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Gehirndoping – Risiken und Möglichkeiten

(3.8.2010) Schlauer, schneller, effektiver – Immer mehr Studenten, Manager und Wissenschaftler greifen zu Pillen, die die mentale Leistungsfähigkeit steigern sollen. Doch die Folgen sind nicht abzuschätzen.

(bw) Angst vor dem Versagen in Prüfungen und bei der täglichen Arbeit steigen in unserer Gesellschaft stetig an. Kein Wunder also, wenn immer mehr Menschen versuchen, ihre mentale Leistungsfähigkeit mit Medikamenten zu verbessern. Es gibt eine ganze Reihe von Psychopharmaka, die den Ruf haben, leistungssteigernd zu wirken. Bis zu 16 Prozent der USCollegestudenten geben an, dass sie solche „Neuroenhancer“ für eine bessere Leistung einnehmen.

„Genaue Zahlen für Deutschland gibt es nicht, aber auch wir vermuten, dass hierzulande immer mehr Menschen zu solchen Präparaten greifen“, erklärt Dr. Claus Normann, Oberarzt in der Psychiatrie des Universitätsklinikums Freiburg. Spitzenreiter im Gehirndoping sind Substanzen zur Steigerung der Aufmerksamkeit wie Ritalin.

Viele Studenten in den USA machen sich mit dem Mittel, das eigentlich zur Behandlung von hyperaktiven Kindern eingesetzt wird, fit für ihre Prüfungen. Aber nicht nur Studenten versuchen ihre Leistungen mittels Medikamente zu erhöhen. Die Nachfrage nach Neuroenhancern steigt, je länger die Arbeitzeiten, je eintöniger die zu bewältigende Arbeit und je höher der Konkurrenzdruck sind. Das größte Problem: Niemand weiß so genau, wie die Substanzen, die eigentlich für Kranke entwickelt wurden, bei Gesunden wirken.

Zudem ist unklar, welchem Suchtpotenzial sich jemand aussetzt, der regelmäßig Pillen schluckt, um mentalen Anforderungen standzuhalten. „Es besteht das Risiko, Warnsignale des Körpers zu ignorieren – mit unabsehbaren Folgen für die Gesundheit“, so Dr. Normann.

Wissenschaftliche Diskussion und Forschung

Im letzten Jahr haben sich mehrere führende Neurowissenschaftler in einem Memorandum für einen liberalen Umgang mit Neuroenhancern ausgesprochen und davor gewarnt, diese zu verteufeln. Sie sehen diese Medikamente als weitere legitime Möglichkeit, die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern, und stellen sie in eine Reihe mit Kaffee, Hirnjogging und Lerngruppe. Anders sieht das PD Dr. Normann: „Bei dieser Diskussion wird unterschlagen, dass noch nicht einmal geklärt ist, ob solche Mittel überhaupt die mentale Leistungsfähigkeit steigern.“

Damit die Diskussion rund um das Thema Gehirndoping auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt werden kann, beschäftigt sich die Abteilung Psychiatrie des Universitätsklinikums gemeinsam mit dem Ethikzentrum der Universität Freiburg mit Neuroenhancern. In Kooperationsprojekten werden Untersuchungen zu Epidemiologie, Wirksamkeit und Wirkmechanismen von Neuroenhancern angestrebt. Aber allen Hoffnungen zum Trotz – eines ist dem Psychiater Normann schon heute klar: „Letztlich führt kein Weg an der Mühsal des Lernens vorbei.“

 

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