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Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt ist
(11.11.2010) Wenn das Herz stolpert oder kurz aussetzt bekommen die meisten Menschen einen Schreck. Herzrhythmusstörungen können harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sein. Wie kann man sie behandeln?
Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens Herzrhythmusstörungen. Gesunde Menschen bemerken manchmal ein Herzstolpern oder kurzzeitiges Aussetzen des Herzschlags verursacht durch Extraschläge. Herzrasen wie bei schnellem Vorhofflimmern kann sich als regelmäßiges oder unregelmäßiges Klopfen „bis in den Hals“ bemerkbar machen.
Viele Menschen reagieren mit Angst auf die Unregelmäßigkeiten ihres Herzschlags. Herzrhythmusstörungen können harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sein. Ob die Herzrhythmusstörungen noch normal oder schon krankhaft und damit gefährlich sind, kann aber nur eine Arzt feststellen. Die häufigste Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Allein in Deutschland leiden Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen an Vorhofflimmern.
„Hierbei ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen, wodurch sich Blutgerinnsel bilden können, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen und einen Schlaganfall auslösen können“, erklärt Professor Dr. Dr. Manfred Zehender, Leitender Oberarzt der Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Da Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt es oft unbemerkt. Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt.“ Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle. Liegt der Verdacht auf Herzrhythmusstörungen vor, können diese mittels Ruhe- und Langzeit-EKG genauer untersucht werden. Steht die Diagnose Vorhofflimmern fest, können bestimmte Medikamente helfen, die Beschwerden zu unterdrücken, die Häufigkeit der Flimmeranfälle zu reduzieren und damit das Schlaganfallrisiko zu senken. Wenn Medikamente nicht mehr helfen, kommt häufig die so genannte Katheterablation zum Einsatz. „Hierbei werden mithilfe der Kathetertechnik Herzzellen gezielt durch Hochfrequenzstrom oder Kälte so verödet, so dass Herzrhythmusstörungen nicht mehr entstehen können“, berichtet Professor Zehender.
Eine weitere Möglichkeit, besonders lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und die damit verbundene hohe Gefahr eines plötzlichen Herztodes in den Griff zu bekommen, ist ein implantierbarer Defibrillator, der wie ein Herzschrittmacher unter die Haut eingesetzt wird. Dieser kann nicht nur das Kammerflimmern durch einen Elektroschock beenden, sondern auch bei Herzrasen und zu langsamen Herzschlagfolgen rettende Impulse geben. Neuere Geräte überwachen sich selbst und geben bei Störungen des Defibrillatorsystems einen Warnton ab. „Die meisten Herzrhythmusstörungen sind Folge einer Herzkrankheit wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Klappenfehler sowie anderer Krankheiten beispielsweise auch einer Schilddrüsenüberfunktion“, so der Kardiologe Zehender.
Die beste Strategie ist die Ausschaltung der Faktoren, die Herzrhythmusstörungen auslösen und die Behandlung der verursachenden Grundkrankheiten. Betrachtet man noch einmal das Vorhofflimmern, so liegt bei etwa 70 Prozent dieser Patienten ein hoher Blutdruck vor. Wird er konsequent auf unter 140/90 mmHg gesenkt, kann in vielen Fällen Vorhofflimmern gebessert werden. Auch kann eine Störung der Zusammensetzung der Blutsalze, der so genanten Elektrolyte, sowohl gutartige wie auch bösartige Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. „Ebenso können aber auch Genussgifte wie reichlicher Konsum von Alkohol, Kaffee oder Nikotin, emotionaler Stress, Medikamente und Schlafmangel das Herz aus dem Takt bringen“, warnt Professor Dr. Dr. Manfred Zehender.














