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“Jeden Morgen eine neue Welt“
(13.04.2011) Die Versorgung mit Cochlea-Implantaten eröffnet tauben Kindern gänzlich neue Perspektiven. Die heute 20 Jahre alte Studentin Katja Steppke führt ein fast „normales“ Leben und will später in die Entwicklungszusammenarbeit. Für ihr soziales Engagement und ihre akademischen Leistungen wurde sie jetzt mit dem renommierten Cochlear Graeme Clark Stipendium ausgezeichnet, das Trägerinnen von Cochlea-Implantaten würdigt.
Katja Steppke kann heute ein fast "normales"
Leben führen - dank dem Cochlea-Implantat,
das sie im Jahr 1999 erhielt. Foto: privat
Mit nur 13 Monaten erkrankte die heute 20-jährige Katja Steppke an einer bakteriellen Meningitis, durch die sie fast taub wurde. Mit neun Jahren verschlechterte sich die Schwerhörigkeit so sehr, dass sie sich für eine Cochlea-Implantation (CI) am Universitätsklinikum Freiburg entschied. Schon kurze Zeit nach der Erstanpassung 1999 war sie über die neuen Hörerfahrungen überglücklich. „Mama, warum habe ich das nicht schon früher bekommen?, war meine erste Frage, nachdem ich zum ersten Mal Geräusche wie ein Flugzeug oder Vogelzwitschern wahrgenommen hatte. Jeden Morgen eröffnete sich die Welt für mich auf ein Neues“, so Katja Steppke über die erste Zeit mit dem Implantat.
Die Reha dauerte nur eineinhalb Jahre, so dass sie den Anschluss im Gymnasium nicht verpasste und schließlich das Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,2 absolvierte. „Durch das sehr gute Hören mit meinem Cochlea-Implantat konnte ich das Abitur ohne Probleme an einer Regelschule ablegen. Heute bin ich glücklich und dankbar, dass ich durch lautsprachliche Förderung und mein CI in nahezu vollem Umfang am normalen Leben teilnehmen kann.“
Während der Schulzeit gab Katja Steppke Nachhilfeunterricht, war Schulsprecherin sowie Jugendgruppenleiterin und verbrachte diverse Aufenthalte in Kalifornien, Neuseeland und Südafrika. „Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement Frau Steppke in der hörenden Gemeinschaft ein praktisch normales Leben führt mit allen Aktivitäten einer jungen Erwachsenen“, erklärt Professor Roland Laszig, Geschäfts-
führender Direktor der Klinik für Hals,- Nasen-, und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.
„Mit Frau Steppke kann wieder ein Nachweis angetreten werden, dass die Versorgung mit Cochlea-Implantaten für taube Kinder gänzlich neue Perspektiven eröffnet. Sie zeigt, dass mit dem Cochlea-Implantat „taube Kinder hören lernen" – wie es der Name unserer Fördergesellschaft ausdrückt“, beschreibt Professor Laszig die Erfolge des Implant Centrums Freiburg.
Implant Centrum am Freiburger Universitätsklinikum
Am Implant Centrum des Freiburger Universitätsklinikums werden pro Jahr rund 2.000 Patientinnen und Patienten behandelt und etwa 250 neue Implantate eingesetzt. Kontakt
Prof. Dr. Dr. h. c. Roland Laszig |
Seit dem WS 2010 studiert sie Medizinische Ingenieurswissenschaften. „An der Medizintechnik fasziniert mich, mit welchen technischen Errungen-
schaften man dem Menschen helfen und ihn unterstützen kann. Es ist auch eine gewisse Dankbarkeit dafür, dass ich ein Cochlea-Implantat trage und damit fast ohne Einschränkungen am sozialen Leben teilnehmen kann.“ Für die Zukunft hat sie große Pläne: „Ein Wunsch von mir ist es, nach dem Studium für eine gewisse Zeit in die Entwicklungszusammenarbeit zu gehen und den Menschen in Ländern zu helfen, wo die medizinische Versorgung nach europäischen Standards nicht gewährleistet ist.“
Für ihre akademischen Leistungen, aber auch für ihr soziales Engagement wurde Katja Steppke am 1. April 2011 mit dem Cochlear Graeme Clark Stipendium ausgezeichnet. „Es freut mich außerordentlich, dass ich die diesjährige Preisträgerin des renommierten Cochlear Graeme Clark Stipendiums bin“, erklärt die 20-jährige. „Das Stipendium ist ein Ansporn für Menschen mit Handicap, sich in die Gesellschaft einzubringen und auch ihre eigenen Wege und Träume zu verwirklichen.“ Die Auszeichnung in Höhe von 6.000 Euro wird an Studentinnen und Studenten vergeben, die ein Implant-System tragen und zugleich herausragende akademischen Leistungen und soziales Engagement zeigen. Mit der Auszeichnung von Katja Steppke geht dieses Stipendium zum zweiten Mal an eine gehörlose Patientin des Freiburger Universitätsklinikums.














