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Von der Grippe zur Welle
(28.10.201O) Grippe, Pandemien und Co. gefährlich sind, lässt sich schwer vorhersagen. Panik ist unangebracht, Vorsicht, gerade bei Kindern, eine gute Idee.
„SARS, war das schlimm?“, fragt Professor Winfried Kern, Experte für Infektionskrankheiten an der Uniklinik Freiburg. Ja, es war schlimm, für rund 1000 Opfer der Krankheit, vor allem in Südostasien. Und was wurde aus der „Schweinegrippe“ H1N1 – Anfang 2010? In den Medien geisterte die Furcht vor einer tödlichen globalen Grippewelle umher – doch obwohl es Tote gab, verlief eine deutschlandweite Impfaktion nur schleppend und es stellte sich bald heraus, dass die hiesige Gefahr durch das H1N1-Virus wohl überschätzt worden war.
Für den Laien besonders schwer zu begreifen war seinerzeit, dass sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO eine globale Warnung herausgab – für nichts und wieder nichts? „Wenn die WHO eine Warnung herausgibt, dann ist das ein Hinweis für Experten, sich eingehender mit möglichen Gefahren eines Erregers zu befassen“, sagt Kern. Keinesfalls seien WHO-Meldungen als Warnung an jedermann zu verstehen – ein Unterschied, den nicht alle Medien richtig aufbereiten. „Für den Laien ist es kaum möglich, sich ein wahres Bild der Gefährlichkeit einer potenziellen Pandemie zu machen“, so der Experte.
Informationen zur Grippeschutzimpfung
Verlässliche Informationen über die Gefährlichkeit von Krankheitswellen, insbesondere bei saisonaler Grippe oder speziellen Erregervarianten, geben Fachgesellschaften und Behörden, die sich eingehend mit diesen Themen auseinandersetzen. Bei Kindern ist es ratsam, sich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) zu halten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin gibt verlässliche Auskünfte. In diesem Zusammenhang ist für Kinder und Erwachsene insbesondere auch auf die Impf- Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu achten, das als Heiminstitut der Ständigen Impfkommission des Bundes (STIKO) weltweit Krankheitsentwicklungen beobachtet. Wichtig ist, etwa anhand der Website des Instituts, immer die neuesten Impf-Empfehlungen zu beachten. So hat das RKI etwa im Juni die Impfempfehlung gegen die Schweinegrippe bis auf Weiteres zurückgezogen. Schwangere sollten sich aber stattdessen gegen die saisonale Grippe impfen lassen. In der Grippesaison gibt es regelmäßig aktualisierte Hinweise für spezielle Bevölkerungsgruppen – etwa Schwangere, Säuglinge, Kinder, Erwachsene oder ältere Menschen. Die Website des RKI hält zudem die offiziellen Impfempfehlungen und einen Impfkalender zu Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln und weiteren Krankheiten bereit. |
Zu viele Meinungen und eine wahre Informationsflut suggerierten oft genug ein Bild der Gefahr jenseits von Wahr und Falsch. „Die Gefahr von Pandemien für den Menschen richtig zu bewerten ist schließlich komplizierte Mathematik“, ergänzt er. Nur Stück für Stück setzt sich ein solches Puzzle zusammen: Ist ein Erreger etwa hochgradig ansteckend, sind die Symptome aber unbedeutend, ist die Pandemiesorge zunächst vom Tisch. Überraschenderweise hat aber auch eine rasch tödliche Krankheit kaum eine Chance, zur Pandemie zu werden – schließlich gibt es gar nicht genügend Zeit, andere anzustecken, und das Problem bleibt oft lokal begrenzt. Dazwischen ist vieles möglich.
Bestes Beispiel ist die schon angesprochene Schweingrippe oder „Neue Influenza“: Bei der laufenden Analyse zeigte sich, dass der Erreger teilweise überschätzt wurde. Ungefährlich ist sie deshalb nicht, es sind rund 3000 Menschen an der Neuen Influenza gestorben, die Dunkelziffer kann erst in ein bis zwei Jahren abgeschätzt werden. Professor Reinhard Berner ist Experte für Infektionskrankheiten bei Kindern an der Uniklinik. Berner weiß, dass etwa die Gefahr für Säuglinge, an der Schweinegrippe zu erkranken, höher ist als bei Erwachsenen. Dazu kommt, dass gerade Kinder und Säuglinge ein wichtiges Glied in der Ansteckungskette sind: „Die Verbreitung der Influenza geschieht wesentlich über unseren Nachwuchs“, sagt der Mediziner.
Daher seien kleine Patienten besonders zu beobachten, wenn wieder einmal eine Ansteckungswelle grassiert, und Hygieneregeln zu beachten. In den USA ist die Influenza-Impfung aus diesem Grund auch für Säuglinge ab dem 6. Lebensmonat empfohlen. In Deutschland hat man sich zu einer solchen Empfehlung bisher – insbesondere aus Sorge vor einer schlechten Akzeptanz durch die Bevölkerung – nicht entschließen können.














