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Keine Experimente mit Pilzen am Kochtopf – Vergiftungsgefahr
(9.8.2010) Die Pilzzeit lockt viele Sammler in die Wälder. Aber nicht alle Sammler wissen über die Pilze Bescheid. Viele der über 2000 Pilzarten sind ungefährlich und essbar. Doch was tun, wenn der Pilz giftig war?
Nach Tschernobyl wurden lange Zeit kaum Pilze gesammelt. Seit einigen Jahren scheint sich das Verhältnis zum Pilz normalisiert zu haben, denn heute kann man in den Wäldern um Freiburg Scharen eifriger Pilzsammler sehen – mit Pilzlexikon und Körben bewaffnet. Mindestens 2000 verschiedene Pilzarten können unterschieden werden. Neben dem Steinpilz und den Morcheln sind über 600 weitere Arten im Schwarzwald um Freiburg vertreten. Wie viele davon tatsächlich essbar sind, weiß keiner genau. Aber wer würde auch schon eine seltene Art kosten wollen? Vor allem, wenn man bedenkt, dass das vorhandene Wissen von Vergiftungsfällen herrührt.
Viele Giftpilze sehen essbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlich. Für den Laien sind die meisten Pilzarten nicht zu unterscheiden. „Daher reicht es nicht aus, mit dem Pilzbuch in den Wald zu gehen“, sagt Dr. Uwe Stedtler, stellvertretender Leiter der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg, „weil immer wieder Abweichungen vorkommen können, die noch nicht vermerkt wurden.“ Pro Jahr sterben allein in Baden-Württemberg zwei bis drei Menschen an Pilzvergiftungen. In Zweifelsfällen sollte bei Pilzausbildern oder Sachverständigen nachgefragt werden oder die Finger von den unbekannten Pilzen gelassen werden. Fast 95 Prozent aller tödlich endenden Pilzvergiftungen gehen auf Knollenpilze zurück, der dem Wiesenchampignon ähnlich sieht. Bereits kleine Mengen sind gefährlich. „Schuld an einer Vergiftung ist meist Amanitin, ein giftiger Eiweißstoff, der in manchen Pilzen vorhanden ist. Der lässt sich weder durch Kochen noch durch Trocknen unwirksam machen“, weiß Dr. Stedtler.
Vorsicht beim Pilzsammeln
Pilzvergiftungen können nicht nur Magen-Darm-Beschwerden auslösen, sondern auch irreparable Schäden an Leber und Niere verursachen. Vor allem bei Kindern verläuft eine Pilzvergiftung häufig schwerer als bei Erwachsenen. Es gibt aber kaum eindeutige Vergiftungssymptome. Leichte Pilzvergiftungen, die nicht lebensgefährlich sind, können schon zwischen 15 Minuten und vier Stunden nach dem Pilzessen auftreten und mehrere Tage anhalten.
Bei einer schweren und lebensbedrohenden Vergiftung können die ersten Anzeichen Tage auf sich warten lassen. „Oft werden die Beschwerden, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Halluzinationen und Harnbluten dann gar nicht mehr mit dem Pilzkonsum in Verbindung gebracht“, so der Vergiftungsexperte. Wenn die ersten Anzeichen einer Vergiftung zu erkennen sind, sollte man schnellst möglich zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren.
KontaktVergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg |
„Die Bestimmung ist wichtig, um die Giftigkeit einzuschätzen. Und je präziser der Pilz beschrieben werden kann, desto genauer kann die erforderliche Behandlung dann sein“, erklärt Dr. Uwe Stedtler. Wenn noch Reste der Pilze übrig sind, sollte man diese mit zum Arzt nehmen zur Identifizierung.














