![]() |
Seitenstechen - Das Übel vieler Sportler
(06.8.2009) Man sieht sie immer wieder: Leute im chicen Joggingdress gekrümmt am Wegrand stehen, die Arme an den Körper gedrückt und ein schmerzverzerrtes Gesicht. Diagnose Seitenstiche. Fast jeder kennt ihre Symptome, aber die Ursachen bleiben ein Rätsel. Doch mit ein paar einfachen Tricks kann man den fiesen Stichen vorbeugen.
Harmlose Zwangspausen
Obwohl man es wohl vermehrt von Kindern und Jugendlichen kennt, sind auch Erwachsene nicht gefeit vor dem Stechschmerz unterhalb des Rippenbogens. „Das häufigste Problem ist wohl, dass sich viele vor dem Sport nicht langsam und nicht ausreichend aufwärmen“, meint Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Aber auch falsches, unrhythmisches, flaches Atmen kann bei längerer sportlicher Betätigung zum Seitenstechen führen. Das Stechen ist ungefährlich: es sind keine Organe, die wehtun, sondern das Bindegewebe drum herum. Nur selten kann sich hinter dem harmlosen Stechen eine ernste Beschwerde verbergen. Dann können beispielsweise eine Herzdurchblutungsstörung oder Magen- und Darmbeschwerden als Seitenstechen fehl interpretiert werden.
Ursachen und Theorien
„Wir gehen davon aus, dass das Stechen durch mehrere Faktoren gleichzeitig ausgelöst wird“, erklärt Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth. Beim Ausdauersport wird das Blut im beanspruchten Muskelsystem gebraucht. Dadurch kann es zu einer temporären Unterversorgung verschiedener Organe, wie beispielsweise der Milz, der Leber und des Magens, führen. Eine Theorie besagt, dass das Stechen auf eine schlechte Durchblutung der genannten Organe durch Umverteilung in die Muskulatur zurückzuführen ist. Das Stechen in der Rippenregion könnte demnach beispielsweise ein Spannungsschmerz der Leberkapsel sein. Die plausibelste Theorie geht jedoch davon aus, dass die Entstehung der Seitenstiche die Folge einer
Fehlbelastung des Zwerchfells ist. Das Zwerchfell sitzt direkt im Bauchraum und ist ein wichtiger Muskel für die Atmung. Bei einer intensiven und lang anhaltenden körperlichen Belastung atmet man schneller und oft unregelmäßiger. Das belastet die Atmungsmuskulatur sehr stark und damit auch das Zwerchfell. „Das Problem ist, dass das Zwerchfell nur beim Ausatmen durchblutet wird. Und je kürzer die Ausatmungsphasen, desto weniger Blut und Sauerstoff gelangen ins Zwerchfell“, meint Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth. Dieser Sauerstoffmangel führt dann zu den bekannten Schmerzen bei der sportlichen Betätigung. Auffallend ist, dass Seitenstechen hauptsächlich beim Laufen und Schwimmen auftritt, selten jedoch beim Radfahren. Das spricht dafür, dass auch die bindegewebige Aufhängung insbesondere der Leber und der Milz eine Rolle spielen könnte. Noch etwas kann zu Seitenstechen führen: wenn man kurz vor dem Sporteln noch was isst. Der Verdauungstrakt steht in direktem Verhältnis zum Zwerchfell. Wenn der Verdauungstrakt gefüllt ist, braucht er eine Menge Blut. Das fehlt dann dem Zwerchfell. „Und wenn dem Darm nicht genügend Blut zukommt, kann dies neben Seitenstechen auch zu unangenehmen Blähungen oder Durchfall führen“, erzählt Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth. Deshalb sollte man zwei bis drei Stunden vor dem Sport kein allzu schweres Essen mehr zu sich nehmen. Trinken sollte man dagegen allerdings ausreichend vor und während dem Sport.
Der Weg weg vom Schmerz:
Falls man trotz Vorbeugemaßnahmen gestochen wird, gibt es nur eins: Tempo drosseln oder gleich eine Verschnaufpause einlegen. Dann sollte man tief einatmen, sodass sich der Bauch nach vorn wölbt. Beim Ausatmen sollte man versuchen, den Bauch einzuziehen und die ganze Luft rauszudrücken. Dadurch unterstütz man die Bauchmuskulatur. Das Zwerchfell wird gedehnt und der Krampf gelöst. „Man kann dabei die Hände auf den Bauch legen und die schmerzende Stelle massieren. Man atmet dann bewusster“, weiß Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth, „zum Glück legt sich die Anfälligkeit von Seitenstechen mit zunehmender Ausdauerfähigkeit, da das Zwerchfell mittrainiert wird“. Auch regelmäßiges Bauchmuskeltraining soll helfen, weil es die Bauchorgane gerade beim Laufen in ihrer Lage stabilisier.














