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Wenn das Falsche verschluckt wurde

(26.3.2010) Die roten Beeren waren viel zu verlockend für Lisa und so griff das Mädchen zu. Was dann passierte, ist den Mitarbeitern der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg nur allzu gut bekannt.

(bw) Die Mutter versuchte durch die Reizung mit ihrem Finger, einen Brechreiz auszulösen. Durch die Reizung verletzte sie aber den Rachen, so dass es zu einer Blutung kam. Außerdem wurde der Vagus-Nerv durch diese mechanische Stimulation derart gereizt, dass das Kind eine kurze Bewusstlosigkeit erlitt. „Dieser Fall ist beispielhaft und zeigt, dass ein übereiltes oder falsches Handeln gefährlicher sein kann als die eigentliche Vergiftung“, berichtet Dr. Maren Hermanns-Clausen, Leiterin der Vergiftungs- Informationszentrale am Universitätsklinikum Freiburg. Denn die Beere, die Lisa verschluckt hatte, war völlig harmlos und nach einer kurzen Behandlung im Krankenhaus konnte sie wieder nach Hause gehen.

Was ist bei Vergiftungen zu tun?

„Das wichtigste bei einer Vergiftung ist, wie in allen Notfällen, die Ruhe zu bewahren“, so Hermanns-Clausen, die mit ihren Kollegen im letzten Jahr über 22.000 telefonische Vergiftungs-Anfragen zu bearbeiten hatte. Gerade wenn Kinder eine giftige Substanz oder Pflanzen verschlucken, geraten die Eltern oft in Panik und reagieren falsch. Nach dem Verschlucken einer giftigen Substanz sollte maximal ein Glas Wasser ohne Kohlensäure, verdünnter Saft oder Tee getrunken werden.

Auch die Vorstellung, das Gift möglichst schnell durch Erbrechen wieder aus dem Körper zu befördern ist falsch: „Es sollte auf keinen Fall Erbrechen ausgelöst werden, denn ätzende Substanzen können die Speiseröhre dann erneut schädigen. Lampenöl oder schäumende Substanzen können so nur noch leichter in die Atemwege gelangen und dort die Lunge chemisch schädigen“. Weiter rät Dr. Maren Hermanns-Clausen, kein Kochsalz einzunehmen, da dadurch selbst eine Vergiftung ausgelöst werden kann. Auch das Trinken von Milch hilft mehr dem Gift als dem eigenen Körper: Durch den Fettgehalt der Milch wird unter Umständen die Aufnahme in den Körper noch verbessert.

Gefahrenquellen ausschließen

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Seit über 40 Jahren ist die Vergiftungs-Informations-Zentrale dem Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg angeschlossen und seit acht Jahren für ganz Baden-Württemberg zuständig. Bei der Mehrheit der Anrufe handelt es sich um Vergiftungsfälle von Kindern bis zum fünften Lebensjahr. Kinder bis zum 5. Lebensjahr vergiften sich am meisten mit Haushaltprodukten. „Am häufigsten werden von Kindern Reiniger ‚probiert’ insbesondere Maschinen- und Handgeschirrspülmittel“, erzählt Dr. Maren Hermanns-Clausen.

Medikamente führen ebenfalls häufiger zu Vergiftungen, aber auch Pflanzen jeder Art ziehen vor allem kleine Kinder magisch an: Über 80 Prozent der Vergiftungsfälle mit Pflanzen im Kindesalter verursachten die ein bis vierjährigen. Dabei bevorzugen die lieben Kleinen vor allem Pflanzen mit attraktiven Beeren wie Kirschlorbeer, Eibe, Liguster oder Physalis. Bei den Zimmerpflanzen führt der Ficus benjamina die Liste der am häufigsten verschluckten Pflanzen an.

Aber auch Erwachsene vergiften sich mit Pflanzen: Gerade jetzt im Frühling gehen viele auf die Suche nach wildem Bärlauch, um ihn für einen schmackhaften Salat oder als Gewürzmittel zu verarbeiten.„Das Problem ist, dass die Bärlauchblätter mit Blättern der Herbstzeitlose und mit Blättern des Maiglöckchens verwechselt werden können und diese äußerst giftig sind“, warnt Hermanns-Clausen. Wer sicher gehen will, sollte daher auf der Homepage der Vergiftungs-Informationszentrale Freiburg vorbeischauen, denn dort werden die Unterscheidungsmerkmale anhand von Fotos aufgezeigt.

Die Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg erreichen Sie rund um die Uhr unter der Nummer: 0761/ 192 40 Die Beratung ist kostenlos und erfolgt durch speziell ausgebildete Ärztinnen und Ärzte.

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