spac
spacmenufooter
spacer
spacer
spacer
spac

Alzheimer – Der Abschied vom Ich

Es begann schleichend. Zuerst wollte Sieglinde L. Hundefutter für ihren längst verstorbenen Hund kaufen. Dann konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, ihre Bekannte eingeladen zu haben und war erstaunt, als diese am Wochenende vor ihrer Tür stand. Und schließlich fing Sieglinde L. an ständig ihre eigenen Aussagen zu wiederholen. Als die Ärzte bei ihr Alzheimer diagnostizierten war dies für sie und ihre Familie ein Schock

(bw) „Die Diagnose Alzheimer ruft bei den meisten Betroffenen sofort starke Ängste hervor“, weiß Professor Dr. Michael Hüll, Leiter des Zentrums für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF). An einer Demenz leiden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz. Der Grund: Das Risiko nimmt mit dem Alter zu. Weil der Anteil älterer Menschen immer größer wird, ist mit einer Verdoppelung innerhalb der nächsten 20 Jahre bei Demenzkranken zu rechnen.

Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist die Alzheimer-Demenz. Rund 70 Prozent aller Demenzen werden durch eine Alzheimer-Demenz hervorgerufen. „Bei Alzheimer gehen in bestimmten Bereichen des Gehirns durch Ablagerungen von Amyloidproteinen Nervenzellen zugrunde“, so Professor Hüll.

Angehörige geraten an ihre Grenzen

Die Folgen sind Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Verknüpfen von Denkinhalten, Erinnern und Orientierung. Wenn die Krankheit beginnt, sind die Patienten noch bei vollem Bewusstsein und merken, wie sie sich verändern, was oft eine Depression zur Folge hat. Von den Angehörigen wird sehr viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität abverlangt. „Sich um demenzkranke Angehörige zu kümmern ist ein Kraftakt, der viele an ihre Grenzen führt“, weiß Professor Hüll.

„Mit anzusehen, wie ein geliebter Mensch scheinbar seine Persönlichkeit verliert, ist für die Angehörigen ohne professionelle Unterstützung kaum durchzustehen.“ Dabei kann man drei Phasen der Erkrankung unterscheiden: In den ersten drei Jahren nach dem Auftreten der Symptome können die Betroffenen meist noch alleine leben, auch wenn sie beispielsweise keine Geldgeschäfte mehr tätigen können. In der zweiten Phase schaffen es die Alzheimer- Patienten nicht mehr, ihren Alltag selbst zu meistern. Sie ziehen die falsche Kleidung an, können die Fernbedienung des Fernsehers nicht mehr bedienen und besitzen eine diffuse Angst vor der ihnen fremd gewordenen Welt. „In der letzten Phase ist die Erkrankung so weit fortgeschritten, dass die Betroffenen meist auch nicht mehr von ihren Angehörigen betreut werden können. Die Pflegebedürftigkeit ist dann so groß, dass die Patienten in ein Heim müssen“, berichtet Professor Hüll.

Medikamente können die Krankheit nicht aufhalten

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Hüll
Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg

Lehener Straße 88
79106 Freiburg
Tel.: 0761/270-7070 oder -7098 E-Mail: michael.huell@uniklinik-freiburg.de

Die Homepage des ZGGF finden Sie hier...

Das Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg unterstützt auf Nachfrage von Hausärzten auch die Therapie von Patienten in Heimen. Mitarbeiter des ZGGF beraten vor Ort niedergelassene Kollegen und Pflegepersonal im neuropsychiatrischen Bereich. „Wir nehmen unsere Beraterfunktion gerade im Hinblick auf neue Medikamente sehr ernst“, betont Professor Hüll. „Wir besprechen die Medikamentenvergabe und hinterfragen immer wieder die Indikation bestimmter Mittel.“ Bisherige Medikamente können nur die Symptome lindern, wirken jedoch nicht gegen das Fortschreiten der Erkrankung.

Um dies in Zukunft ändern zu können, liegt ein Schwerpunkt des ZGGF in der Durchführung klinischer Studien zur Behandlung von Alzheimer-Patienten. Insbesondere Ansätze zur Impfung gegen Amyloidproteine liegen hierbei im Blickfeld. Diesen April konnte zum ersten Mal gezeigt werden, das die Amyloidablagerungen bei geimpften Menschen tatsächlich mit der Zeit zurückgehen (Lancet Neurol. 2010 Apr;9(4):363-72).

Die Universitätsklinik Freiburg verfügt als eines von wenigen deutschen Zentren über die dabei angewandte Kontrastmittelmethode, bei Patienten im frühen Krankheitsstadium die Amyloidablagerungen sichtbar zu machen. Das Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg gehört auch zu der kleinen Gruppe von universitären Zentren, die sowohl im Rahmen des Kompetenznetzes Demenzen als auchseit Ende 2007 im Kompetenznetz Degenerative Erkrankungen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden.

Ziel ist es, Daten über die Verbreitung, Symptomatik, Diagnostik und Genetik von Demenzerkrankungen und ihren Vorstadien zu sammeln und lokale Netzwerke zu etablieren. „Wichtige Schritte sind dabei die Erfassung und jährliche Nachuntersuchung von Patienten mit Demenzerkrankungen und die Etablierung von Kooperationen mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten“, betont Professor Hüll.

                                                                                                                                zurück...