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Skispringen: Durch Hungern zum Sieg?

(14.1.2010) Nicht erst durch die Aussagen von Martin Schmitt sind die Hungerdiäten der Skispringer in der Diskussion. Lesen Sie ein Interview zu diesem Thema mit dem Leiter der Sportmedizin der Uniklinik.

(bw) Interview mit dem Ärztlichen Direktor der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg Professor Dr. Hans-Hermann Dickhuth:

amPuls: Der Skispringer Martin Schmitt macht für seinen schlechten Gesundheitszustand eine jahrelange Diät verantwortlich. Warum hungern viele Skispringer ihr Körpergewicht in solche Grenzbereiche?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Es gibt für jeden Skispringer ein optimales Verhältnis von Größe und Gewicht, bei vielen ist dieses Gewicht an der Grenze zum Untergewicht. Alle Skispringer versuchen natürlich, dieses optimale Gewicht zu erreichen. Dies kann bedeuten, dass sie sich sehr mit der Kalorienaufnahme vorsehen müssen.

amPuls: Welche gesundheitlichen Folgen können gerade bei Spitzensportler auftreten, die unter Untergewicht leiden?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Die Neigung zu Untergewicht ist eigentlich eher bei Frauen im Ausdauersport verbreitet als bei Männern. Man fasst dies unter dem Begriff der Anorexia athletica zusammen, das heißt, die Sportler(innen) versuchen zum Beispiel beim Marathonlauf oder auch beim Radfahren das optimale Gewicht zu erreichen und schießen dann gelegentlich über das Ziel hinaus. Wenn dies sehr lange andauert, kann es insbesondere bei Frauen zu Sexualhormonstörungen mit den entsprechenden Folgen führen und eventuell das Risiko für eine spätere Osteoporose erhöhen.

amPuls: Nicht nur Martin Schmitt fordert jetzt eine Verschärfung der so genannten Bodymass-Regel. Was für ein BMI ist aus medizinischer Sicht sinnvoll?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Der Body-Mass-Index, also das Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Sportler haben teilweise unterschiedliche muskuläre Ausprägungen oder auch Knochengewichte, so dass hier auch keine Chancengleichheit resultiert. Aber sicher liegt der Body-Mass-Index mit 20 in der richtigen Größenordnung.

amPuls: Anhänger der jetzigen Regel, also einem BMI von 20,0 mit Sprungkleidung und Schuhen, halten dagegen, dass eine Heraufsetzung der Grenze Sportler, die von Natur aus dünn sind, benachteiligen würde. Geht es also nicht ohne Benachteiligung?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Wie gesagt, gibt es unterschiedliche Typen, beziehungsweise Phänotypen. Eine völlig faire Regelung wird man kaum finden.

amPuls: Wie viel Kalorien sollte ein Sportler wie Martin Schmitt täglich zu sich nehmen?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Das kann man nicht generell sagen. Zum Grundumsatz von etwa 1.500 Kilokalorien müssen so viele Kilokalorien dazukommen, dass das Gewicht stabil bleibt. Das hängt unter anderem auch davon ab, wie viel täglich trainiert wird.

amPuls: In welchen anderen Sportarten spielt das Gewicht noch eine so große Rolle wie beim Skispringen?

Prof. Dr. H.-H. Dickhuth: Generell betrifft das Problem hauptsächlich Frauen, insbesondere in Ausdauersportarten wie Laufen und Radfahren, aus ästhetischen Gründen auch bei der rhythmischen Sportgymnastik oder Turnen und unter beruflichen Aspekten natürlich Tänzer und Tänzerinnen und Models. Gerade bei der letzten Berufsgruppe gibt es ja auch sehr intensive Diskussionen.

amPuls: Vielen Dank!

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