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"Die Dosis macht das Gift"

(07.07.2011) Professor Dr. Christoph Schempp, Leiter des Skintegral-Zentrum an der Universitäts-Hautklinik in Freiburg, gibt Tipps zum richtigen Verhalten bei hoher UV-Strahlung.

Braun sein ist immer noch ein Schönheits-Ideal. Sollten wir nicht besser wieder zur vornehmen Blässe zurückkehren? Wer ist überhaupt am meisten durch Sonneneinstrahlung gefährdet?

Prof Dr. Christoph Schempp: Auch für die Sonnenbestrahlung gilt: Die Dosis macht das Gift. Auf der einen Seite sind Sonnenbrände eine Ursache für den Hautkrebs. Auf der anderen Seite ist vornehme Blässe ein Risikofaktor für Vitamin-D-Mangel. Aber nicht nur die Dosis und Intensität der Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle, sondern auch die körpereigene Verträglichkeit von UV-Strahlen. So sind hellhäutige, rothaarige und blauäugige Personen, die nicht pigmentieren, besonders gefährdet (sogenannter keltischer Typ). Hellhäutige Menschen in Australien sind besonders gefährdet, da sich über Australien das Ozonloch bemerkbar macht. Ozon filtert die kurzwellige, besonders schädliche UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht. Außerdem sind Kinder besonders gefährdet, da sie eine dünnere Haut haben, die mehr UV-Strahlen durchlässt.

Welche Vorsorge sollten die Sonnenhungrigen treffen, um sich optimal vor einem Sonnenbrand zu schützen?

Schempp:
Die beste Schutzmaßnahme gegen eine Überdosis von Sonnenstrahlen ist der vernünftige Umgang mit der Sonne. Das heißt: Vermeiden einer übermäßigen Sonnenexposition am Stück, Meiden der direkten Sonnenbestrahlung im Sommer und Hochsommer, vor allem in der Mittagszeit zwischen 11.00 und 14.00 Uhr, Eincremen der gesamten sonnenexponierten Haut mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Tragen UV-dichter Kleidung (es wird zunehmend ein Lichtschutzfaktor von Textilien ausgewiesen), Ernährung mit einem hohen Maß an Antioxidantien (Obst, Gemüse). Die Einnahme von Beta Karotin Tabletten alleine ist umstritten. Sinnvoller ist eine ausgewogene Ernährung.

Wie lange hält der Schutz durch eine Sonnencreme? Sollte man sich nach dem Baden gleich wieder eincremen?

Schempp:
Ein Lichtschutzfaktor von 50 bedeutet, dass man 50 Mal länger in der Sonne bleiben kann, bis eine Hautrötung auftritt. Allerdings werden die ausgewiesenen Schutzfaktoren in der Praxis nie erreicht, da die Creme nicht früh genug, nicht in genügender Menge und nicht an allen Körperstellen aufgetragen wird. Außerdem kommt Abrieb durch Schwitzen und Baden hinzu. Man sollte deshalb Sonnenschutzmittel wiederholt auftragen und sich zum Beispiel nach dem Baden erneut eincremen. Generell empfehlen wir, möglichst hohe Lichtschutzfaktoren von 30 und mehr zu verwenden.

Wenn die Haut doch zuviel Sonne abbekommen hat, nützen dann die vielfach angepriesenen kühlenden Lotionen überhaupt noch – oder was empfehlen Sie nach einem intensiven Sonnenbad?

Schempp:
Ist eine intensive Sonneneinstrahlung unumgänglich, kann durch die oben genannten Maßnahmen und kühlende After Sun Lotionen einem Sonnenbrand vorgebeugt werden. After Sun Lotionen kühlen und können durch die enthaltenen Antioxidantien UV-Schäden in der Haut reduzieren. Sollte es dennoch einmal zu einem Sonnenbrand kommen, müssen entzündungshemmende Medikamente wie Aspirin oder Cortison angewendet werden. Wenn ausgeprägte Beschwerden, zum Beispiel Fieber und Schmerzen auftreten, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.