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Durch Knieschmerzen in Beugehaft

(11.04.2012) Egal ob wir Fußball spielen oder Charlston tanzen, Treppen steigen, Trampolin springen oder einfach nur spazieren gehen – unsere Knie haben dabei einiges zu tun. Ist die Belastung aber  falsch oder zu groß, oder ist etwas kaputt, entzündet oder gereizt, können sich Knieschmerzen bemerkbar machen. Wir sagen Ihnen, wie es dazu kommen und was man dagegen tun kann.

(sg) Als größtes Gelenk unseres Körpers, muss sich unser Knie abgesehen von seinen normalen Aufgaben zusätzlich noch mit einer besonderen Schwierigkeit abgeben: Die Gelenkfläche des Oberschenkelknochens und des Schienbeins, die hier zusammen laufen, passen eigentlich gar nicht zusammen. Wie bei einem wackligen Tisch in der Kneipe haben wir deshalb zum Ausgleich zwei Unterlegscheiben parat.

Bei unserem Knie sind das allerdings keine Bierdeckel, sondern zwei Knorpelscheiben, eine innen und eine außen. „Diese Menisken ermöglichen einen Ausgleich der Inkongruenz und eine gleichmäßige Druckbelastung und stabilisieren zusätzlich das Kniegelenk“, erklärt Dr. Martin Haag, Ärztlicher Leiter der Orthopädie im Department Orthopädie und Traumatologie des Universitätsklinikums Freiburg. Zusätzlich wird unser Knie noch von Kreuz- und Seitenbänder sowie einigen Sehnen und der Kniescheibe zusammengehalten.

Trotzdem ist auch unser Knie nicht vor Gelenksschmerzen gefeit, wie fast die Hälfte der Bevölkerung schmerzhaft feststellen muss. Früher noch als Alterserscheinung abgetan, weiß man heute, dass auch junge Menschen darunter leiden. Grund dafür sind meist Verletzungen, Fehl- oder Überlastungen. „Gerade bei kampfbetonten Sportarten wie Volley-, Fuß- oder Handball kommt es häufig zu teilweise sehr schmerzhaften Verletzungen“, bestätigt Dr. Haag.

Die größte Belastung für unsere Gelenke wird aber nicht durch häufiges, sondern durch falsches Sporttreiben ausgeübt. Treten Verletzungen häufiger an ein und derselben Stelle auf, wird die Knorpelschicht dort dauerhaft geschädigt. Das liegt daran, dass der Knorpel eines Erwachsenen die Fähigkeit zur Regeneration verloren hat. Wer also viel Sport treibt sollte sich bereits beim Auftreten leichter Beschwerden von einem Arzt auf mögliche Knorpelschäden untersuchen lassen. Wer hingegen sein Kniegelenk zu sparsam nutzt, riskiert ebenfalls einen Gelenkschaden. Warum? Weil der Knorpelbelag nur dann genügend Nährstoffe aus der Gelenkschmiere erhält, wenn das Kniegelenk ausreichend bewegt wird. Sport ist also als vorbeugende Maßnahme durchaus empfehlenswert.

Auch im Alltag ist unser Knie schweren Belastungen ausgesetzt. So trägt es beispielsweise beim Treppensteigen das Dreifache unseres Körpergewichts. Wenn Knieschmerzen nicht von einer mechanischen Ursache herrühren, handelt es sich meist um eine rheumatische Erkrankung oder eine Stoffwechselerkrankung wie Gicht. Wie man Knieschmerzen behandelt, richtet sich nach der Ursache. In einem Fall kann Kühlung, in einem anderen Wärme das richtige Mittel sein, manchmal müssen wir es eine Zeit schonen, oder regelmäßig zur Krankengymnastik. Akute Knieschmerzen nach kurzzeitiger Fehl- oder Überlastung verschwinden oft auch gänzlich ohne Therapie. Die Symptome lassen sich meist mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandeln. Auch Gelenkinjektionen mit Knorpelaufbaupräperaten oder Kortison kommen in Frage. In einigen Fällen hilft aber nur ein meist minimal-invasiver operativer Eingriff um die Ursachen der Kniebeschwerden zu beheben, im Extremfall muss das Gelenk durch eine Prothese ersetzt werden. In geeigneten Fällen kann bei Knorpelschäden auch eine Knorpelzelltransplantation erwogen werden. Dieses moderne Verfahren wurde im Freiburger Universitätsklinikum massgeblich mitentwickelt und verfeinert.

Das Kniegelenk wird im Übrigen nach dem Hüftgelenk am zweithäufigsten ersetzt. Egal ob operiert wird oder nicht, meist sind unterstützende Maßnahmen für eine Genesung notwendig. Welcher Art diese sind, hängt von der Ursache der Knieprobleme ab. Wer langfristig oder immer wieder unter Knieschmerzen leidet, sollte sich von seinem Hausarzt oder Orthopäden beraten lassen. „Bleiben Fehlstellungen oder Fehlbelastungen längere Zeit unbehandelt, können unsere Gelenke einen dauerhaften Schaden davontragen“, warnt Dr. Haag. Auch können Verspannungen und Rückenschmerzen damit einher gehen. Wer von seinen Gelenken also nicht in Beugehaft genommen werden will, sollte ihnen manchmal auch etwas Gutes tun – und sei es nur, indem man sich informiert, wie ihnen etwas Last abgenommen werden kann.

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