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Ausgebrannt: Wenn die Erschöpfung ins Leben schleicht
(2.11.2010) Wenn Menschen viel leisten, aber fortlaufend entmutigt werden, steigt die Gefahr, dass die Psyche nachhaltig aus der Balance gerät. Ein Burnoutsyndrom entwickelt sich jedoch nicht von heute auf morgen. Die Erschöpfung schleicht sich langsam ins Leben.
Es ist meist eine schmale Gratwanderung zwischen dem normalen Zustand und dem Burnoutsyndrom. Am Anfang steht oft ein hohes Engagement für den Beruf. So haben denn auch die meisten Ausgebrannten vorher lodernd gebrannt. Typischerweise sind Menschen betroffen, die sich sehr für ihren Beruf engagieren, mit Leib und Seele dabei sind und dabei effektiv und konzentriert arbeiten. Das Risiko eines Burnouts steigt, wenn die Erwartungen an die eigene Arbeit und an sich selbst umgekehrt proportional zur erhaltenen Bestätigung sind.
Driften Anspruch und Anerkennung immer weiter auseinander, nimmt die Enttäuschung der Betroffenen über sich selbst und ihre Umwelt zu. Dieser Kreislauf ist dann nicht mehr durch die eigene Kraft zu durchbrechen. Die normale Müdigkeit nach einem Arbeitstag wird dann zur permanenten Lustlosigkeit. Der übliche Arbeitsalltag wird immer schwerer zu bewältigen. Viele Betroffene reagieren dann mit Gereiztheit und Aggressivität.
„Wird bei unseren Patienten ein Burnoutsyndrom diagnostiziert, sind in der Regel auch eine oder mehrere psychische Erkrankungen zu behandeln, die sich in Verbindung mit dem Burnout entwickelt haben “, erklärt Dr. Thomas Unterbrink, Oberarzt der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Psychiatrischen-Universitätsklinik Freiburg. Das Leben und Arbeiten wird stetig anstrengender. Das Verhalten von Betroffenen verändert sich. Zuerst wird das Abendessen mit Freunden abgesagt und dann der wöchentliche Termin im Sportverein gecancelt. Stück für Stück ziehen sie sich aus privaten Kontakten zurück. Damit verschließt sich eine Quelle der Entspannung und Ablenkung vom Arbeitsalltag. Und Einsamkeit ist die Folge.
Viele versuchen Warnhinweise zu verdrängen und einer Konfrontation mit den Symptomen auszuweichen. Stellt sich eine innere Leere ein, werden übermäßiger Alkoholkonsum oder exzessives Einkaufen zur scheinbaren Lösung. Wenn man es selbst nicht mehr schafft, Dampf abzulassen, sucht sich irgendwann der Körper ein Ventil. So sind es dann Kreislaufbeschwerden, Bluthochdruck oder andere Beschwerden die den Gang zum Arzt erzwingen. Auch wenn das Burnoutsyndrom derzeit noch nicht als diagnostizierbare Erkrankung offiziell anerkannt ist, führt es häufig über kurz oder lang zur Arbeitsunfähigkeit. Es kann sich über Jahre hinziehen oder nur ein paar Wochen dauern.
„Die Entwicklung der Erkrankung ist genau wie die Therapiemöglichkeiten individuell unterschiedlich“, weiß Dr. Thomas Unterbrink, „daher gibt es auch keine Standardtherapie“. In der Spezialambulanz „Seelische Gesundheit im Beruf“ der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Psychiatrischen-Universitätsklinik Freiburg bekommen die Betroffenen daher eine auf sie zugeschnittene Therapie. Teilweise können schon ein paar Coachingstunden sehr viel bewirken. Mit dem Ziel, dass der Betroffene es künftig rechtzeitig merkt, wenn er seine Leistungsgrenzen überschreitet, werden Verhaltensweisen überprüft und Alternativen erarbeitet.
Die eigene Freizeit und deren individuelle Nutzung als Entspannungsquelle müssen wiederentdeckt und –erlernt werden. Ganz besonders wichtig ist es auch der Vereinsamung entgegenzutreten. Trägt sich doch die Last des Alltags viel leichter, wenn man sie auf mehrere Schultern verteilen kann. Außerdem können Freunde und Familie die Betroffenen auch darauf hinweisen, wenn künftig wieder der Punkt kommt, an dem sie in den Kreislauf des Ausbrennens zu geraten drohen. Aus dem Endstadium des Burnout-Prozesses kommt der „Ausgebrannte“ häufig nur durch eine Psychotherapie heraus.
Je nach Bedarf kann diese auch im Rahmen eines stationären Aufenthaltes durchgeführt werden. Die Ziele sind dabei dieselben, wie in den Coachingstunden. Auch die Arbeitgeber können etwas gegen Burnout unternehmen: Gestaltungsspielräume zulassen, die Anforderungsvielfalt bieten und Anerkennung geben. Auch Supervisionsangebote im Betrieb selbst, durchgeführt von einer unabhängigen Person, können die Arbeitsbedingungen verbessern und den Stresslevel aller Beschäftigten senken.














