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Kids im Vollrausch
(3.2.2009) Auf den Akut- und Intensivstationen ist zur Fasnacht, Glühwein- und Weinfestzeit Hochbetrieb. Die alkoholisierten Patienten wissen oft nicht mehr, wo sie sind, und was um sie herum geschieht. Sie werden vom Notarzt oder der Polizei gebracht. Sie sind allesamt noch keine achtzehn. Die Kids im Vollrausch geraten in gefährliche Situationen und es muss rechtzeitig und nachhaltig gehandelt werden.
(re) Die Lebensumstände Jugendlicher und von Kindern haben sich in den letzten 20 Jahren erheblich verändert. Die Verdichtung der Aufgaben, die ein junger Mensch in seiner Entwicklung zu erfüllen hat, ist enorm. Nicht nur in Schule und Ausbildung auch in der Freizeit geht vieles schnell und im Akkord voran. „Gleichzeitig sind die vorgelebten Konsumgewohnheiten der Erwachsenen in Kombination mit der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von Alkohol jedweder Konzentration für Kinder und Jugendliche in großes Problem“, beschreibt Dr. Helmut Fischer, Oberarzt in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, die Situation.
Komasaufen
Begriffe wie Bingedrinking und Komasaufen sind für Eltern der Inbegriff eines Horrorszenarios. Es wird immer früher schneller mehr hochprozentiges getrunken. Einmalige Ausrutscher nach Feiern oder Diskobesuchen sind jedoch erst einmal kein Grund zur Panik. „Man muss das normale Explorationsverhalten von schädlichem Konsum unterscheiden. Nicht jeder Jugendliche der einmal zu viel getrunken hat ist ein potentieller Kandidat für eine Therapie“, erklärt Dr. Fischer. Das Explorationsverhalten ist ganz schlicht das, was nahezu jeder Jugendliche einmal tut: Ausprobieren wie Alkohol schmeckt und wirkt. Dass die Grenze zum Ausprobieren zunehmend häufiger überschritten wird, erleben Oberarzt Dr. Marcus Krüger und sein Team regelmäßig. Sie versorgen jedes Wochenende alkoholisierte Minderjährige - auch auf der Intensivstation.
Ein paar Schlucke zuviel können tödlich sein
KontaktDr. Helmut Fischer PD Dr. Marcus Krüger
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Neben den sozialen und psychischen Folgen und Problemen sind die körperlichen Auswirkungen des schädlichen Konsums erheblich. Denn der junge Körper verkraftet den Alkohol wesentlich schlechter, als der eines Erwachsenen. „Die Stoffwechselleistung reicht einfach nicht aus, um den Alkohol so schnell abzubauen, wie das bei einem Erwachsenen geschieht“, erklärt Dr. Krüger. Die Langzeitfolgen regelmäßigen Alkoholkonsum in Kinder- und Jugendjahren können daher fatal sein. Gehirn, Leber, und Lunge können nachhaltige Schäden davon tragen. Werden die Jugendlichen im Vollrausch medizinisch betreut, kann das Schlimmste verhindert werden. Es reichen jedoch schon ein paar Schlucke zuviel aus, um den Alptraum wahr werden zu lassen: Alkohol verstärkt die Auskühlung des Körpers oder kann zu Erbrechen führen. Verhindert der Rausch, dass dies wahrgenommen wird, kann das tödlich enden.
Eltern und Therapeuten müssen an einem Strang ziehen
Das geschulte Personal der Kinderklinik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie hat ein Auge dafür, ob es sich um einen Problemfall handelt oder nicht. Ist zu befürchten, dass der Patient nicht nur einen über den Durst getrunken hat, werden sofort Maßnahmen ergriffen. Eine fundierte Diagnostik ist die entscheidende Grundlage für eine weitere Beratung und Behandlung. Die Eltern werden darin miteinbezogen und gemeinsam mit ihnen kann eine weitere Behandlung stattfinden. Gegebenenfalls können auch das Jugendamt und die Schule in einer sogenannten Helferrunde nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz mitwirken. Schulische und familiäre Probleme und Überforderungen müssen schnellstmöglich geklärt werden, wenn ein junger Mensch seine Situation nur durch Alkohol oder Drogen ertragen kann. Für den Patienten müssen beschreitbare Wege geschaffen und familiäre und schulische Perspektiven eröffnet werden, um ihn vor einem Absturz zu bewahren. Dazu müssen sich insbesondere die Eltern ihrer Vorbildfunktion bewusst werden. Nur wenn Eltern und Therapeuten an einem Strang ziehen, kann die Hilfe dauerhaft funktionieren.














