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Weißer Hautkrebs nimmt zu - Unterschätzte Gefahr
(26.08.2011) Betroffen sind vor allem Männer über 60 Jahre – durch verändertes Freizeitverhalten sind immer mehr jüngere Leute gefährdet.
Aktinische Keratose am Ohr. Diese Stelle
wird beim Eincremen oft vergessen.
Foto: Universitätsklinikum Freiburg
Es ist keine Frage von Tagen oder Wochen,
sondern von Jahren. Der weiße Hautkrebs ist
eine besonders heimtückische Erscheinungsform
von Krebs, denn er ist im Unterschied
zum schwarzen Hautkrebs im Anfangsstadium
kaum zu erkennen. Meist fühlt er sich an
wie eine schorfige Erhebung auf der Haut, ist
aber nicht immer gut zu tasten und kann den
Altersflecken, einer abheilenden Wunde oder
der Schuppenflechte zum Verwechseln ähneln.
Zudem kann auch der weiße Hautkrebs
pigmentiert sein wie folgender Fall zeigt:
Bei Birgit B. tippte die behandelnde niedergelassene
Hautärztin fälschlicherweise zunächst
auf ein unauffälliges Muttermal und
schickte sie ohne Behandlung wieder fort.
Doch die Patientin blieb skeptisch, denn das
picklige Mal entzündete sich immer wieder.
Nach anderthalb Jahren, als sie sich den störenden
Fleck an der Oberlippe weglasern lassen
wollte, bekommt sie die überraschende
Diagnose: eine Form des weißen Hautkrebses,
ein Basalkarzinom.
Der Zeitverlust war sehr nachteilig für sie,
denn in der Zwischenzeit hat der Krebs zwar
nicht im Körper gestreut, sich aber weiter unterirdisch
durch ihr Wangengewebe gefressen.
Zunächst wurden die befallenen Partien
in der Klinik mit „Feinschnittmikroskopie“
entfernt und untersucht. In einer zweiten
Operation folgte die operative Rekonstruktion
der Wange und die Ärzte verordneten ihrer
Patientin eine einwöchige Sprechpause. Nach
dieser „Schönheitsoperation“ im Gesicht und
mit guter Narbenpflege verlief die Heilung
komplikationslos. Drei Wochen später durfte
Birgit B. wieder arbeiten.
Kontakt
Universitäts-Hautklinik |
Allerdings ist die 46-Jährige nicht unbedingt
der klassische Fall. Betroffen von weißem
Hautkrebs sind vor allem ältere Männer
ab 60 Jahren. Sie sind öfter gefährdet, weil
sie ihre Haut oft beruflich bedingt mehr der
Sonne aussetzen als Frauen und den Sonnenschutz
weniger für nötig halten. Inzwischen
sind aber immer mehr jüngere Menschen aufgrund
veränderten Freizeitverhaltens betroffen.
Sie alle haben irgendwann in ihrem Leben
zu viel Sonne abbekommen. Diese
Formen des hellen Hautkrebses (aktinische
Keratose, Basaliome, Spinaliome) entstehen
vor allem an Stellen, die stark der Sonneneinstrahlung
ausgesetzt sind. Das sind besonders
die „lichten“ Stellen beim Mann, die Kopfhaut
und insbesondere die Glatze, ansonsten
Hände, Ohren und Nase.
In Professor Dorothée Nashans Büro in der
Hautklinik des Freiburger Universitätsklinikums
stehen dicht an dicht Ordner in einem
Regal. Sie sind voll mit Unterlagen zum weißen
Hautkrebs. Die Leitende Oberärztin kennt das Thema in- und auswendig. Bei den
Spezialisten an der Uniklinik suchen besonders
diejenigen Patientinnen und Patienten
Rat, die bereits eine komplizierte Vorgeschichte
haben und denen woanders nicht
mehr geholfen werden kann.
Zwei Quadratmeter Haut umfassen einen
Menschen, der 90 Kilo auf die Waage bringt.
Bei so viel Fläche müssen die Ärzte beim sogenannten
Body-Mapping deshalb ganz genau
hingucken. Dorothée Nashan macht das
mit Lupe, Fingerspitzengefühl und scharfen
Augen. So erkennt sie die befallenen Stellen
am besten. „Es gibt noch immer kein Bewusstsein
dafür, wie nachteilig sich Sonne
auf lange Sicht auf die Haut auswirkt“, sagt
die Hautärztin. Ihr begegnen immer wieder
Menschen, die stolz auf ihre vorgeblich „gesunde“
Bräune sind. Sie setzen sich dafür bewusst
der gefährlichen UV-Strahlung aus und
nehmen sogar Sonnenbrände billigend in
Kauf. Die Fachärztin kann da nur immer wieder
dazu raten, exzessive Sonneneinstrahlung
sowie den Besuch von Solarien unbedingt zu
meiden (siehe Tipps). Die Haut vergisst keine
chronischen Sünden. Menschen mit von
Sonne vorgeschädigter Haut erkranken deutlich
häufiger an weißem Hautkrebs als andere.
20 Prozent der 60-Jährigen in Europa sind
von den frühen Formen des weißen Hautkrebses
(aktinische Keratose) betroffen. In
Australien, wo die UV-Strahlung um ein vielfaches
höher ist, sind es sogar 60 Prozent bei
den über 40-Jährigen.
Daneben ist der Basalzellkrebs, auch Basaliom
genannt, besonders bekannt. Er frisst
sich durch die Haut und die Knochen. Allerdings
nicht schnell, sondern über Jahre hinweg.
Wird er nicht bemerkt, zerstört er die
befallenen Partien einschließlich Knorpel
und Knochen vollständig. Ein Basaliom kann
zwar überall am Körper entstehen, doch bevorzugt
es Körperstellen, die wie oben genannt
besonders intensiv und damit kumulativ
der UV-Strahlung ausgesetzt sind. Da der
Basalzellkrebs Jahre braucht, bis er sich entwickelt,
sind auch hier alte Menschen vorrangig
betroffen. Kennzeichen sind ein perlschnurartiger
Rand, perlmuttartiger Glanz
und kleine Gefäßerweiterungen. Wird ein
Basalzellkrebs im frühen Stadium entdeckt,
kann er gut entfernt werden und heilt in der
Regel vollständig aus.
Eine andere Form des weißen Hautkrebses
ist der Stachelzellkrebs (Spinaliom). Er kann
unbehandelt ebenfalls lokal alle Gewebe zerstören
und im fortgeschrittenen Stadium
Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Im
metastasierten Zustand ist er nur schwer behandelbar.
Auch hier erkranken Menschen
um die 70 Jahre am häufigsten. Und auch
hier nehmen die Fälle mit jüngeren Menschen
durch die Sonnenschädigung der Haut
zu. Der Vorläufer des Stachelzellkrebses ist
die aktinische Keratose. Sie lässt sich sehr
gut mit speziellen Salben, welche in Abhängigkeit
von der Klinik zu wählen sind, wie
auch destruktiven Lichtverfahren behandeln.
Das „Skintegral-Zentrum“ unter der Leitung
von Professor Christoph Schempp an der
Freiburger Universitäts-Hautklinik befasst
sich mit der Entwicklung phyto-therapeutischer
Präparate, welche gegen besonders
frühe Formen der Sonnenschädigung der
Haut aktiv sind.











