![]() |
Grippe – die unterschätzte Krankheit
(21.10.2009) Die so genannte Schweinegrippe ist in aller Munde. In der Diskussion um die „neue Grippe“ geht der Aufruf, sich gegen die ganz „normale“ Grippe impfen zu lassen unter. Das kann fatale Folgen haben.
Über die so genannte Schweinegrippe spricht jeder. Doch was ist mit der jährlichen saisonalen Grippe? Fällt sie dieses Jahr aus? Mitnichten, denn auch, wenn noch niemand genau weiß, ob die Schweinegrippe mit voller Wucht zuschlagen wird, steht eines fest: Die „normale Grippe“ wird kommen, unabhängig von der Schweinegrippe. Eine Impfung gegen die saisonale Grippe ist deshalb auch in diesem Jahr auf jeden Fall angebracht.
Von roten Nasen und lebensgefährlichen Komplikationen
Gerade in der nasskalten Winterzeit sind die Schleimhäute aufgrund der Kälte und der geringen Luftfeuchtigkeit in geheizten Räumen gereizt. Dadurch versagt die körpereigene Barriere gegen Viren, und die Influenza-Viren haben leichtes Spiel: Übertragen durch direkten Kontakt beim Sprechen, Husten oder Niesen gelangen sie mit der eingeatmeten Luft bis in die Bronchien, wo sie sich in den Schleimhautzellen schnell vermehren. „Influenza-Viren sind hoch ansteckend, daher lösen bereits geringe Virusmengen eine Infektion aus“, erklärt Professor Dr. Winfried Kern, Leiter der Abteilung Infektiologie des Universitätsklinikums Freiburg.
Und sie kann jeden Treffen – auch völlig gesunde Menschen.
Meist beginnt die Influenza aus heiterem Himmel. Da sich die Viren schnell im Körper ausbreiten, ist die Inkubationszeit der Grippe sehr kurz: Aus meist völligem Wohlbefinden heraus treten Fieber, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen und heftige Kopfschmerzen auf. Auch trockener Husten oder Geräusch- und Lichtempfindlichkeit können hinzukommen. „Jeder reagiert individuell auf die Infektion. Bei starken Symptomen sollte man umgehend seinen Hausarzt aufsuchen – insbesondere, wenn chronische Krankheiten wie Herzschwäche, Asthma oder chronische Lungenerkrankungen bestehen“, rät der Infektiologe. Bei sofortiger Vorstellung beim Arzt kann dann eine Therapie mit Virusmitteln helfen. Sonst kann nur symptomatisch behandelt werden – mit schmerzlindernden und fiebersenkenden Medikamenten.
KontaktProf. Dr. Winfried Kern |
Wenn der Körper durch eine Grippe stark geschwächt ist, können ihn zusätzlich Bakterien befallen und lebensgefährliche Komplikationen folgen: Lungenentzündung. Auch hat der Körper nach einer Grippe keine spezifischen Abwehrkräfte gegen neue Virenvarianten entwickelt, da sich die Influenza-Viren ständig verändern. „Die Grippe darf nicht mit einem harmlosen grippalen Infekt verwechselt werden: Sie ist in Deutschland die Infektionskrankheit mit der höchsten Sterberate“, sagt Professor Kern.
The same procedure as every year
Bei gewöhnlichen Influenzawellen rechnet man in Deutschland mit bis zu fünf Millionen zusätzlichen Arztbesuchen, 30.000 zusätzlichen Krankenhausaufenthalten und 5.000 bis 8.000 zusätzlichen Todesfällen, in manchen Jahren auch mehr als 10.000. Die Ursache hierfür liegt darin, dass die alljährlichen Aufrufe der Ärzte, sich gegen Grippe impfen zu lassen, zuwenig wahrgenommen werden. Dabei ist die Impfung eine der wirksamsten präventiven Maßnahmen gegen die Influenza: „Sie muss allerdings jährlich wiederholt werden, da wegen der hohen Variabilität der Influenzaviren eine einmalige Impfung keinen dauerhaften Schutz bietet“, so Professor Kern. Die Zusammensetzung des Impfstoffes wird jedes Jahr der aktuellen Virusvariante weitgehend angepasst. Die Impfung sollte zwischen September und November durchgeführt werden, damit sie rechtzeitig zur jährlichen Grippewelle Anfang des Jahres wirksam ist.
Auch wenn sie nicht in jedem Fall die Krankheit verhindern kann, so trägt sie doch wesentlich dazu bei, dass sie weit weniger schlimm verläuft. Gerade Personen über 60, Kindern, Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem und Personen, die im Gesundheitsdienst arbeiten, wird eine jährliche Grippe-Impfung empfohlen. Ausgeschlossen von der Impfung sind allein Menschen mit Eiweißallergie. Übrigens: Die Grippe-Schutzimpfung ist von der Praxisgebühr befreit.














