spac
spacmenufooter
spacer
spacer
spacer
spac

Pflegende „rackern“ mehr als Bauarbeiter

(20.7.2010) Beschäftigte in Pflegeberufen gehen sowohl körperlich als auch seelisch oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Am Uniklinikum Freiburg gibt es ein Präventionskonzept, das dem entgegen wirken soll.

Langes Stehen, schweres Heben und Zwangshaltungen sind typische Belastungen für die Pflegeberufe. So schleppen Pflegende oft mehr als Bauarbeiter. Lasten heben – für Frauen mehr als 10 Kilogramm, für Männer mehr als 20 Kilogramm – gehört für zwei von drei Pflegenden zum Berufsalltag. Hinsichtlich dieser Belastung übertreffen die Beschäftigten in den Pflegeberufen sogar ihre Kollegen im Baugewerbe. Dieses Problem ist auch den Verantwortlichen in der Pflege des Universitätsklinikums Freiburg bekannt.

„Gerade im Berufsfeld der Pflege besteht einen besonderer Handlungsbedarf in Sachen Gesundheitsprävention“, erklärt die Pflegedirektorin Beate Buchstor. „Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit der Abteilung für Sportorthopädie und der zentralen Physiotherapie bereits vor fünf Jahren ein spezielles Bewegungskonzept für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegedienst entwickelt“.

Ziel des integrativen Konzeptes ist es Pflegende anzuleiten die Bewegungsfähigkeit der Patienten zu fördern und dies mit der eigenen erlernten körpergerechten Bewegungskompetenz zu kombinieren. In einem eintägigen Grundkurs werden die Mitarbeiter in der Pflege und der Zentralen Physiotherapie geschult. „Dabei bleiben wir aber nicht stehen, es folgen weitere Spezialkurse die die spezifischen Inhalte der jeweiligen Abteilung berücksichtigen. So können wir sicherstellen, dass das Erlernte in der täglichen Praxis auch umgesetzt werden kann“, erläutert Michaela Gassner, physiotherapeutische Projektleiterin des Bewegungskonzepts.

Mehr als 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben bereits an der Schulung teilgenommen. Von besonderem Interesse ist für die Pflegedienstleitungen der langfristige Nutzen für die Mitarbeiter. Auch das wird beachtet: In der „Praxisbegleitung“. Diese wird von jeweils einem Bewegungsbeauftragten der Pflege und einem für die Station zuständigen Physiotherapeuten gestaltet. In der gemeinsamen Arbeit werden Schwierigkeiten im Patientenhandling angegangen und Problemlösungen gesucht. „Ein Jahr nach der ersten Schulung befragen wir zusätzlich die Mitarbeiter zum Nutzen und Erfolg der Maßnahme und werteten die Fragebögen aus“, betont Dr. Johanna Feuchtinger, Stabstelle Qualität und Entwicklung in der Pflege, die das Konzept seit seinen Anfängen begleitet. Die Ergebnisse dieser Auswertungen werden kontinuierlich zur Aktualisierung und Verbesserung in das „Bewegungskonzept am Universitätsklinikum Freiburg“ eingearbeitet.

"Gefühlsmäßig belastende Arbeit"

Doch die physische Prävention ist nur ein Teil des Präventionskonzeptes in der Pflege am Universitätsklinikum Freiburg. Die hohen psychischen Anforderungen verstärken die Beanspruchungen von Pflegenden noch. „Dies trägt dazu bei, dass deutlich mehr Beschäftigte in Pflegeberufen das Gefühl haben, häufig an die Grenze der Leistungsfähigkeit gehen zu müssen als in anderen Berufen“, weiß Dr. Andrea Wittich, vom Supervisionsdienst am Klinikum.

Um auch im psychischen Bereich den Beschäftigten Pflegenden unterstützend zur Seite zu stehen, ergänzt der Supervisionsdienst am Universitätsklinikum das Bewegungskonzept. „Bei der Supervision im Krankenhaus geht es um eine Hilfe zur Bewältigung und Reduzierung berufsbedingter Belastungen, die Klärung von Konflikten und den bestmöglichen Erhalt von Arbeitszufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit“, so Dr. Andrea Wittich.

Gerade die immer stärker werdenden Arbeitsanforderungen sind häufig Thema in Supervisionssitzungen von Pflegeteams. Viele Pflegende haben nicht mehr die Zeit, sich so um die Patienten und deren Angehörige zu kümmern, wie es ihren Vorstellungen und Ansprüchen entspricht. Oft gehen sie dann mit Gefühlen von Unzufriedenheit oder gar Schuld nach Hause. Dies stellt eine psychische Belastung dar, die in den Supervisionsstunden thematisiert wird. „Obgleich eine Supervision an der Personalknappheit, durch die solche Situationen ja verstärkt auftreten, natürlich leider nichts ändern kann, berichten die Teilnehmenden, dass der kollegiale Austausch hier doch eine gewisse Entlastung bringt“, so Dr. Andrea Wittich.

Allen Beteiligen ist natürlich klar, dass dieses unterstützenden Maßnahmen die strukturellen Defizite, die erst zu solchen Problemen führen, nicht lösen. Daher gibt es am Universitätsklinikum Freiburg eine ganze Reihe von Maßnahmen, die das Ziel haben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. „Auch wenn wir nicht über Nacht alle Probleme lösen könne, so versuchen wir doch präventiv Strukturen und Bedingungen zu verbessern“, betont Beate Buchstor. „Der Pflegeberuf wird aber trotz aller Bemühungen immer von physischen und psychischen Belastungen für den Einzelnen geprägt sein. Daher ist es umso wichtiger, sinnvolle Vorsorge- und Unterstützungsmaßnahmen in den Arbeitsalltag zu integrieren und gleichzeitig an den Strukturen zu arbeiten. Nur so können wir dazu beitragen, das unser Beruf weiterhin attraktiv bleibt und die Beschäftigen professionelle Arbeit leisten“.

                                                                                                                                         zurück...