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Heilkunde oder Geschäft
(19.7.2010) Ästhetische Chirurgie, Ärzten als Dienstleister und Gewinnoptimierung als Ziel der Medizin: Lesen Sie den Kommentar zur „Schönheitschirurgie“ vom Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio.
Von Professor Dr. Giovanni Maio, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin Freiburg
„Es ist unbestritten, dass die Plastische Chirurgie als Teil der Heilkunde für viele Menschen von unschätzbarem Wert ist. Niemand möchte die Kunstfertigkeit des Plastischen Chirurgen missen. Aber neben den unstrittigen Beispielen hat sich eine Ästhetische Chirurgie herausgebildet, die nicht mehr das Ziel hat, Menschen zu helfen, sondern die nach Absatzmärkten für ihre „Produkte“ sucht.
Leider verstehen sich viele Ästhetische Chirurgen immer weniger als Helfer denn vielmehr als Dienstleistungsanbieter, die Werbung für ihre Produkte machen und damit erst eine Nachfrage schaffen. Jeder Mensch hat das Recht, solche Produkte zu kaufen, aber wenn es einzig und allein um das Verkaufen geht, kann in diesem Fall nicht mehr von Medizin gesprochen werden. Medizin hat ein anderes Ziel als die Gewinnoptimierung; ihr geht es allein um die Hilfe für den Menschen, der eben Patient und gerade kein Kunde ist. Oftmals leiden die Menschen, die Schönheitsoperationen wünschen, nicht an der Körperform, sondern an einem mangelnden Selbstbewusstsein. Sie beugen sich dem Konformitätsdruck von außen, weil sie denken, dass Sie mitmachen müssen, um nicht von der Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaft abgehängt zu werden.
Die moderne „Schönheitschirurgie“ macht sich diese Not vieler Menschen zunutze und versucht, daraus Profit zu schlagen. Damit läuft diese Chirurgie Gefahr, nicht nur ästhetische Dienstleistungen, sondern mit ihnen gleichsam ihre ureigenste Identität zu verkaufen. Ein guter Arzt wird keine Kunden bedienen, sondern Menschen helfen wollen, und zu dieser Hilfe gehört es, dass man sich erst für den Menschen als Menschen interessiert. Wenn man sich interessiert, dann wird man im Zweifelsfall erkennen, dass man vielen Patienten mit ihren Problemen nicht mit dem Skalpell, sondern oftmals mit einem therapeutischen Gespräch effektiver helfen kann.“














