(12.10.2010) Eine halbe Million Menschen in Deutschland tragen den Hepatitis-C-Erreger in sich. Nur jeder vierte chronisch Infizierte weiß von seiner Erkrankung. Wie sehen die Symptome aus?
(bw) Friedrich L. war jahrzehntelang beschwerdefrei sportlich aktiv und rundum zufrieden. Bei einer Routineuntersuchung stellte sein Arzt überraschend fest, dass er an einer chronischen Hepatitis- C-Infektion leidet. Es stellte sich heraus, dass Friedrich L. sich schon im Kindesalter durch eine Bluttransfusion mit dem Virus infiziert haben muss. Friedrich L. gehört damit zu den circa 500.000 Menschen in Deutschland, die den Hepatitis-C-Erreger in sich tragen. Nur jeder vierte chronisch Infizierte weiß von seiner Erkrankung. Weltweit sind etwa 200 Millionen Menschen betroffen. Damit gehört Hepatitis C zu einer der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Das tückische an der Krankheit ist, dass die akute Hepatits-C-Infektion ohne die sonst typischen Anzeichen einer Hepatitis verläuft. „Es können zwar grippeartige Symptome, Übelkeit, Druck im Oberbauch und Appetitlosigkeit auftreten, aber die klassischen Merkmale einer Hepatitis wie dunkler Urin, Hellfärbung des Stuhls und Gelbsucht fehlen meist“, erklärt Professor Dr. Robert Thimme, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg und Leiter des Freiburger Leberzentrums. Die Infektion bleibt so oft lange Zeit, wie auch bei Friedrich L., unbemerkt. Bei 50 bis 80 Prozent der Infizierten entwickelt sich eine chronische Hepatitis C, die aber auch meist ohne deutliche Beschwerden verläuft. Hepatitis C ist deshalb oft ein Zufallsbefund. Auch wenn zunächst keine oder nur leichte Beschwerden auftreten, kann es zu einer Schädigung der Leber kommen. Die Leber, die durch die Infektion entzündet ist, kann soweit geschädigt werden, dass eine Leberzirrhose entsteht, die sich zu einem Leberkarzinom weiterentwickeln kann. „Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, möglichst früh mit einer geeigneten Therapie zu beginnen“, rät Thimme.
Nicht jeder Patient braucht eine Therapie
Es muss aber nicht jeder Patient zwangsläufig einer Therapie zugeführt werden, sondern nur solche, bei denen sich deutliche Zeichen einer Leberentzündung zeigen. Die Basis der Behandlung ist das Gewebshormon Interferon alpha. In den letzten Jahren haben sich durch verbesserte Interferone und das Virostatikum Ribavirin die Erfolgsraten der Behandlung deutlich gebessert und werden sich durch die Zulassung neuer Substanzen wie Telaprevir und Boceprevir 2011/2012 weiter verbessern. Neben den Chancen bringt die Interferontherapie aber leider auch erhebliche Nebenwirkungen mit sich, wie grippeähnliche Symptome oder depressive Verstimmungen, die aber nur bei wenigen Patienten einen Abbruch der Therapie notwendig machen.
Forschung für bessere Therapien
Um wirksamere und verträglichere Therapien entwickeln zu können, wird am Universitätsklinikum Freiburg die Hepatitis-C-Infektion umfassend erforscht. Im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler steht hierbei die Erforschung der Mechanismen der Virusabtötung und des chronischen Verlaufs der Erkrankung. Die körpereigene Antwort des Immunsystems auf das Virus, insbesondere die virusspezifische T-Zell-Antwort, spielt eine entscheidende Rolle im natürlichen Verlauf der Hepatitis- C-Infektion. Patienten, die das Virus eliminieren, weisen starke T-Zell-Antworten auf. Im Gegensatz dazu haben Patienten mit einer chronischen Infektion nur schwache Immunantworten. „Die Mechanismen, die zum Versagen der T-Zell-Antwort führen und somit dazu beitragen, dass die Infektion chronisch wird, sind bisher kaum bekannt“, so Professor Dr. Hubert E. Blum, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg. Hauptgrund hierfür war lange Zeit das Fehlen eines geeigneten Zellkulturmodells, das die Vermehrung infektiöser Hepatitis-C-Viren im Labor erlaubte. Durch die Entwicklung eines solchen Systems ist es nun möglich, wesentliche Aspekte der Interaktion zwischen Immunzelle und infizierter Leberzelle systematisch zu untersuchen. „Die Untersuchungen bei uns sollen unter anderem aufklären, über welche Mechanismen die T-Zellen das Virus bekämpfen und wie es dem Virus gelingt, der Immunabwehr zu entkommen“, erklärt Professor Thimme.
Ein weiter Weg bis zu einem Impfstoff
InfokastenIm Universitätsklinikum gibt es ein interdisziplinäres Leberzentrum. Weiter Informationen finden Sie hier... |
Diese Arbeiten sind Grundvoraussetzung für die Entwicklung von prophylaktischen und therapeutischen Immunstrategien, die zum Ziel haben, die körpereigene Antwort des Immunsystems zu stärken und so das Virus zu töten. Erste Hoffnungen auf einen möglichen Impfstoff haben Versuche mit gentherapeutisch veränderten T-Zellen an Schimpansen aufkommen lassen. „Es scheint, als reiche zumindest bei Schimpansen die gentherapeutisch erzeugte T-Zell-Immunität aus, um zu verhindern, dass sich Hepatitis-C-Viren im Körper ausbreiten“, berichtet Professor Blum. „Aber auch wenn diese Erkenntnisse sehr positiv sind, ist es noch ein weiter Weg bis zu einem Impfstoff für Menschen.