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Hygiene im Haushalt - Kampf den Keimen?

(5.3.2010) Geht es nach der Fernsehwerbung, muss der ganze Haushalt glänzen und blitzen, frisch riechen und natürlich auch keimfrei sein. Doch wie viel Keimfreiheit braucht der Mensch?

(hs) Keimfrei immer und überall - diese Parole bietet uns die Werbung, gerade zur besten Grippe- Jahreszeit. Blitzblanke Küchen und spiegelnde Fußböden sind offenbar nur dann wirklich sauber, wenn sie auch noch desinfiziert wurden. Das gilt für den Telefonhörer, die Türklinken, die Wäsche und für die Klobrille sowieso.

Die bunten Werbebilder verlangen und versprechen viel. Doch wie viel Keimfreiheit braucht der Mensch? Und wann wird der Sauberkeitswahn zu einer Gefahr für die Gesundheit? Ein Rundgang durch die scheinbar gefährlichsten Orte im Haus mit dem Experten Armin Schuster vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums bringt Licht ins Dunkel.

 

Bakterienzentrum Küche?

Dass potenziell gefährliche Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter mit dem Einkauf in die Küche gelangen, ist völlig normal. „Vor allem in rohem Fleisch oder in Frischei sind sie regelmäßig enthalten“, erklärt Schuster. Wenn man davon nichts weiß und sich falsch verhält, wird dieser Umstand zur echten Gefahr. Die wichtigsten Grundregeln sind: Arbeitsgänge und Küchenutensilien strikt trennen, damit die Keime nicht verschleppt werden, zum Beispiel vom Auftauwasser des Hähnchens in den Nachtisch.

Waschen bei 15 Grad?

Heute preisen Waschmittelhersteller immer mehr Produkte an, die bereits bei sehr niedrigen Temperaturen die Wäsche strahlend weiß und porentief rein waschen. Traum oder Wirklichkeit? Bei stärkeren Verschmutzungen ist Hygieneexperte Armin Schuster skeptisch: „Höhere Temperaturen bringen natürlich immer ein besseres Waschergebnis. Heute ist aber die Wäsche oft nur sehr leicht verschmutzt. Hier gibt es eigentlich keine Probleme.

Und ob die Wäsche sauber wird oder nicht, sieht man ja. Höhere Infektionsrisiken durch Niedrigtemperaturwäsche sind im Haushalt kaum zu befürchten. Die heutigen Waschmittel und Waschmaschinen arbeiten hier sehr gut, wenn keine Beladungs- oder Dosierfehler gemacht werden. Mehr Hygiene als mit der Kombination von 60 Grad Waschtemperatur und Pulver-Vollwaschmittel erzielt werden kann, ist in keinem Fall nötig. Um schmierige Biofilme in der Waschmaschine zu vermeiden, sind nach jeder Wäsche der Dosier-Einschub herauszunehmen, der Gummifalz trockenzuwischen und die Tür zu öffnen, damit die Maschine gut durchtrocknen kann.“

Weitere Infos zum Thema: Wohnmedizin am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikum Freiburg,
Tel.: 07 61/2 70-83 29,
E-Mail: wohnmedizin@uniklinikfreiburg. de

Nach Umgang mit rohem Fleisch oder Frischei müssen die Hände gut gewaschen werden. Ansonsten gilt: Lebensmittel gut erhitzen oder gut kühlen und den Temperaturbereich dazwischen möglichst meiden. Wer dies beherzigt, muss keine Angst mehr vor einer selbst verschuldeten Lebensmittelinfektion haben. Angeblich bakterienabweisende Oberflächen, wie beispielsweise bei Kühlschränken, sind in der Praxis als nutzlos einzustufen und nachträgliche Reinigungen oder gar Desinfektionen können nie wiedergutmachen, was mit den Lebensmitteln falsch gemacht wurde. Auch Putzschwämme oder -tücher sollen nach Gebrauch gut durchtrocknen und regelmäßig, falls möglich in der Waschmaschine, gewaschen werden.

Keimbrutstätte Bad?

Da ein Toilettensitz trocken und von glatter Oberfläche ist, bietet er kaum Nährboden. Weil hier nichts wächst und gedeiht und zumeist auch sauber ist, muss auch nicht scharf durchgegriffen werden. Entgegen der weit verbreiteten Meinung drohen in der häuslichen Toilette im Vergleich zur Küche nur sehr geringe Risiken. Antimikrobielle Reinigungsmittel könnten sogar resistente Keime entstehen lassen. „Eine allgegenwärtige Verwendung von im Haushalt provoziert entsprechend resistente Mikroorganismen“, befürchtet der Mikrobiologe Schuster. Neben den Gefahren für den Menschen, denn die Wirkstoffe sind oft giftig, gesundheitsschädlich, reizend, allergieauslösend oder brennbar, sind solche Produkte auch für die Umwelt ein Desaster.

Infektionsherd Waschküche?

Selbst Waschmaschinen und Waschmittel sind inzwischen in antibakterieller Ausführung zu haben. Doch auch hier gilt: „Besondere Waschverfahren aus hygienischen Gründen sind allenfalls in Ausnahmefällen zu empfehlen, etwa wenn ein Arzt dazu rät“, so Schuster. Von antibakteriellen Waschmitteln rät er ab: „Das wäre gemessen am Risiko völlig übertrieben. Auch ohne Biozide und bei niedrigen Temperaturen entfernt der gesamte Waschprozess inklusive Wäschetrocknen die Ausgangskeime hinreichend“. Wichtig ist vor allem ein gutes Waschergebnis. Das in speziellen „Hygienespülern“ häufig eingesetzte Desinfektionsmittel Benzalkoniumchlorid ist sogar ein ausgesprochen hautreizender Wirkstoff und es kann auch Allergien auslösen.

                                                                                                                                    zurück...