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Plötzlich Gicht

(21.02.2011) Die unbemerkte Krankheit: Was löst Gicht aus und wie wird sie behandelt?

Die Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt. In seltenen Fällen können auch Krankheiten mit erhöhtem Zellumsatz, wie etwa Tumorerkrankungen, der Auslöser sein. „Erreicht der Harnsäurespiegel einen kritischen Punkt, kann ein akuter Gichtanfall folgen“, erklärt Professor Dr. Jochen Seufert, Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Diabetologie in der Abteilung Innere Medizin II der Freiburger Universitätsklinik.

Hinterlistig ist die Krankheit vor allem deshalb, weil sie lange ohne Beschwerden verläuft und unerwartet zuschlagen kann. „Ein akuter Anfall tritt oft aus völliger Gesundheit auf. Auslöser dafür kann üppiges Essen oder ausschweifender Alkoholkonsum sein“, erklärt Prof. Seufert. Typischerweise treten am Grundgelenk einer Großzehe erste Beschwerden auf. Das Gelenk entzündet sich, wird dabei rot und schwillt an. Jede Berührung schmerzt und meist können die Betroffenen nicht mehr auftreten. „Im Anfall kann der Harnsäurespiegel jedoch schon wieder normal sein, sodass ein niedriger Wert nicht unbedingt eine Gicht ausschließt“, so Prof. Seufert. Nachdem der Anfall abgeklungen ist, folgt meist eine über Monate bis Jahre andauernde Ruhephase ohne weitere Beschwerden.

Eine trügerische Ruhe, denn wird die Gicht zu spät oder gar nicht behandelt, kann sie zu einer chronischen Erkrankung werden. Ständige Schmerzen und bleibende Gelenkveränderungen können die Folge sein. Sowohl Alkohol wie auch purinreiche Nahrung können den Harnsäuregehalt des Blutes deutlich erhöhen. Bei einer Erkrankung sind Milchprodukte wie Quark und Käse sowie Tomaten, Gurken, Kartoffeln und Äpfel zu empfehlen. Fisch, Grillhähnchen, Innereien, Fleischbrühe, Suppenwürfel und Bäckerhefe sind hingegen zu vermeiden. Außerdem kann sich eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr sehr positiv auswirken. „Kaffee, schwarzer Tee und auch Kakao können trotz der darin enthaltenen Purine bedenkenlos konsumiert werden, da der Organismus diese nicht in Harnsäure umwandelt“, erklärt Prof. Seufert.

Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, die Harnsäureproduktion dauerhaft zu senken oder die Ausscheidung zu steigern. Hiermit wird direkt einem akuten Gichtanfall entgegengewirkt. Während eines Anfalls ist die akute Schmerzbehandlung und der Einsatz entzündungshemmender Medikamente wichtig. Die nachfolgende Dauertherapie soll dafür sorgen, dass keine weiteren Beschwerden auftreten. Der Krankheit an sich kann nicht vorgebeugt werden, da sie meist erblich bedingt ist. Aber durch die Regulierung von Speis und Trank kann in manchen Fällen sogar ganz auf Medikamente verzichtet werden.