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Hirntumor - schnelles Handeln

(03.08.2011) Die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie kann bei Hirntumorpatientinnen und -patienten die Heilungschancen erhöhen.



Die Diagnose „bösartiger Hirntumor“ ist ein gravierender Einschnitt in das Leben eines Menschen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind noch immer begrenzt und die Prognose wenig ermutigend. „Glücklicherweise wurden aktuell deutliche Fortschritte bei den neurochirurgischen Techniken gemacht und auch die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe zur Therapie von bösartigen Hirntumoren gibt Anlass zu Hoffnung“, sagt Prof. Dr. Guido Nikkhah, ärztlicher Direktor der Abteilung Stereotaktische Neurochirurgie am Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg. „Der Trend geht zu so genannten targeted therapies, bei denen Therapeutika eingesetzt werden, die ganz spezifisch in tumortypische Prozesse eingreifen und daher in der Regel gesundes Gewebe schonen und besser verträglich sind.“

Doch von der Entdeckung bis zum freien Verkauf eines Medikaments vergehen zehn oder mehr Jahre - und die Diagnose Gliom erfordert schnelles Handeln. „Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann insbesondere für Rezidiv-Patienten eine Chance bedeuten“, so Prof. Nikkhah. „Hat sich ein Wirkstoff als sicher und verträglich erwiesen, steht bei den folgenden Studienphasen die Untersuchung der Wirksamkeit im Vergleich zur aktuellen Standardtherapie im Vordergrund. Dabei wird der Krankheitsverlauf jedes Studienteilnehmers, egal ob er die Standardtherapie oder den neuen Wirkstoff erhält, intensiv überwacht.“

SAPPHIRE-Studie in Freiburg

Informationen zur SAPPHIRE-Studie, eine Übersicht über die Ein- und Ausschlusskriterien und alle teilnehmenden Studienzentren unter www.anticancer.de oder direkt im Universitätsklinikum Freiburg unter 0761 / 2705405.

Tumoren produzieren krankmachende Proteine

Das gilt auch für einen Antisense-Wirkstoff, der die Produktion eines tumorfördernden Eiweißes hemmt und sich derzeit in der klinischen Phase III, der so genannten „Sapphire“-Studie, befindet: Zellen in fortgeschrittenen Hirntumoren produzieren eine übermäßige Menge eines Proteins, das sich wie ein Schutzschild um den Tumor legt und ihn vor dem Angriff des Immunsystems schützt. Der Tumor kann ungehindert wachsen, seine Zellteilung und Ausbreitung wird durch das so genannte Transforming Growth Factor beta 2 (TGF-ß2) zusätzlich gefördert. „Die gezielte Hemmung von TGF-ß2 könnte einen deutlichen Fortschritt in der Behandlung bösartiger Hirntumoren bedeuten“, sagt Prof. Nikkhah. „Bislang wird diese Methode bei Patienten mit einem Rezidiv eines anaplastischen Astrozytoms eingesetzt. Insbesondere wenn der Tumor operativ nicht vollständig entfernbar oder an mehreren Stellen im Gehirn aufgetreten ist, empfehlen wir die Teilnahme an der Sapphire-Studie.“