spac
spacmenufooter
spacer
spacer
spacer
spac

Frühe Behandlung in spezialisierten Zentren

(05.04.2011) Häufig werden Tumorerkrankungen der Weichteile unnötig spät behandelt. Dabei könnte das Überleben verbessert und die Amputationsrate gesenkt werden, wenn Betroffene rechtzeitig und an spezialisierten Zentren behandelt werden.


Bösartige Weichgewebsgeschwülste werden als auch Weichteil-Sarkome bezeichnet (von griech. sarkos = Fleisch). Bei vier von zehn betroffenen Erwachsenen entstehen Weichteilsarkome in den Beinen, es folgen Rumpf, hinterer Bauchinnenraum, Arme und Kopf-Hals-Bereich. Die Entstehungsursachen der meisten Weichteilsarkome sind heute noch weitgehend ungeklärt. Die Aussicht auf eine Heilung hängt sehr vom Erkrankungsstadium ab: Je früher ein Sarkom entdeckt wird, das heißt je kleiner der Haupttumor ist und je weniger er anderes Gewebe angegriffen hat, desto besser ist auch die Aussicht auf Behandlungserfolg.

„Wir wissen heute aber auch, dass die zeitnahe Behandlung in spezialisierten Zentren das Überleben verbessert und die Amputationsrate deutlich senkt“, sagt Dr. Holger Bannasch, Oberarzt in der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. Insgesamt erkranken jedes Jahr etwa 1200 Menschen an Weichteilkrebs, am Freiburger Universitätsklinikum werden pro Jahr um die 60 Patientinnen und Patienten behandelt. Die Diagnose beim Erwachsenen wird häufig sehr verzögert gestellt. „In erster Linie liegt das daran, dass die Symptomatik nicht sehr ausgeprägt ist“, erklärt Dr. Bannasch, „meist fällt dem Betroffenen als erstes Symptom eine schmerzlose Schwellung oder Verhärtung des Gewebes auf. Diese vergrößert sich allmählich, in wenigen Fällen auch sehr rasch“, so Dr. Bannasch.

Da Weichteilsarkome oft in tieferen Schichten des Körpers entstehen, können sie bei ihrer Entdeckung, also wenn sie sich von außen fühlen lassen, schon recht groß sein. Der Sitz des Tumors ist also für den Zeitpunkt der Diagnose mitentscheidend. Eine Untersuchung zur Früherkennung von Weichteilsarkomen gibt es nicht. Es liegt also an jedem Einzelnen, sich an den Arzt zu wenden, sobald er an seinem Körper eine zunehmende Schwellung bemerkt. Bei Verdacht auf einen bösartigen Weichteiltumor müssen verschiedene Untersuchungen zur Abklärung durchgeführt werden. Die Schwellung selbst und die umgebende Körperregion einschließlich der Lymphknoten werden vom Arzt sorgfältig abgetastet und per Ultraschalluntersuchung dargestellt. Damit ist eine erste Orientierung über Lage und Ausdehnung der Geschwulst gegeben. Schichtbildaufnahmen der Tumorregion durch Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittel erlauben eine genaue räumliche Zuordnung des Tumors.

„Mit keinem der bildgebenden Verfahren kann jedoch sicher festgestellt werden, ob der Tumor gut- oder bösartig ist“, sagt Dr. Bannasch, „deshalb werden in einer kleinen Operation Gewebeproben aus dem Tumor entnommen.“ Um Gewebeschäden so klein wie möglich zu halten, sollte jede Biopsie an sarkomverdächtigem Gewebe von einem Arzt mit viel Erfahrung in der Chirurgie von Sarkomen durchgeführt werden, um den späteren Eingriff nicht zu erschweren. Das entnommene Tumorgewebe wird anschließend von Pathologen mikroskopisch untersucht.

Da Sarkome relativ selten vorkommen, sollte die Behandlung immer an einem Zentrum erfolgen, an dem alle notwendigen Fachdisziplinen zur Verfügung stehen. Am Universitätsklinikum Freiburg werden alle Patienten mit einem Sarkom in der interdisziplinären Sarkomkonferenz des Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer - CCCF besprochen. Hier wird die Behandlung durch spezialisierte Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Abteilungen geplant: Chirurgische Universitätsklinik (Abt. Allg. und Viszeralchirurgie, Abt. Plastische und Handchirurgie, Department für Orthopädie und Traumatologie), Abteilung Onkologie, Klinik für Strahlenheilkunde, Institut für Pathologie und die Radiologische Diagnostik.























Die mit Abstand wichtigste Therapiemaßnahme bei Weichteilsarkomen ist die Operation. Dies gilt für den Ersttumor, örtliche Rückfälle und auch Fernabsiedlungen (Metastasen). Häufig erfolgt zusätzlich zur Operation eine Nachbestrahlung, insbesondere bei großen, tief sitzenden Tumoren. Die Chemotherapie kommt meistens im metastasierten Stadium zur Anwendung.

Sarkome der Weichteile bilden häufig zunächst bindegewebige Kapseln, die sie aber im Gegensatz zu gutartigen Tumoren durchbrechen können. Sie breiten sich dann oft entlang anatomischer Strukturen aus, zum Beispiel entlang von Muskelscheiden, Bändern oder Gefäßen. Ziel der Operation ist es, das Tumorgewebe möglichst radikal zu entfernen und dabei die Funktion so weit als möglich zu erhalten.

Die oftmals erforderliche Mitentfernung von Gefäßen, Nerven oder Sehnen zieht häufig wiederherstellende Maßnahmen nach sich, die arterielle und venöse Bypässe, den Nervenersatz oder Verlagerung von Sehnen zur Kompensation eines Funktionsverlustes umfassen. Gewebeverluste können ausgeglichen werden, indem so genannte Lappenplastiken zum Einsatz kommen. Dabei wird Gewebe mit eigener Durchblutung entweder aus der direkten Umgebung gewonnen, wobei das Gewebe dann an einer ernährende Brücke bleibt („gestielte Lappenplastik“). Oder aber das Gewebe wird „frei“ verpflanzt, also aus anderen Körperregionen entnommen. Die Gefäße müssen dann wieder unter dem Mikroskop an den Blutkreislauf angeschlossen werden. Diese Techniken erlauben die großzügige Operation des Tumors mit erhöhter Sicherheit. Durch die modernen plastisch-wiederherstellenden Verfahren konnte die Amputationsrate bei Tumoren der Extremitäten zum Beispiel in den letzten 20 Jahren deutlich reduziert werden.

Kontakt

Privatdozent Dr. med. Holger Bannasch
Leitender Oberarzt, Handchirurg
Abteilung Plastische und Ästhetische Chirurgie am
Universitätsklinikum Freiburg
Tel: 0761 270 -24010
E-Mail: holger.bannasch@uniklinik-freiburg.de
Internet: www.plastische-chirurgie-freiburg.com

zurück...