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Wohnmedizin erweitert Leistungsspektrum
(09.02.2012) Wenn die Wohnung krank macht können Experten des Bereichs Wohnmedizin helfen
Foto: Universitätsklinikum Freiburg
Einige Materialien in unseren Wohnungen und Arbeitsräumen können gesundheitliche Beschwerden verursachen oder zu Geruchsbelästigungen führen. Die Experten der Wohnmedizin der Uniklinik Freiburg beraten öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Privatleuten zu (fast) allen Fragen rund um Innenraumschadstoffe. Auf Grundlage eines ersten Beratungsgesprächs werden entsprechende Räumlichkeiten dann ggf. begutachtet, es werden Proben genommen und diese analysiert. Das Ziel dieser „Detektivarbeit“ ist stets, die Quelle für die Innenraumschadstoffe zu finden und somit die Ursache für Beschwerden beseitigen zu können. Dafür erweitert der Bereich ständig sein Leistungspaket. In diesem Jahr wurde zusätzlich zu den Schimmelpilzuntersuchungen ein weiteres Verfahren, mit dem sich chemische Luftschadstoffe (sog. „VOCs“) in Innenräumen bestimmen lassen, eingeführt. Auch diese Verfahren wird im Laufe des Jahres von einer staatlich anerkannten Stelle (DAkkS GmbH) geprüft und akkreditiert, um den Kunden ein sehr hohes Maß an Qualität zu garantieren.
Die eigenen vier Wände sind uns heilig und natürlich möchten wir uns dort wohlfühlen. Doch bei so Manchem treten plötzlich gesundheitliche Beschwerden auf: Allergien, Asthma, Müdigkeit oder Reizungen von Augen und Atemwegen sind nur einige Symptome, die schadstoffbelastete Raumluft hervorrufen kann. Mögliche Schadstoffquellen gibt es zu Hunderten – von der klassischen Hausstaubmilbe über chemische Stoffe bis zur nicht funktionierenden Klimaanlage. Der Bereich Wohnmedizin, der zum Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene (IUK) gehört, hat sich ihrer Analyse und Bekämpfung verschrieben: für gesundes Wohnen ohne versteckte Gefahren. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf diese Reize. Dem einen tränen die Augen, wenn er ein Zimmer mit neu verlegtem Teppichboden betritt. Dem anderen passiert hier nichts, dafür fällt das Atmen schwerer, seit sich daheim ein Schimmelpilz an der feuchten Wand ausgebreitet hat. In beiden Fällen geht es um Belastungen, die in Wohn- oder Büroräumen auftreten können – und die meist sehr individuelle Einflüsse auf Gesundheit und Wohlbefinden Einzelner haben.
Weil es eine Vielzahl von möglichen Schadstoffquellen in Innenräumen gibt, erweitert die Wohnmedizin ständig ihr Leistungspaket und arbeitet dabei mit Methoden, die internationalen Standards entsprechen. So richtete sie ein eigenes Labor mit neuen Geräten zur Untersuchung von flüchtigen organischen Verbindungen ein, die aus Baumaterialien und Möbeln in die Raumluft ausgasen. Dort können die Experten mit einem neu etablierten Verfahren 120 Substanzen bestimmen und die Proben innerhalb von zwei Stunden bearbeiten. Im Laufe des Jahres wird dieses Verfahren von einer unabhängigen, staatlich beauftragten Stelle akkreditiert. Das bedeutet, dass das Labor auf seine Kompetenz geprüft wird, bestimmte Prüfverfahren durchzuführen. Die Schimmelpilz-Analytik der Wohnmedizin mit ihren verschiedenen Verfahren, die Schimmelpilze aus Raumluft und Materialproben untersucht, wurde schon im September 2011 durch die DAkkS GmbH akkreditiert.
Schon seit längerem werden am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene umfangreiche wissenschaftliche Studien zur gesundheitlichen Bewertung von Baustoffen durchgeführt. So zum Beispiel von Holz und Holzwerkstoffen, Zement- und Asbeststäuben und Weichmachern in Bauprodukten aus Kunststoffen. Mit der Abteilung Wohnmedizin steht dieser Bereich mit seiner Expertise allen privaten und geschäftlichen Kunden für Beratungen sowie für Messungen und Bewertungen zur Verfügung. „Wir bieten unter anderem eine Beratung von Privatpersonen, Bauherren und Unternehmern zu Fragen einer gesundheitsbezogenen Baustoffauswahl an“, erklärt Dr. Julia Hurraß, Leiterin der Abteilung Wohnmedizin am IUK. „Darüber hinaus erstellen wir Innenraumanalysen von Häusern, Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen bei einem Verdacht auf Schadstoffquellen im Innenraum wie beispielsweise bei Schimmelpilzen.“
Foto: Universitätsklinikum Freiburg
Wer denkt, dass vor allem in alten, maroden Gebäuden die Luft schädlich ist, irrt: „Moderne Gebäude sind nahezu luftdicht gebaut. Dort können sich Schadstoffe ansammeln und konzentrieren“, so Dr. Julia Hurraß. Nur ein Zehntel der Innenraumluft wird in manch neuem, energieeffizientem Gebäude pro Stunde ausgetauscht. In einem „undichteren“ Altbau ist es bis zu zwanzig Mal mehr. Gerade in neu errichteten Gebäuden sind Schadstoffausdünstungen, beispielsweise von Lösemitteln und Klebstoffen, besonders hoch. Deshalb braucht es schon bei der Planung ausgeklügelte Ideen zur richtigen Belüftung. „Manchmal hilft es, ein neues Gebäude oder einen frisch renovierten Raum für einige Zeit gut auszulüften.“ Besser sind aber durchdachte Lüftungssysteme und die Verwendung schadstoffarmer Baumaterialien, zu denen ihr Institut Beratungen durchführt. Treten gesundheitliche Beschwerden auf ist es wichtig, verlässliche Angaben über die Ursachen zu erhalten. Expertin Hurraß rät deshalb von reinen Schadstoffmessungen als Vorsorgemaßnahme ab: „So erhalten Sie zwar viele Daten über Stoffe in der Innenraumluft, aber keine Informationen über die Auswirkungen auf die Gesundheit.“ Eine gezielte Beratung beispielsweise in der Abteilung Wohnmedizin des Universitätsklinikums Freiburg ist da die bessere Wahl. Diese kann dann je nach Problemstellung durch eine Messung und die sorgfältige Untersuchung durch einen Umweltmediziner ergänzt werden. Hier stehen nicht nur alle nötigen Messverfahren bereit, sondern auch Ärzte und Experten, die wissen, welche Stoffe sich wie auf die Gesundheit auswirken können – und was sich dagegen tun lässt.
Am IUK wurde nicht nur die Wohnmedizin, sondern auch das Hygiene- und Molekularlabor akkreditiert (siehe Kasten), so dass verschiedene übergreifende Laborprozesse gemeinsam gestaltet werden konnten. Der Schwerpunkt des Hygiene- und Molekularlabors liegt in der Prüfung von Arzneimitteln auf Sterilität.
Kontakt:
Wohnmedizinische Beratung:
Dr. Julia Hurraß
Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene
Erstkontakt unter:
Telefon: 0761 270-83290
E-Mail: wohnmedizin@uniklinik-freiburg.de
Homepage:http://www.uniklinik-freiburg.de/iuk/live/wohnmedizin.html
Akkreditierung am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene (IUK)Mit dem DAkkS-Prüfsiegel können jetzt zwei Bereiche des IUK ihre Prüfberichte auszeichnen. Für insgesamt 35 Prüfverfahren ist ein hoher Qualitätsstandard dokumentiert.
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