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Lungenetzündung: Gefahren aus dem Gartenkompost
(14.9.2010) Gartenarbeit ist gesund. Dachten wir zumindest. Im renommierten Fachmagazin Lancet wird jetzt allerdings vor einer bisher wenig beachteten Gefahr gewarnt.
(bw) Gartenarbeit ist gesund. Dachten wir zumindest. Gut, es kommt immer wieder zu Unfällen, wenn der ein oder andere Kleingärtner über den Gartenschlauch oder eine Hacke stolpert. Die tödliche Gefahr, vor der jetzt in einem der renommiertesten Fachmagazine für Medizin gewarnt wird, war bisher unbekannt.
Der ungewöhnliche Fall eines Mannes, der sich beim Arbeiten mit Kompost durch eine Schnittverletzung an der Hand mit der Legionärskrankheit infizierte, wird in einem aktuellen Fallreport des Fachmagazin Lancet dargestellt. Trotz der Seltenheit dieser Fälle hat die alterwürdige britische Royal Horticultural Society - eine Institution zur Förderung der Gartenkunst - Warnungen bezüglich der Risiken einer Infektion mit der Legionärskrankheit beim Arbeiten mit Kompost herausgegeben. Außerdem sollen Tüten mit Blumenerde Warnhinweise erhalten.
Anfang dieses Jahres erschien ein bis dahin leistungsfähiger und gesunder 67-jähriger Mann mit einer acht-tägigen Vorgeschichte mit Fieber, Schwindelanfällen, Verwirrung, Teilnahmslosigkeit und Kurzatmigkeit im Krankenhaus. Er hatte hohes Fieber und Anzeichen einer linksseitigen Lungenentzündung. Zunächst nahmen die Ärzte eine unübliche oder virale Lungenentzündung an. Eine Reihe von Tests jedoch, darunter auf Legionella Antigen im Urin, verliefen negativ. Trotz antibiotischer und anderer Behandlungen verschlechterte sich der Zustand des Mannes und er wurde in auf die Intensivstation verlegt. Eine intensive Bronchialspülung lieferte eine Auswurfprobe des Mannes, die später positiv auf Legionella longbeachae getestet wurde, einer seltenen Legionellenart, die nicht über Urinproben entdeckt werden kann.
Der Mann gab sich als begeisterter Hobbygärtner zu erkennen der sich zwei Wochen vor dem Ausbruch der Symptome beim Anpflanzen mit Kompost in den linken Zeigefinger geschnitten hatte. Dies wurde als nun als Ursache der Infizierung mit den Mikroorganismen vermutet. Die Behandlung mit Levofloxacin verbesserte seinen Gesundheitszustand und er konnte nach sieben Tagen auf eine normale Station für Atemwegserkrankungen verlegt werden, bevor er endgültig entlassen wurde. Bei der Nachuntersuchung zwei Monate später war der Mann wohlauf.
„Die Legionärskrankheit ist eine häufige Lungenerkrankung, die üblicherweise durch Legionella pneumophila verursacht wird, die über die Atemwege eindringen und schwere Erkrankungen mit Aufenthalt auf der Intensivstation kommen immer wieder vor.“, erklärt Professor Dr. Joachim Müller-Quernheim, Ärztlicher Direktor der Pneumologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Eine durch Legionella longbeachae hervorgerufene Legionärskrankheit ist weitaus seltener. Legionellen sind in unserer natürlichen Umwelt und insbesondere in Wasserreservoiren und auch Bachläufen sehr häufig. Die häufigste Infektionsquellen sind schlecht gewartete Klimaanlagen mit versteckten Wasserreservoiren, die Legionellen enthalten, die dann in den klimatisierten Räumen verteilt und eingeatmet werden.“
Die antibiotische Behandlung der Legionärskrankheit erfolgt immer auf die gleiche Weise, unabhängig vom auslösenden Organismus. Die Autoren im Lancet stellen fest, dass in Fällen einer ambulant behandelten Lungenentzündung wie dieser eine fortgesetzte Behandlung mit solchen Antibiotika vernünftig wäre, bis alle möglichen Arten von Legionellen aus der Diagnose entfallen sind. Dies gelte insbesondere für jene Patienten, die beim Gärtnern mit Kompost hantieren.
Ob es häufiger zu übersehenen Legionellosen bei Kleingärtnern kommt, ist nicht bekannt. Legionellosen sind in Deutschland meldepflichtig. Etwa 500 Erkrankungen pro Jahr werden bekannt. „Wir vermuten aber, dass bis zu vier Prozent der ambulant auftretenden Lungenetzündungen durch Legionellen hervorgerufen werden“, so Professor Müller-Quernheim.














