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Hirndoping – ein Wettrüsten am menschlichen Körper
(23.8.2010) Schlauer, schneller, effektiver – Immer mehr Studenten, Manager und Wissenschaftler greifen zu Pillen. Lesen Sie den Kommentar zu „Hirndoping“ vom Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio.
Von Professor Dr. Giovanni Maio, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin Freiburg
"Es ist kein Zufall, dass wir gerade in unserer auf Effizienz und Ökonomie ausgerichteten Zeit über Hirndoping sprechen. Denn der Zeitgeist suggeriert uns, dass schneller, höher, weiter in jedem Fall besser ist. Wir sind schon so sehr in der Leistungsgesellschaft verankert, dass wir blind werden für die Einsicht, dass unser Leben nicht einfach dadurch besser wird, dass wir unsere Leistungen steigern. Was wir gerade erleben, ist ein Wettrüsten am menschlichen Körper, wodurch sich der moderne Mensch selbst zum Sklaven macht und vom Diktat der Effizienz vereinnahmt wird.
Um das Gefühl der Zufriedenheit mit sich und der Welt zu erreichen, genügt es nicht, etwas einfach schneller zu können; wir müssen darüber hinaus das Gefühl haben, dass wir auch die eigentlichen Urheber dieser Leistung sind. Viele Menschen, die Dopingmittel nehmen, sind eher die Opfer und Instrumente einer ökonomisierten Gesellschaft, als dass sie Autoren ihrer selbst wären. Das Leben wird nicht dadurch besser, dass wir alles schneller und effizienter machen.
Die Vorstellung, dass die Gradlinigkeit und Widerstandslosigkeit den Sinn des Lebens ausmacht, ist grundlegend in Frage zu stellen. Der Mensch kann nur dann gut leben, wenn er offen bleibt für die Überraschungen des Lebens und bereit ist, über Widerstände hindurch sich selbst treu zu bleiben. Daher sind die Dopingmittel keine Glücksbringer, sondern sie lenken uns ab zu erkennen, worauf es wirklich im Leben ankommt."














