spac
spacmenufooter
spacer
spacer
spacer
spac

Beherzter Einsatz in Entwicklungsländern

(20.1.2009 Der Freiburger Arzt Friedhelm Beyersdorf reist im Rahmen zweier medizinischer Hilfsprojekte um die Welt, um herzkranke Patienten zu operieren. In Laos hilft er nun, ein neues Herzzentrum aufzubauen.

Von Insa Schiffmann und Thierry Rolling

Der Direktor der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie des Freiburger Universitätsklinikums Prof. Dr. Dr. h.c. Friedhelm Beyersdorf, ist Teil zweier medizinischer Hilfsprojekte. Er leitet die herzchirurgische Arbeit des „Vereins Kinderherzen retten e.V.“ und ist am Aufbau einer Klinik für Herzchirurgie in Laos beteiligt. "In ärmeren Ländern sterben Kinder oft selbst an kleineren Herzfehlern, wie zum Beispiel an Vorhofs- oder Ventrikel-Septumde- fekten", sagt Prof. Beyersdorf. Diese Vitien wären in Deutschland durch Routine-Operationen zu beheben.

Kinderherzen retten e.V.

„Kinderherzen retten e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern aus medizinisch weniger entwickelten Ländern zu helfen und ihnen mit einer Operation am Universitätsklinikum Freiburg die Chance zu geben, ein normales und gesundes Leben zu führen. Die Ärzteteams des 2002 gegründeten Fördervereins haben bereits über 90 Kinder erfolgreich operiert. „Voraussetzung für die Behandlung ist, dass der Herzfehler mit einer einzigen OP behoben werden kann und keine weitere Behandlung erfordert“, erklärt Beyersdorf. Folgeoperationen oder eine aufwendige Nachbehandlung seien in den Heimatländern nicht möglich. Die meisten jungen Patienten stammen aus El Salvador.

„Kinderherzen retten“ kennt die Ärzte in El Salvador. So kann gewährleistet werden, dass dort die richtige Diagnose gestellt wird, denn, erläutert Beyersdorf, die „richtige Diagnose ist entscheidend. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Voruntersuchung sorgfältig durchgeführt wird“ Sonst könne es passieren, dass ein Kind in Deutschland ankommt und im Extremfall an einer völlig anderen Krankheit leidet als angenommen. Der Verein unterscheidet sich von anderen ärztlichen Hilfsorganisationen besonders dadurch, dass er nicht nur in Krisensituationen aktiv wird. Einmal im Jahr fliegt ein Ärzteteam nach El Salvador, um dort Kinder zu behandeln. Auch in Freiburg werden Kinder operiert. Hierfür werden die Patienten samt Familie nach Deutschland geflogen und während des Aufenthalts in Gastfamilien einquartiert. „Wir arbeiten mit zahlreichen Helfern zusammen. Es gibt zum Beispiel ein Busunternehmen, dass die Patienten kostenlos vom Flughafen abholt.“

Herzzentrum in Laos

entwicklung2

Das Projekt in Laos geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier soll nicht nur punktuell geholfen werden, sondern ein funktionelles Herzzentrum aufgebaut werden, dass von laotischem Personal geleitet wird. Bis 2004 gab es in Laos keine einzige herzchirurgische Einrichtung. In diesem Jahr eröffnete das Institut du Coeur Lao-Luxembourgeois in Vientiane, der laotischen Hauptstadt. Möglich war dies unter anderem durch die Arbeit der luxemburgischen Hilfsorganisation Aide au Développemen de la Santé (ADS). Vor einigen Jahren erhielt Beyersdorf einen Anruf von Prof. Dr. Bernard Eisenmann, dem ärztlichen Direktor der Herz- und Gefäßchirurgie in Straßburg und Vizepräsidenten des ADS. „Er fragte, ob ich an dem Projekt in Laos interessiert sei. Und ich sagte zu!“, sagt Beyersdorf. „Chirurgen in Laos werden nicht vom Staat oder durch ein Gesundheitssystem bezahlt, denn so etwas gibt es dort nicht“, erklärt Beyersdorf. „Wenn jemand Probleme mit der Galle hat, drückt er dem Chirurgen einen Dollar in die Hand und der nimmt sie dann raus!" Die Kosten einer Herzoperation wären aber ungleich größer, sodass sich die Bevölkerung dies nicht leisten könne, bzw. ein Arzt Geld dabei verlieren würde. „In Laos gibt es deshalb noch kein Equipment. Wir müssen alles mitbringen! Selbst die Herzklappen.“ Jedes Jahr fliegen zwei Chirurgen, ein Anästhesist, ein Kinderkardiologe und einige OP-Pfleger aus Freiburg nach Laos und nehmen sich dafür Urlaub. Die Hilfsaktion läuft also vollständig auf freiwilliger Basis.

In fünf Jahren selbstständig Operieren

Ziel des Projektes ist es, laotische Herzchirurgen und medizinisches Personal auszubilden. Geplant sei, dass diese das Herzzentrum in fünf Jahren ohne fremde Hilfe führen können. Finanziert wird das ganze aus Spendengeldern an den ADS. Für jeden gespendeten Euro legt die Luxemburger Großherzogin drei weitere Euro drauf. Auch Firmen können helfen, zum Beispiel indem sie Geräte zur Verfügung stellen. „Wir nehmen auch ältere Geräte, sie müssen jedoch noch einwandfrei funktionieren", stellt Beyersdorf klar, "Wir machen keine zweitklassige Medizin in Laos“.

Infokasten

Die Homepage von "Kinderherzen retten e.V." finden Sie hier...

Um Teil des Teams werden zu können, müsse man sich gut auf fremde Menschen und Sitten einstellen, sowie Ärzte ausbilden können und mindestens Englisch sprechen. „Und man braucht eine große Improvisationsgabe und Durchhaltevermögen. Schließlich sitzt man zuerst 12 Stunden im Flugzeug und soll sich dann gleich in die Arbeit stürzen.“ Wichtig sei auch, dass man in der Lage ist, sich auf ungewohnte Situationen einzustellen. „Wir nehmen nur absolute Könner! Es gibt schon heiße Szenen, in Laos fällt gerne mal der Strom aus oder Ähnliches, man muss genau wissen, was man tut“, betont Beyersdorf. Es sei aber auch für Studenten möglich, mit nach Laos zu fliegen. „Wenn sie qualifiziert sind, zum Beispiel, wenn sie schon länger im Krankenhaus Nachtwachen oder eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht haben, kann der Flug eventuell aus Spendengeldern finanziert werden.", sagt der Chirurg, "Wenn ein Student allerdings nur zuschauen möchte, muß er für den Flug selbst aufkommen“. Auch persönlich habe ihn die Auslandsarbeit geprägt, meint Prof. Beyersdorf. "Wenn man mit den Gesundheitssystemen in fremden Ländern konfrontiert ist, merkt man erst wie vorbildlich das deutsche System ist". Man gewinne eine gewisse Distanz zu dem Anspruchsdenken, das in der westlichen Welt vorherrscht, berichtet der Arzt und fügt hinzu: "Denn das Glück der Menschen ist nicht vom Grad der Medizin abhängig".

Der Artikel "Beherzter Einsatz in Entwicklungsländern" erschien erstmals im "Appendix", dem Magazin für Medizinstudenten in Freiburg.
Die Homepage von "Appendix" finden Sie hier...

                                                                                                                                 zurück...