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Einblicke in die Unterwelt
Im Universitätsklinikum wird auch unter Tage gearbeitet
Seit Jahrzehnten werden im Universitätsklinikum Güter wie Essen, Wäsche oder Medikamente mit Hilfe der Automatischen Warentransportanlage unter Tage befördert. Für die meisten Mitarbeiter gehört die Nutzung der Anlage zum Alltag. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt den Aufwand, der nötig ist, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Einmal kurz die Code-Karte durchgezogen und schon fährt der orangefarbene Container aus der Küche los. Über ein Hubwerk wird er vom Fahrwerk angehoben und verankert. Von dort aus wird der Container, beladen mit dem Essen für die Patienten, auf Schienen automatisch in einem verzweigten unterirdischen Tunnelsystem auf die für ihn bestimmte Station gelenkt.
14.000 Transporte pro Woche
Was zunächst wie ein von Geisterhand gelenktes Schauspiel anmutet, ist nichts anderes als das Ergebnis ausgetüftelter Technik und nennt sich Automatische Warentransport-Anlage – kurz AWT. Dabei handelt es sich um ein vollautomatisches Elektrohängebahnsystem, das häufig auch in industriellen Fertigungsanlagen, zum Beispiel im Automobilbau, eingesetzt wird. Der überwiegende Teil des Universitätsklinikums wird über diese AWT-Anlage versorgt und bezieht so regelmäßig Ware von Versandstationen wie der Zentralküche, Wäscherei, dem Zentrallager, der Zentralsterilisation, Apotheke oder Reagenzienzentrale. Auch der Müll der einzelnen Stationen wird auf diese Weise entsorgt. Insgesamt kommt es im Durchschnitt zu 14.000 Transporten pro Woche auf einem 6,2 Kilometer langen Schienennetz.
Überladene Container verursachen einen Stau
Damit bei dieser Masse nicht das Chaos ausbricht, gibt es eine Art „Stundenplan“. So haben die Container aus der Küche zu den Essenszeiten Vorfahrt. Ebenfalls Priorität haben Container mit Medikamenten. Dennoch verläuft das Ganze nicht immer reibungslos. Im täglichen Zweischichtbetrieb warten deshalb die Mitarbeiter der Fördertechnik die Anlage. Pro Schicht sind dabei mindestens zwei Mitarbeiter im Einsatz, die den Betrieb von der technischen Überwachungszentrale aus im Auge behalten. Kommt es zu einer Störung, wird diese sofort registriert und geortet. Die Mitarbeiter der Fördertechnik machen sich dann auf den Weg, um sie zu beheben. Wenn es eilt, nehmen sie auch schon mal das Fahrrad dazu. „Am häufigsten sind überladene Container oder Fehlschaltungen die Auslöser. Unfälle dagegen sind die Ausnahme.“, erklärt Wolfgang Dick, Werkstattleiter der Fördertechnik. „Denn die Fahrwerke verfügen über einen Ultraschallsensor, der Objekte bis zu einem Meter vor dem Container erkennt und dann die Fahrtgeschwindigkeit drosselt.“ Auch bei schwierigen und kurvigen Abschnitten wird das Tempo von durchschnittlich acht auf drei Stundenkilometer verlangsamt.
Alte Karrengänge als Basis
In Betrieb ist die Anlage seit 1972. Seither läuft sie 365 Tage im Jahr von morgens 5 Uhr 50 bis abends 20 Uhr. Die unterirdischen Gänge, in denen sie installiert wurde, gab es allerdings schon lange davor. Sie sind Teil des so genannten Lorenzringes: Karrengänge, die zusammen mit den Klinikgebäuden in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Plänen des Bauamtsleiters Adolf Lorenz errichtet wurden. Ungewöhnlich war dabei nicht die Idee der Karrengänge als solche, sondern deren Vernetzung. Nach der Inbetriebnahme wurde die Anlage dann peu à peu ausgeweitet.
Die technischen Daten
Für den reibungslosen Ablauf der AWT-Anlage braucht es unter anderem: 98 Fahrwerke, 823 Container, 20 Aufzüge, 8 Versandstationen, 90 angefahrene Stationen. Betriebszeit: über 14 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr; Fahrten pro Woche: ca. 14.000











