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Paradigmen oder neue Leitsätze
Am 28. und 29. April 2006 stand die 31. Tagung der südbadischen Zahnärzte auf dem Veranstaltungskalender der Zahnärzteschaft Baden-Württembergs. An traditioneller Stelle sollten dieses Mal die „Traditio-nen der Diagnostik und Therapie" einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Unter dem Motto „Paradigmenwechsel in der Zahnmedizin – lassen sich die alten Leitsätze noch halten?" hatte die Bezirkszahn-ärztekammer Freiburg zu einem Fortbildungsprogramm aus allen Bereichen der Zahnmedizin eingeladen. Rekordverdächtige 750 Kolle-ginnen und Kollegen folgten im Festsaal des Kurhauses im Titisee den Referenten aus dem gesamten Bundesgebiet sowie der Schweiz.
(Bild: Dr. Joachim Schwalber)
Der Vorsitzende der Bezirkszahn-ärztekammer Dr. Joachim Schwalber, Freiburg, begrüßte die Teilneh-mer des Zahnärztetages mit einem kurzen Ausflug in die aktuelle Ge-sundheitspolitik. Er sieht bei den momentanen Entwicklungen die Gefahr, dass die jahrzehntelange vom Staate geförderte Unmündig-keit weiter gestärkt wird, und nicht die Entscheidungsfreiheit des Patienten und sein Verantwortungsge-fühl in der Gesellschaft gekräftigt wird, um wieder eine Gerechtigkeit des Systems herzustellen. Ohne die-sen Wandel, so seine Einschätzung, könnte ein Erwachen aus diesem Abhängigkeitsverhältnis schrecklich sein.
(Bild: Prof. Giesber Krekeler)
Prof. Gisbert Krekeler, Freiburg, zeigte in seiner Einführung in das Programm auf, dass gesellschaftli-che und politische Veränderungen einen Wandel der Ansprüche im therapeutischen Denken und Han-deln verursachen und teilweise einfordern. Der Zahnarzt von heute sehe sich einer Informationsflut ausgesetzt. Es existiere eine Un-menge an Fachartikeln und Studien, deren Autoren man bestenfalls auf dem Papier kenne. Es entscheide nur noch der Evidenzgrad einer Veröffentlichung über ihre Wertigkeit, wobei die Relevanz der neuen Erkenntnisse für den Praktiker häu-fig nicht berücksichtigt werde. Vor diesem Hintergrund forderte er die Referenten dazu auf, in ihren Vorträgen Stellung zu beziehen, ob sich die alten Leitsätze noch halten lassen oder ob ein Paradigmenwechsel bereits stattgefunden hat.
(Bild: Prof. Winfried Walther)
Okklusion. Den Auftakt machte Prof. Dr. Winfried Walther, Karlsru-he, zum Thema „Der richtige Biss – welche Regeln für die Okklu-siongestaltung haben überlebt?" In seinem Vortrag über die verschie-denen Therapieansätze ging er un-ter anderem auf die verschiedenen Ausgangssituationen und die sich daraus ergebenden Zielsetzungen ein. Eine Errungenschaft der Evi-dence Based Medicine ist die Frage nach der Therapienotwendigkeit. In dieser Hinsicht hat sich ein Wandel bei der Okklusionsgestaltung erge-ben. Der individuelle Leidensdruck des Patienten stellt heutzutage die Messlatte des ärztlichen Handelns dar, nicht das theoretisch machbare Ideal. Für die Regeln der Okklusi-onsgestaltung ergibt sich hiermit vor allem eine Veränderung, als das nicht in jedem Fall die in der Ver-gangenheit proklamierte optimale Okklusion mit maximaler Interkus-pidation der einzige Weg ist. Der Reichtum der Natur lässt auch in diesem Fall keine Festlegung einer Norm zu. Aufgrund des hohen ad-aptativen Potentials des Patienten sollte eine therapeutische Interven-tion mit Veränderung der Okklusion
Landesaerztekammer_ZBW_6_2006_S26.pdf
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