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Der Tod aus der Flasche
(28.4.2009) Drei Lübecker Schüler starben, nachdem sie auf einer Klassenreise in der Türkei giftigen Alkohol getrunken hatten. Weitere Todesopfer folgten. Warum ist gepantschter Alkohol so gefährlich?
(re) Um zu verstehen, warum gepantschter Alkohol nicht nur unangenehme Nebenwirkungen hat, sondern tatsächlich tödlich sein kann, muss die Frage gestellt werden: Was geschieht im Körper mit dem gepantschten Alkohol? In gewöhnlichem Alkohol ist Ethanol enthalten. Gepanschter Alkohol enthält jedoch das giftige Methanol. Wird Methanol bei alkoholischen Getränken zum Strecken verwendet spricht man von gepantschtem Alkohol.
Angriff auf den ganzen Körper
Einmal im Körper, wird das Methanol durch den Stoffwechsel zu Formaldehyd und Ameisensäure verarbeitet. Beide Substanzen werden von der Niere nur sehr schlecht ausgeschieden. Die entstandene Ameisensäure führt zu einer Störung des Säure-Basen-Haushaltes. Dadurch sinkt der pH-Wert im Blut. Es übersäuert. Das entstandene Formaldehyd wirkt direkt toxisch.
„Es schädigt viele Organe, wie beispielsweise die Leber, das Herz und die Nieren aber auch die Sehnerven und das Nervensystem“, erklärt Professor Dr. Robert Thimme, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Innere Medizin II. Er kennt als Gastroenterologe die Gefahren genau: „Unbehandelt führt eine Methanolvergiftung meistens zum Tod. Und die Wirkungsweise ist sehr tückisch, da die ersten Symptome einem gewöhnlichen Rausch ähneln.“ Die Betroffenen bemerken also nicht, dass sie gepanschten Alkohol getrunken haben. Sie werden müde. Später kommen Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen hinzu. „Da alle diese Beschwerden relativ unspezifisch sind, ist die Diagnose einer Vergiftung durch gepanschten Alkohol für Außenstehende kaum möglich“, erklärt Professor Thimme.
Lebensrettende Entscheidung
Besteht der Verdacht, dass gepantschter Alkohol getrunken wurde, sollte der erste Weg direkt zum Arzt führen. „Dieser kann als einziger durch eine Blutabnahme die sichere und lebensrettende Diagnose stellen. Der direkte Gang zum Arzt sollte auch im Urlaub gemacht werden“, rät Professor Thimme. Eine Methanolvergiftung wird mit dem, in herkömmlichen Alkohol enthaltenen, Ethanol behandelt.
Das Ethanol verhindert, dass das Methanol weiter im Körper in die giftigen Substanzen Formaldehyd und Ameisensäure umgewandelt wird. Der Schlüssel dazu ist ein Enzym namens Alkoholdehydrogenase. Es baut sowohl Ethanol als auch Methanol im Körper ab. Die Vorliebe des Enzyms gilt jedoch eindeutig dem Ethanol, so dass es das Methanol erstmal links liegen lässt. Damit ist der zerstörerische Prozess gestoppt. Alternativ kann dafür auch ein Medikament mit dem Wirkstoff Fomepizol als Gegengift verabreicht werden.














