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“Superbakterien“ aus Indien
(13.8.2010) Britische Forscher warnen vor neuen, hochresistenten Bakterien die aus Indien nach Europa eingeschleppt wurden. Gegen die neuen Keime sind die gängigen Antibiotika wirkungslos. Wie groß ist die Gefahr?
(bw) Immer mehr Europäer und US-Amerikaner reisen nach Indien, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. Das ist meist günstiger als in der Heimat und lässt sich gleich noch mit einem Urlaub verbinden. Doch was die Medizintouristen manchmal mit in ihre Heimatländer bringen, kann ungeahnte Folgen haben. Denn auf dem indischen Subkontinent hat sich eine besonders gefährliche Antibiotikaresistenz ausgebreitet.
Laut einer Studie des renommierten Fachmagazins „Lancet“ sind die resistenz-beladenen Erreger mit unfreiwilliger Hilfe von Medizintouristen auch nach Europa gelangt. „Im Ausland können sich Patienten in einer Klinik mit Krankheitserregern infizieren oder zunächst nur besiedelt werden, gegen die auch in ihren Heimatländern keine Antibiotika helfen“, so Professor Dr. Markus Dettenkofer, Leiter der Sektion Krankenhaushygiene des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg.
Es handelt sich um klassische Darmbakterien, sogenannte Gram-negative „Enterobakterien“, die ein Gen für ein besonderes Enzym, die sogenannte New-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase (NDM-1) tragen. „NDM-1 kann in verschiedenen Bakterien vorkommen, wie beispielsweise Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae, und macht diese Erreger resistent gegen eine der stärksten Antibiotikaklassen, die wir kennen, die Carbapeneme. Diese Antibiotika sind gewöhnlich der Behandlung schwerster, lebensbedrohlicher Infektionen vorbehalten“, sagt Professor Dr. Uwe Frank, klinischer Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene Freiburg, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen befasst.
„Besonders problematisch ist die Übertragbarkeit des NDM-1 Resistenzgens von einem Bakterienstamm auf andere, nicht verwandte, aber bereits multi-resistente Bakterienstämme. Diese multi-resistenten „Superkeime“ erlangen dadurch die Fähigkeit, lebensgefährliche Infektionen hervorzurufen, die wir kaum noch wirksam behandeln können.“ Jetzt schon in Europa und auch in den USA nachgewiesen, könnten diese „Superkeime“ zu einem weltweiten Gesundheitsproblem führen, warnen die Forscher von der Universität Cardiff im „Lancet“. In Indien, wo Antibiotika weithin ohne ärztliches Rezept eingesetzt werden, scheinen die multi-resistenten “Superbakterien“ weit verbreitet zu sein. So wurden in verschiedenen Gebieten Indiens und Pakistans insgesamt 143 hochresistente Bakterienstämme mit NDM-1 gefunden. In Großbritannien konnten NDM-1 tragende Infektionserreger bei 37 Menschen identifiziert werden, die nach Operationen aus Indien und Pakistan zurückgekehrt waren.
„Die große Gefahr ist“, so Professor Dettenkofer, „dass solche hochresistenten Erreger unbemerkt in Krankenhäuser eingeschleppt und dort auf schwer kranke Menschen übertragen werden. Hier müssen Infektiologen und Krankenhaushygeniker wachsam sein, genauso wie sie es bei anderen Antibiotikaresistenzen sind. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Keime auch in Deutschland häufiger nachgewiesen werden. Schützen kann man sich durch gute Standardhygienemaßnahmen: „Gründliches Händewaschen zuhause und die Händedesinfektion mit alkoholischen Präparaten bei medizinischen Maßnahmen sind die wirksamsten Mittel gegen die Übertragung von Krankheitserregern“, erklärt Krankenhaushygeniker Dettenkofer.














