(8.11.2010) Gespräche zwischen Arzt und Patient laufen nicht immer optimal. Zu häufig reden beide an einander vorbei. Doch wie sieht ein gutes Gespräch aus? Am Uniklinikum Freiburg können Ärzte das lernen.
(bw) „Setzen Sie sich, leider muss ich Ihnen sagen, dass…“. Ärztinnen und Ärzte führen im Laufe ihres Berufslebens über 100.000 Gespräche mit Patienten. Nicht selten stellen diese Gespräche eine besondere Herausforderung dar. Oft müssen sehr schwierige, emotional belastende Inhalte thematisiert werden. Gleichzeitig haben die Patientinnen und Patienten hohe Erwartungen an den Arzt. Sie wünschen sich, gut informiert und emotional unterstützt zu werden. Erwartungen, die leider nicht immer erfüllt werden.„Häufig haben Arzt und Patient eine andere Wahrnehmung und eine andere Sprache“, beschreibt Alexander Wünsch, Diplom-Psychologe der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, das Problem. „Da kann es schon vorkommen, dass beide an einander vorbei sprechen.“
Wie sieht ein optimales Patientengespräch aus?
„Gerade auf schwierige Gespräche sollte man sich als Arzt vorbereiten“, meint Tanja Gölz, Diplom-Psychologin der Inneren Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. „Muss dem Patienten eine schlechte Nachricht überbracht werden, sollte der Termin beispielsweise nicht abends stattfinden.“ Während des Gesprächs ist es hilfreich, wenn eine gewisse Umgebungsruhe herrscht. Unterbrechungen durch das Telefon oder Ähnliches gilt es zu vermeiden. Der Arzt sollte zudem das Gespräch strukturiert führen, Blickkontakt mit seinem Patienten halten, und die Informationen verständlich vermitteln. „Ganz wichtig ist es, dem Patienten Pausen zu gönnen“, weiß Tanja Gölz. „Er muss die Möglichkeit haben, das Gesagte zu verarbeiten und Fragen zu stellen.“
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Diplom-Psychologin Tanja Gölz Diplom-Psychologie Alexander Wünsch
Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Innere & Medizin I |
Die meisten Patienten wollen umfangreich informiert werden, trauen sich aber oft nicht nachzufragen oder den Arzt zu unterbrechen. Daher muss der Arzt immer noch einmal klären, ob Fragen offen sind und auch anbieten, die möglicherweise erst später auftretenden Unklarheiten bei einem weiteren Termin zu klären. Patienten können sich nach belastenden Nachrichten völlig unterschiedlich verhalten. „Die einen reagieren mit emotionaler Taubheit, die anderen mit einem Schock, der sogar zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen kann“, so der Psychoonkologe Wünsch. Auch hierauf muss der Arzt vorbereitet sein. „Es hilft, wenn der Arzt in diesem Moment Empathie zeigt“, rät Wünsch.
Kommunikationstraining
Um Ärztinnen und Ärzten mehr Sicherheit in schwierigen Gesprächen mit ihren Patienten zu geben, gibt es am Universitätsklinikum Freiburg ein spezielles Kommunikationstraining für Ärzte. Insgesamt wurden bisher 80 Ärztinnen und Ärzte im kommunikativen Umgang mit ihren Patienten geschult. Kernelemente des Trainings sind ein anderthalb tägiger Workshop in Kleingruppen und anschließendes persönliches Coaching im Klinikalltag. Dabei wurden mit Hilfe von Schauspielern reelle Situationen der Teilnehmer nachgespielt und bewertetet. Anschließend wurde der Nutzen des Trainings wissenschaftlich ausgewertet.
„Das Ergebnis war eindeutig“, so Tanja Gölz. „Die meisten Teilnehmer gaben an, dass sie einen hohen persönlichen Nutzen aus dem Training gezogen hätten und auch in den objektiven Daten zeigen sich signifikante Verbesserungen.“ Daher soll das Angebot an die Mediziner auch weiter ausgebaut werden, beispielsweise mit echten Patienten und vermehrtem Einzel-Coaching. „Wir wollen als Brückenbauer für Ärzte da sein, damit sie Gespräche mit ihren Patienten noch besser führen können“, beschreiben Tanja Gölz und Alexander Wünsch das Ziel des Trainings.