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Impfstoff-Engpass

(9.2.2010) Derzeit sind einige wichtige Kinderimpfstoffe nicht mehr lieferbar. Besteht eine ernsthafte Bedrohung?
Interview mit dem Leiter der Sektion Pädiatrische Infektiologie, Immunologie und Vakzinologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg, Professor Dr. Reinhard Berner.

amPuls: Seit einigen Tagen berichten die Medien von einem Mangel an Impfstoffen für Kleinkinder in Deutschland. Stimmt das?

Professor Berner:
Momentan besteht tatsächlich ein Lieferengpass für einige Impfstoffe der Firma GlaxoSmithKline (GSK).

amPuls:
Welche Impfstoffe sind betroffen?

Professor Berner:
Unter anderem handelt es sich um den Sechsfach-Impfstoff Infanrix Hexa und den Vierfach-Lebendvirus-Impfstoff Priorix-Tetra. Der Impfstoff Infanrix Hexa wird bei Säuglingen und Kindern zur vorbeugenden Immunisierung gegen die Infektionskrankheiten Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und die vom Bakterium Haemophilus influenzae Typ B hervorgerufenen Krankheiten eingesetzt. Priorix-Tetra ist ein Kombinationsimpfstoff für Säuglinge und Kinder zur Vorbeugung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

amPuls:
Wie kann es zu einem solchen Mangel an regulärem Impfstoff kommen?

Professor Berner:
Dafür kann es verschiedene Gründe geben: technische Schwierigkeiten bei der Produktion, verzögerte Chargenfreigabe durch interne Qualitätskontrolle und so weiter. Als Gründe für den momentanen Lieferengpass werden daher auch von GSK unter anderem Prozessumstellungen der Sicherheits- und Qualitätskontrollen genannt, aber auch die erhöhte Auslastung der Kapazitäten durch die Produktion, Freigabe und Abfüllung des Grippeimpfstoffs Pandemrix.

amPuls:
Besteht eine reelle Gefahr für Säuglinge, die aufgrund des Impfstoffmangels erst später geimpft werden können?

Professor Berner:
Die Impfstoffe, die jetzt fehlen, sind ohne jeden Zweifel Impfstoffe gegen potenziell lebensbedrohliche Infektionskrankheiten. Im ersten Lebensjahr sind die Abstände der Impfungen bewusst sehr eng gesetzt, und wir beginnen mit den Impfungen bereits sehr früh am Ende des zweiten Lebensmonats. Insofern ist es außerordentlich unangenehm, dort nun in Verzug zu geraten, wo wir jahrelang versucht haben, das Ziel der zeitgerechten Grundimmunisierung umzusetzen.
Trotzdem muss man die Kirche im Dorf lassen. Eine durch äußere Umstände bedingte, einmalige Verzögerung der Impfung - um vielleicht vier bis sechs Wochen? - wird zu keiner reellen Bedrohung der Bevölkerung führen. Es wird keine Riesenkatastrophe geben, wenn sich die Impfungen nun etwas nach hinten verschieben. Allerdings darf dies nicht dazu führen, dass man zukünftig den Zeitpunkt einer Impfung wieder für beliebig hält. Dies wäre in der Tat fatal.

amPuls:
Können besorgte Eltern irgendetwas tun?

Professor Berner:
Das Paul-Ehrlich-Institut verweist als mögliche Alternativen zur Überbrückung des Engpasses auf weitere in Deutschland zugelassene Kombinations- und Einzelimpfstoffe. So sind gegen Masern, Mumps und Röteln beispielsweise die Impfstoffe Priorix der Firma GSK und M-M-RvaxPro der Firma Sanofi Pasteur MSD verfügbar. Bezüglich der Windpockenkomponente kann der Einzelimpfstoff Varivax der Firma Sanofi Pasteur MSD eingesetzt werden.

amPuls:
Ist eine schnelle Lösung des Problems in Sicht?

Professor Berner:
Nach Information der Firma GSK können einige der derzeit nicht verfügbaren Impfstoffe bereits Mitte Februar wieder geliefert werden.

amPuls:
Vielen Dank!

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