erforschung der Funktionsweise von Viren sowie an neuen beziehungsweise verbesserten Impfstoffen. Diese müssen wir nicht nur deutlich schneller entwickeln, sondern vor allem auch in ausreichenden Mengen und zu bezahlbaren Kosten verfügbar machen. Nur wenn wir mehr über Viren wissen und dieses Wissen nachhaltig einsetzen haben wir vielleicht eines Tages eine Chance, den Viren ihren Schrecken zu nehmen.
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Allgemeine Informationen und medizinische
Diagnose-Hinweise:
Robert-Koch-Institut: www.rki.de |
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Ärztlicher Ansprechpartner am Universitätsklinikum
Freiburg:
Medizinische Klinik, Abteilung Infektiologie: www.if-freiburg.de Tel. 0761/ 270-1818 (Ambulanz) Fax: 0761/ 270-1827 E- Mail: info@if-freiburg.de |
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Ansprechpartner Diagnostik und Forschung am
Universitätsklinikum Freiburg:
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Abteilung Virologie: www.virologie.uniklinik-freiburg.de www.imh.uniklinik-freiburg.de Tel. 07 61 / 2 03 - 65 10 (Pforte) oder - 65 67 (Eingangslabor) E- Mail: diagnostik.virologie@uniklinik-freiburg.de |
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von: Magnus M. Gees






