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Sonnenbankverbot für alle unter 18?
(6.2.2009) Vier Millionen deutsche Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren besuchen regelmäßig Sonnenstudios. Das erhöhte Hautkrebsrisiko scheint sie nicht zu beunruhigen.
Von Elisabeth Jahn
„Ich gehe zwei bis dreimal in der Woche ins Solarium“, sagt die 21-jährige Anna. Seit ihrem 16. Lebensjahr setzt sich die junge Freiburgerin regelmäßig künstlichen UV-Strahlen aus. Das erhöhte Hautkrebsrisikoscheint sie nicht zu beunruhigen. „Rauchen ist auch schädlich und ich tue es trotzdem“, erklärt sie.
Doch Anna ist nicht die Einzige, die für Wohlbefinden und Bräune ein hohes Risiko in Kauf nimmt. Vier Millionen deutsche Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren besuchen regelmäßig Sonnenstudios. Das geht aus einer aktuellen Studie des Mannheimer Instituts für Public Health hervor. Dabei sind die Konsequenzen bei junger Haut besonders fatal: „Wie epidemiologische Erhebungen belegen, hat die Sonnenexposition in der frühen Kindheit und Jugend Auswirkungen auf die Haut, die sich erst im späteren Leben zeigen“, warnt Dorothee Nashan, Professorin und Leitende Oberärztin der Universitäts-Hautklinik Freiburg.
Mittlerweile wisse man, dass sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen die Haut verändern und dadurch Krebs induzieren. Das Risiko steige daher mit jeder zusätzlichen UV-Belastung. „Selbst hier in unserer Klinik haben wir zunehmend junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, die mit einem Melanom, also einer Form von sogenanntem schwarzen Hautkrebs, zu uns kommen“, sagt die Freiburger Dermatologin. Ein gesetzliches Solariumverbot für Jugendliche halte sie daher für sehr sinnvoll. Um Jugendliche besser vor Hautkrebs zu schützen, hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im August 2008 einen solchen Gesetzesentwurf als Teil des Umweltgesetzbuches in den Bundestag eingebracht. Er erhält neben einem Solarium-Verbot für Jugendliche auch verbindliche Qualitätskriterien für Solarien, wie neu geregelte UV-Grenzwerte, Hygienestandards sowie geschultes Personal.
Im Freiburger Sonnenstudio „Topsun“ ist Minderjährigen der Zutritt bereits jetzt untersagt. Eigentümerin Manuela Jehle-Bender kennt die besonderen Risiken und würde ein entsprechendes Gesetz daher begrüßen: „Ich denke, dass sich Jugendliche im Alter von 16 oder 17 keine Gedanken darüber machen, ob die Haut in Mitleidenschaft gezogen wird oder nicht. Sie haben einfach noch nicht das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit UV-Strahlen. Die jugendliche Haut ist nicht nur empfindlicher, die Jugendlichen halten sich auch nicht an Empfehlungen, wie zum Beispiel eine schwächere Bank zu benutzen, eine Schutzbrille zu tragen oder Besonnungszeiten einzuhalten.“
Dass andere Studios mitunter keinen Wert darauf legten, schade nur der Branche insgesamt. In ihrem Sonnenstudio werde vor allem auf einen Hauttyp-Test bei Neukunden geachtet. „Beim extrem empfindlichen Hauttyp I raten wir sogar von der Besonnung ab, da hier eine Bräune nur über Sonnenbrand aufgebaut werden könnte“, sagt Manuela Jehle-Bender. Auch bei verbesserten Schutzkriterien raten weltweite Gesundheitsorganisationen generell von der Nutzung von Solarien zu kosmetischen Zwecken ab. Um das Hautkrebsrisiko zu vermeiden, warnen sie im Übrigen auch vor übertriebender natürlicher UV-Strahlung. Bleibt nur zu hoffen, dass der Gesetzesvorschlag zumindest die Debatte in Deutschland und somit das Risikobewusstsein der Menschen beeinflusst. Denn seit das Umweltgesetzbuch für gescheitert erklärt wurde, ist auch die Umsetzung ein Sonnenbankverbots für Minderjährige vorerst in weite Ferne gerückt.














