![]() |
Atem-los
(6.11.2009) Das Wort Asthma stammt aus dem Griechischen und bedeutet Keuchen, was bereits auf ein wesentliches Symptom hinweist: die Atemnot. Sie kommt anfallsartig und bevorzugt in der Nacht vor. Zur Atemnot tragen verschiedene Vorgänge in den Atemwegen der Betroffenen bei.
Zunächst einmal haben Asthmatiker überempfindliche und entzündete Atemwege, die Bronchien; dies führt zu einem Zusammenziehen der Muskulatur und es kommt zu einer Verengung der Atemwege. Die Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet, schwillt an und blockiert die Atemwege. Daher ist insbesondere die Ausatmung problematisch. Dem Betroffen bleibt somit die Luft weg. Allerdings ist dieses Phänomen der Atemwegsverengung bei Asthma vollständig reversibel, das bedeutet, der Patient erholt sich im Normalfall wieder - selbst nach einem schweren Anfall.
Zahl der Asthmatiker steigt
In den letzten Jahrzehnten stieg die Zahl der Asthmatiker weltweit deutlich an. Vor allem bei Kindern nehmen die Zahlen kontinuierlich zu. So leiden Schätzungen zufolge in Deutschland ungefähr drei bis sechs Prozent der Erwachsenen und etwa zehn Prozent der Kinder an Asthma, Tendenz steigend. Laut Statistik ist Asthma sogar die häufigste Ursache, wenn Kinder in der Schule fehlen. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung. Unter älteren Menschen, so vermuten Experten, gibt es sogar noch weitaus mehr Asthmatiker als bislang bekannt. Im höheren Lebensalter werden Asthmasymptome häufig mit Herzbeschwerden oder Symptomen einer anderen chronischen Atemwegserkrankung – der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit – verwechselt und damit nicht ausreichend behandelt.
Asthma kann gut behandelt werden
Im Prinzip kann man Asthma heute sehr gut behandeln. „Voraussetzung ist, dass die Betroffenen sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen und ihren Therapieplan einhalten“, erklärt Prof. Dr. Joachim Müller-Quernheim, Ärztlicher Direktor der Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum. Trotzdem sterben immer noch pro Jahr in Deutschland cirka 6.000 Menschen an Asthma. Der Grund: Die Ratschläge des Arztes wurden nicht beachtet und die verordneten Medikamente nicht oder falsch eingenommen. Dabei ist eine konsequente Therapie bei Asthamerkrankungen besonders wichtig.
Bei langjährigem Bestehen der Erkrankung und nicht ausreichender Behandlung kann eine irreversible Schädigung der Bronchien erfolgen, so dass die Atmung dauerhaft eingeschränkt ist und Asthma-Medikamente nicht mehr helfen. Besonders Patienten mit schwerem Asthma leben mit einem hohen Risiko, stationär behandelt werden zu müssen oder an einem Anfall zu sterben. „Innerhalb dieser Gruppe gibt es eine Minderheit, deren Symptome trotz maximaler Behandlung mit den verfügbaren Therapien nicht ausreichend zu beherrschen sind“, sagt Professor Müller-Quernheim. Besonders für diese Patienten werden neue Behandlungsmöglichkeiten benötigt. Die Abteilung für Pneumologie bietet in ihrer Ambulanz für Patienten mit schwerem allergischem Asthma bronchiale einen besonderen Service an. Es wird geprüft, ob die Patienten von neuen Medikamenten profitieren können. Im positiven Fall werden sie dann auf diese Medikamente eingestellt.
Die Entstehung und Wirkung von asthmatischen Erkrankungen intensiv erforscht. Vor allem interessieren die Wissenschaftler die komplexen Zusammenhänge bei den Entzündungsvorgängen, die beim Asthma auftreten. „Eine Entzündung lässt sich als komplexe Gewebeveränderung verstehen. Zu den Auslösern gehören Staubpartikel, Infektionserreger, aber auch Auslöser von allergischen Reaktionen“, führt Müller-Quernheim aus. „Dem Organismus stehen eigentlich eine Vielzahl von spezifische Mechanismen, Reaktionen des Immunsystems, zur Verfügung, um die Ursache einer Entzündung zu beseitigen – doch bei einer Asthmaerkrankung funktionieren diese Prozesse nicht richtig beziehungsweise das Immunsystem zeigt eine Überreaktion, die dann zu den bekannten asthmatischen Symptomen führt“, erklärt Müller-Quernheim.
Forschung ist wichtig
„Nur wenn wir besser verstehen, warum der Körper die asthmatische Entzündung nicht beseitigt, können wir gezielt neue Medikamente entwickeln.“ Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern versucht Müller-Quernheim deshalb, die Prozesse im Immunsystem zu ergründen, die Asthma auslösen. „Luftverschmutzung und andere unbekannte Faktoren, die mit der heutigen, „verwestlichten" Lebensweise assoziiert werden, spielen vermutlich bei der derzeit zu beobachtenden Zunahme der Asthmafälle eine Rolle“, vermutet Müller-Quernheim.
Einige Faktoren, die das Asthmarisiko erhöhen, sind aber bereits bekannt: Asthma kommt häufiger in Familien vor, in denen es bereits einen Fall gibt. Auch aktives oder passives Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer schnellen und dauerhaften Verschlechterung der Lungenfunktion in Verbindung mit einer asthmatischen Erkrankung. „Eine gesunde Lebensweise, vor allem viel Sport, ist neben der richtigen medikamentösen Behandlung auch und vor allem für Asthmatiker ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Bekämpfung der Erkrankung“, rät Müller-Quernheim. In der Abteilung Pneumologie des Universitätsklinikums besteht die Möglichkeit neueste Informationen und Therapievorschläge rund um das Thema Asthma zu erhalten oder durch die Teilnahme an Studien über neue Alternativen bei der Behandlung - vor allem bei schweren Asthmaerkrankungen - einen Beitrag zur Verbesserung der Therapie zu leisten.














