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Reanimation: Auf den Druck kommt es an
(22.10.2010) Die meisten wissen es, theoretisch zumindest: Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund–Beatmung können bei einem Herzstillstand Leben retten. Die Thoraxkompression hat dabei aber die weitaus größere Bedeutung.
Es passiert von einer Sekunde auf die andere: das Herz steht still beziehungsweise schlägt so unkoordiniert, dass kein Auswurf mehr stattfindet. Eine halbe Million Menschen erleiden in Europa jährlich einen Herzstillstand. Patienten, die in der Öffentlichkeit einen Herzstillstand erleiden, werden aber nur selten reanimiert, selbst wenn Augenzeugen anwesend sind. „Das liegt zum einem an der Panik, die ein plötzlich kollabierter Mensch bei den Umstehenden auslöst, zum anderen aber vermutlich auch an der Sorge, das Opfer zu schädigen, die Reanimationsmassnahmen falsch durchzuführen und sich selbst als Helfer zu gefährden“, erklärt Dr. Axel Schmutz, Anästhesist am Universitätsklinikum Freiburg.
Oft wird auch die bei bis zu 40 Prozent der Opfer auftretende Schnappatmung als normale Atmung fehlinterpretiert. Dabei handelt es sich um ein Atemmuster, bei der der Kreislaufstillstand bereits eingetreten ist, der Patient aber noch vereinzelte Atembemühungen zeigt, die als „schwer“ beziehungsweise „geräuschvoll“ oder gar „schnappend“ sein können. „Scheu haben sicher viele Augenzeugen vor der so genannten Mund-zu-Mund-Beatmung, die die meisten im Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben“, so Dr. Axel Schmutz. Eine Meta-Analyse, die gerade im renommierten Fachmagazin Lancet veröffentlicht wurde, zeigt jetzt jedoch, dass der Verzicht auf die Atemspende die Überlebenschance sogar verbessern kann. Auch in den Mitte Oktober 2010 veröffentlichten Empfehlungen der Fachgesellschaften ist die „compression only CPR“ als Maßnahme für nicht-trainierte Helfer erwähnt. Zumindest für nicht-trainierte Laien ist diese Maßnahme besser als gar nichts zu unternehmen. „Es ist gut möglich, dass die Hemmschwelle sinkt, wenn nur Thoraxkompressionen vorgenommen werden und sich der Helfer nur auf eine ‚Tätigkeit’ konzentrieren muss“, so der Notfallmediziner Dr. Schmutz.
„Der Verzicht auf die Atemspende in den ersten zwei bis vier Minuten bei einem Herzstillstand aus kardialen Ursachen schadet vermutlich deshalb so wenig, weil noch genügend Sauerstoff im Blut vorhanden ist. Allerdings dauert es im Schnitt acht Minuten oder länger, bis professionelle Hilfe dazukommt. Dieser Zeitraum ist zu lang, um ihn ohne Beatmung beziehungsweise Sauerstoff zu überstehen.“ Auch der European Resuscitation Council setzt in seinen gerade geänderten Reanimationsempfehlungen einen Schwerpunkt auf die Herzdruckmassage. Die Experten raten: Bei einer bewusstlosen Person ohne normale Atmung zuerst den Notruf wählen und dann zügig mit dem Handballen einer Hand (die andere Hand darüber) schnell und hart auf die Mitte des Brutkorbs drücken – am besten mit einer Frequenz von 100-mal pro Minute und einer Tiefe von fünf Zentimetern. Wer es sich zutraut, kann nach 30 Kompressionen zwei Atemspenden geben. Die Zeit zwischen Atemspende und Herzdruckmassage sollte so klein wie möglich gehalten werden.
„Die Empfehlung an Laienhelfer, sich hauptsächlich auf die Thoraxkompressionen zu konzentrieren, gilt aber nur in Fällen von plötzlichem Herzstillstand und nur für die ersten paar Minuten“, betont Dr. Schmutz. „Tritt der Herzstillstand in Folge einer nicht-kardialen Ursache beispielsweise durch Verletzung, Atemnot oder beim Ertrinken ein, ist Beatmung sehr wichtig. Das gilt vor allem für Kinder, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand am ehesten aufgrund von Sauerstoffmangel erleiden.“ Grundsätzlich gilt weiterhin: Thoraxkompressionen mit Beatmungen bleibt die von den Fachgesellschaften empfohlene Methode für trainierte Laienhelfer und professionelle Helfer. Wenn Laienhelfer Beatmungen nicht durchführen können oder wollen, sollten sie zumindest Thoraxkompressionen durchführen.














