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Ausverkauf der Apotheke?

(19.10.2009) Medikamente sind keine Ware!" - dieses Statement könnte für alle Apotheken stehen. Und gegen den Internetversand. Doch wie verhält es sich mit der lokalen Konkurrenz?

Von Felix Pritschow

Mitte Mai hat der Europäische Gerichtshof zur Kettenbildung im Apothekenwesen entschieden. Das Urteil bestätigt geltendes, deutsches Recht und verbietet Nicht-Apothekern den Besitz von Apotheken. Die Meinungen zum Urteil sind gespalten. Für die Einen sichert es trotz seiner anzweiflungsfähigen Begründung die qualifizierte Betreuung durch unabhängige Apotheker. Für die anderen verhindert es vorerst die Liberalisierungstendenz auf dem deutschen Apothekenmarkt. Unter ihnen natürlich DocMorris. Eine ihrer Filialen war ausschlaggebend für die Klage von Apothekenbesitzern. Nun will der holländische Konzern den Internetversand und die Markenpartnerschaften weiter ausbauen.

Bei einer Markenpartnerschaft bleibt die Apotheke im Besitz des Apothekers, der verschiedene Leistungen in einer Art Franchise-Partnerschaft in Anspruch nimmt. In Deutschland gibt es ungefähr vierzig dieser Apothekenkooperationen. Daniel Schwenk, Pharmaziestudent im Praktischen Jahr, erklärt die Vorteile: "Sie erleichtern den Apotheken die Positionierung auf dem Markt durch Zusammenschlüsse in verschiedenen Bereichen und bringen der einzelnen Apotheke gegenüber den großen Organisationen Vorteile". Es kommt einem irgendwie bekannt vor: viele Kleine schließen sich zusammen gegen wenige Große.

Manchmal sind die Kleinen jedoch nicht ganz so klein, wie sie zu sein scheinen. Denn DocMorris besitzt aktuell ungefähr nur 150 Partnerapotheken. Linda hingegen, ein anderes, deutsches Franchise-Unternehmen, besitzt ungefähr 1400 von bundesweit 21.600 Apotheken. Von diesen sind fünf plus etwaige Tochter-Filialen in Freiburg angesiedelt. Eine von ihnen ist die Waldseeapotheke. Und hier arbeitet Daniel Schwenk. Trotzdem: Markenpartnerschaften sind erwünschte Hilfen, um gegen Internetversand und Drogeriemärkte, vielleicht bald auch Tankstellen, zu bestehen.

Die andere Sache, ist das mit der lokalen Konkurrenz. Der Blick wandert aus dem Fenster der Waldseeapotheke über die Schwarzwaldstraße. Kaum fünfzig Meter weiter erblickt das Auge das bekannte rote A. Die Apotheke im Zentrum Oberwiehre. Mit rund 3010 Einwohnern auf eine Apotheke, Landesschnitt 3870, ist Freiburgs Apothekenmarkt dicht besiedelt.

Die Instrumente, um gegen die überregionale Konkurrenz zu bestehen, gleichen sich häufig. Sie reichen von Saisonalberatungen wie zum Beispiel Reiseapotheken über Blutzuckerberatung bis zu Bringdiensten. Gerade weil "Medikamente keine Ware sind", wie Schwenk betont, sind die Bringdienste das, womit Apotheken Stammpatienten sehr entgegenkommen können. Sie stellen den Ersatz zum Internetversand dar, der Medikamente auch nach Hause liefert. Aber eben aus einer anderen Quelle. Im Bringdienst verknüpft sich persönliche Beratung mit den Vorzügen des Medikamentenversandtes und die städtischen Apotheken schärfen damit ihr Profil. Und untereinander? Beim Kunden steht häufig immer noch die persönliche Beratung und zum Beispiel familiär überlieferte Anbindung an die Apotheke im Vordergrund.

Die nahe Zukunft ist vorerst gesichert. Denn praktisch gesehen, hat das EuGH-Urteil erst einmal für Ruhe gesorgt, was Apothekenketten angeht. Das Urteil und die großen Ketten prägen den täglichen Umgang mit den Patienten nicht. "Sie stehen dunkel im Hintergrund", sagt Schwenk. Noch. Denn im Urteil ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Trotzdem können sich die städtischen Apotheken erst einmal auf den Ausbau ihrer Serviceleistungen und den lokalen Markt konzentrieren. Sollte das Urteil doch mal kippen, dann besteht kein Grund zur Sorge. Jede Markenpartnerschaft ist so konzipiert, dass die Umwandlung in eine Apothekenkette nur noch wenig Aufwand bereitet.

Von all dem ist die Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg nicht berührt. Stefan Ehret und Christoph Klaas sind beide im Arzneimitteleinkauf und der -logistik beschäftigt. "Wir kaufen direkt beim Hersteller und beliefern nur das Uniklinikum", sagen sie, "allein damit schlagen wir ein Vielfaches von der normalen Apotheke um". Weder die überregionale noch die lokale Konkurrenz kann die beiden ins Schwitzen bringen. So gesehen, ist die Klinikums - Apotheke gefeit. Und selbst so eine Art DocMorris.

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