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Wenn nur noch Selbstverletzungen helfen

(25.8.09) Sie schneiden sich mit einem Messer in die Haut, drücken sich brennende Zigaretten auf dem Arm aus oder schlagen sich: Borderline-Patienten wissen sich oft nur mit selbst zugefügten Verletzungen gegen die übermächtigen Gefühle von Anspannung, Angst, Selbsthass und innerer Leere zu helfen. Die Ursachen für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung liegen oft schon im Kindes- und Jugendalter.

(bw) Die Bezeichnung „Borderline“ bedeutet „Grenzlinie“ und stammt noch aus der Zeit, in der man annahm, dass sich diese Patienten zwischen Psychose und „Normalität“ befänden. Heute gelten Borderline-Störungen als eigenständiges Krankheitsbild. Betroffen sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung, wobei bis zu 70 Prozent der Patienten weiblich und im Alter zwischen 16 und 45 Jahren sind. Die meisten Betroffenen erleben sich als Opfer ihrer heftigen Stimmungen und Gefühle. Die Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns sind bei Borderline-Patienten stark beeinträchtigt. Dies kann sich durch gestörtes und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie in einem gestörten Verhältnis zu sich selbst äußern.

Der Körper empfindet keine Schmerzen

Die Betroffenen leiden oft unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl und fühlen sich isoliert und einsam. Sie reagieren oft schon auf vermeintlich kleine Probleme sehr emotional. Dabei können sich innere Spannungen so stark aufbauen, dass sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der umgebenden Wirklichkeit verzerrt oder auflöst. „Dieser Zustand wird oft „Dissoziation“ genannt“, so Professor Dr. Bernd Heßlinger, Oberarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. „In dieser Situation empfindet der Körper keinen Schmerz mehr. Viele Patienten berichten zudem, dass sich die äußere Wahrnehmung ändere oder sie sich wie in einem Nebel befinden.“

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Um diese sehr unangenehmen Zustände bewältigen zu können, fügen sich manche Betroffene selbst Verletzungen zu, nehmen Drogen, balancieren auf Brückengeländern oder unternehmen Suizidversuche. Am häufigsten fügen sich Borderline-Patienten Schnittwunden an den Unterarmen zu, oder verletzen Körperregionen wie Brust, Bauch und den Genitalbereich. „Durch diese Selbstverletzungen tritt bei den Betroffenen eine rasche Reduktion des Anspannungsniveaus ein, es kommt zu einem Zustand der Beruhigung“, erklärt Professor Heßlinger. „Das Problem ist, dass Selbstverletzungen kurzfristig helfen können. Die Wirkung nimmt aber mit der Zeit ab, was dazu führen kann, dass immer häufiger und tiefer geschnitten wird, um eine Wirkung zu erzielen.“

Die weit verbreitete Meinung, Borderline-Patienten würden sich zwar Schmerzen zufügen, sich aber nicht selbst töten, stimmt nicht. Etwa zehn Prozent aller Bordeline-Patienten sterben durch Suizid, daher sind Selbstverletzungen und Suizidversuche ernste Warnhinweise.

Wie entstehen Borderline-Störungen?

Wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen spielt eine Wechselwirkung zwischen Genen, Lebenserfahrung, Grundeinstellung und schädliche Verhaltensmuster eine entscheide Rolle bei der Entwicklung von Borderline-Störungen. Auffällig ist, dass cirka drei von vier Frauen mit einer Borderline-Erkrankung in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sind.

Behandlung von Borderline-Erkrankungen

Die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) ist die zurzeit am besten wissenschaftlich untersuchte Psychotherapie für Patienten mit Borderline-Störungen. Sie wird seit Mitte der 1990er Jahre am Universitätsklinikum Freiburg angewandt. Die Psychiatrie des Universitätsklinikums Freiburg war die erste Klinik in Deutschland, die diese Methode auf einer Spezialstation eingeführt hat. Bei der Dialektisch Behavioralen Therapie handelt es sich um eine störungsspezifische Therapieform. Sie integriert ein breites Repertoire, unter anderem aus verhaltenstherapeutischen, psychodynamischen, körpertherapeutischen und hypnotherapeutischen Techniken und Behandlungsstrategien.

Infokasten

Spezialsprechstunde für Borderline-Persönlichkeitsstörungen Tel. Anmeldung: 0761 / 270 65 25

Mehr Inforamtionen finden Sie hier...

Neben einzeltherapeutischen Sitzungen kommen vor allem speziell entwickelte Fertigkeitentrainings, körpertherapeutische Gruppensitzungen sowie Zen-buddhistische Achtsamkeitsübungen zum Einsatz. Die Behandlung beinhaltet spezifische Aufgabenstellungen für das Pflegepersonal wie Begleitung und Unterstützung bei Verhaltensanalysen, die ein zentrales Instrument der Dialektisch Behavioralen Therapie sind. Die Arbeit mit den Patienten findet im Freiburger Universitätsklinikum in einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Psychologen, Sport- und Physiotherapeuten sowie speziell ausgebildetem Pflegepersonal statt. Weiterhin werden die mit den Patienten gemeinsam entwickelten individuellen Therapieziele im Rahmen eines in Freiburg entwickelten körpertherapeutischen Konzepts bearbeitet. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst des Universitätsklinikums, um die Umsetzung der Behandlungsergebnisse im konkreten sozialen Umfeld zu gewährleisten. Wird eine Borderline-Störung frühzeitig erkannt und behandelt, ist die Langzeitprognose sehr positiv.

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