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Versorgung aus einer Hand

(02.05.2011) Um Brustkrebs wirksam zu bekämpfen, muss er mit unterschiedlichen Therapien angegriffen werden. Das Brustzentrum des Universitätsklinikums Freiburg bündelt Diagnostik, Therapie und Nachsorge an einem Ort und bietet so eine optimale Versorgung.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in der westlichen Welt – in Deutschland erhalten rund 53 000 Frauen jedes Jahr diese schwierige Diagnose. „Entscheidend für eine gute Prognose der Brustkrebserkrankung ist die Art der Behandlung von Anfang an“, sagt Professor Elmar Stickeler, Leitender Oberarzt des Brustzentrums am Freiburger Universitätsklinikum: „Die Operation ist dabei nur eine Säule. Entscheidend ist, dass Brustkrebs eine Erkrankung ist, die einer systemischen Ganzkörperbehandlung bedarf.“ Am besten kann dies ein Brustzentrum gewährleisten, in dem Diagnostik, Therapie und Nachsorge an einem Ort gebündelt sind. Patientinnen haben dadurch den Vorteil, dass alle notwendigen Maßnahmen mit kurzen Wegen verbunden sind und gleichzeitig die Zahl der Ansprechpartner/-innen überschaubar bleibt.

Noch bis vor wenigen Jahren begann für Betroffene direkt nach der schweren Diagnose ein mühseliger Weg von Spezialistin zu Spezialist: Das hat sich seit dem Jahr 2003 allmählich geändert, seit überall in Deutschland Brustzentren zertifiziert worden sind, an denen Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten zusammenarbeiten. Heute gibt es über 270 zertifizierte Brustzentren im ganzen Land, doch die Versorgungsdichte differiert stark: So zählt Brandenburg ganze sechs, Baden-Württemberg dagegen über 50 solcher Einrichtungen. In der mit rund 200 000 Einwohnern relativ kleinen Stadt Freiburg gab es bis vor Kurzem sogar zwei davon: Das Universitätsklinikum Freiburg gründete 2003 eines der ersten zertifizierten Brustzentren Deutschlands, in dem pro Jahr rund 300 Frauen mit Brustkrebs behandelt werden. Ähnlich viele Fälle werden auch am Brustzentrum Südbaden behandelt, zu dem das Zentrum für Brusterkrankungen am Münsterplatz, das Diakoniekrankenhaus, das St. Elisabethkrankenhaus Freiburg und das Kreiskrankenhaus Emmendingen gehören.

Seit Anfang dieses Jahres kooperiert die Praxis am Münsterplatz mit dem Brustzentrum der Universitäts-Frauenklinik. „Statt vieler kleinerer Standorte gibt es jetzt ein funktionierendes Zentrum“, erläutert Professor Stickeler die Vorteile der Kooperation. „Mit der Größe wächst die Qualität“, betont auch Professor Gerald Gitsch, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik: „Das ist sinnvoll für unsere Region. Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie kommen aus einer Hand.“ Gynäkologie, Radiologie, Pathologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin, Onkologie und plastische Chirurgie sind an einem Ort vertreten.

Brustzentren:
Nach strengen Kriterien zertifiziert

Seit Sommer 2003 bietet die Deutsche Krebsgesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Senologie auf freiwilliger Basis ein Zertifizierungsverfahren für Brustzentren an. Nur wenn eine Klinik die Anforderungen erfüllt, erhält sie auch das Gütesiegel, das jährlich neu vergeben wird. Inzwischen gibt es über 270 zertifizierte Brustzentren in Deutschland. Für die Zertifizierung müssen mindestens 150 Neuerkrankungen an Brustkrebs jährlich an der Klinik behandelt werden, außerdem muss jeder Operateur und jede Operateurin mindestens 50 Brust- OPs pro Jahr durchführen. Mindestens 50 Prozent der Operationen müssen brusterhaltend durchgeführt werden, ein Zugang zu brustaufbauenden Operationsverfahren muss vorhanden sein. In den beteiligten Fachgebieten muss mindestens ein Facharzt mit ausreichender Erfahrung arbeiten, z. B. Pathologinnen mit mindestens 300 feingeweblichen Brustkrebsbefunden oder Gynäkologen mit nachweislich mindestens 400 durchgeführten Chemotherapien. Es müssen regelmäßige interdisziplinäre Tumorkonferenzen zur Festlegung der optimalen Therapiestrategie stattfinden, außerdem muss vor Ort ein Zugang zu psycho- onkologischer Betreuung, zu Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie zu Selbsthilfegruppen gegeben sein. Das Brustzentrum an der Universitätsklinik Freiburg wurde 2003 als eines der ersten zertifizierten Brustzentren in Deutschland gegründet. Pro Jahr werden hier rund 300 Frauen behandelt.

Kontakt

Prof. Dr. Elmar Stickeler
Universitäts-Frauenklinik
Brustzentrum
Tel.: 0761 - 270-31480
E-Mail: elmar.stickeler@uniklinik-freiburg.de

„Wir haben ein relativ hohes Operationsaufkommen und zugleich einen hohen Spezialisierungsgrad der behandelnden Ärzte“, sagt Professor Stickeler. Der größere Zuschnitt des Brustzentrums ermöglicht zukünftig noch breiter angelegte Forschungsprojekte, da mehr Patientinnen an Studien teilnehmen können. Diese reiche Erfahrung in Therapie und Forschung erhöht die Überlebenschancen und ermöglicht auch eine individualisierte Therapie, die passgenau auf jede Patientin zugeschnitten wird: „Man kann Tumore heute in verschiedene biologische Unterformen einteilen, die je nach Risikosituation verschiedener Therapien bedürfen. Wir wollen Übertherapie vermeiden und zugleich das beste Ergebnis bei möglichst wenigen Nebenwirkungen erreichen“, so Stickeler. So wird heute viel häufiger brusterhaltend operiert, zugleich hat die Zahl der minimalinvasiven Operationen stark zugenommen.

Kern des Brustzentrums sei die regelmäßige interdisziplinäre Tumorkonferenz, an der alle beteiligten Medizinerinnen und Mediziner teilnehmen: „Da diskutieren wir gemeinsam jede Woche die richtige Therapie für 20 bis 30 Patientinnen“, sagt Stickeler. „Für jede Patientin wird ein Therapieplan erstellt, der exakt auf ihr Alter, auf den Tumor, aber auch ihre Wünsche ausgerichtet ist.“ Maßgebend für die Wahl der richtigen Therapie sei dabei stets der aktuelle Stand der internationalen Krebsforschung: „Wir können hier innovative neue Konzepte verfolgen“, erklärt der Mediziner, „etwa die intraoperative Strahlentherapie, die die Bestrahlungsphasen nach einer Operation deutlich verkürzt.“

Bei all diesen Möglichkeiten sei die Universitätsklinik kein unpersönlicher, großer Moloch, betont Stickeler: „Unsere Arbeit ist von einem sehr persönlichen Umgang gekennzeichnet. Eine Patientin wird von dem Arzt operiert, bei dem sie in der Sprechstunde war, und danach von ihm weiter betreut. Auch die Stationen genießen einen hervorragenden Ruf dank der engagierten Schwestern.“