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Dreifach geprüft – um ein Vielfaches sicherer

(08.04.2011) Ein neues Sicherheitssystem hilft, Chemotherapien effektiv und schonend zugleich zu gestalten

Chemotherapien, die bei streuenden Tumoren eingesetzt werden, um diese zu zerstören, können den Körper erheblich belasten. Schlimm, wenn dann noch Nebenwirkungen hinzukommen. Um Chemotherapien so effizient und schonend wie es nur geht ablaufen zu lassen, bedarf es eines sicheren und hocheffektiven Systems. Am Universitätsklinikum Freiburg werden allein in der Abteilung Hämatologie und Onkologie jährlich über 11 000 Chemotherapien bei der hauseigenen Apotheke bestellt und an Patienten verabreicht. Dafür ist vom ersten Kontakt mit dem Patienten bis zu dessen Entlassung ein großes Team in Bewegung. Behandelnde Ärzte und Pflegepersonal sind direkte Ansprechpartner für die Patienten. Sie kümmern sich darum, dass diese auch genau Bescheid wissen, was vor, während und nach der Chemotherapie mit ihnen passiert. Erst nach einer umfassenden Aufklärung und der mündlichen und schriftlichen Zustimmung des Patienten wird die Therapie begonnen. Über den ganzen Zeitraum hinweg dokumentieren Ärzte und Pflegende den Verlauf der Therapie.

Die Sammlung und wissenschaftliche Auswertung dieser Dokumentationen ist der Grundstock für ein neues System, das Chemotherapien so sicher und verträglich wie möglich gestaltet. Alle Verläufe von Chemotherapien der Abteilung Hämatologie und Onkologie werden dabei genauestens beobachtet, verglichen und analysiert. So konnten im Laufe der Zeit immer weiter verbesserte Empfehlungen für individuelle Chemotherapien zusammengestellt werden. Professorin Monika Engelhardt, Oberärztin der Abteilung Hämatologie und Onkologie, und ihr Team haben aus ihrem Wissensschatz unter anderem ein Chemotherapie-Manual gemacht. Das „Blaue Buch“ ist eine Zusammenstellung von über 300 standardisierten und detaillierten Behandlungsprotokollen zur Chemotherapiebehandlung von Tumorpatienten und vielen weiteren Hilfestellungen für eine möglichst reibungslose Chemotherapie.

Auch bei Tumoren, die früher ausschließlich operiert oder bestrahlt wurden, steigern Chemotherapien die Überlebensraten. Da es sich um zum Teil hochgiftige Substanzen in komplexen Mischungsverhältnissen handelt, können auf dem Weg zum Patienten theoretisch viele Fehler passieren. Das Team der Sektion Klinische Forschung, Good Clinical Practice und Qualitätsmanagement um Monika Engelhardt hat die potenziellen Fehlerquellen ausfindig gemacht und eliminiert. „Das Freiburger Kontrollsystem integriert alle international anerkannten Bausteine zur Durchführung einer fehlerfreien Chemotherapie“, weiß Engelhardt.

Das „Blaue Buch“ der Chemotherapie

Die Chemotherapie, deren Aufgabe die Zerstörung der Tumorzellen im ganzen Körper ist, birgt zahlreiche Nebenwirkungen. So individuell die Therapie zusammengestellt wird, so wichtig ist ein Standard beim Therapieverlauf, um Fehler bei der Verordnung möglichst komplett auszuschließen. Grundlage hierfür bildet das sogenannte Blaue Buch, das inzwischen in 3. Auflage erscheint und von der Sektion Klinische Forschung des Universitätsklinikums Freiburg entwickelt wurde. Derzeit enthält es über 300 ausgewählte Chemotherapieprotokolle, die seit Jahren in Freiburg und im deutschsprachigen Raum erfolgreich zur Behandlung von Tumorpatienten eingesetzt werden. Diese dienen als Arbeits-, Informations- und Dokumentationshilfe für Ärzte, Pflege und das Apothekerteam. Aber auch dem immer besser informierten und interessierten Patienten können die Informationen zum Verständnis und als Beschreibung des Therapieverlaufs ebenfalls von großem Nutzen sein. Das „Blaue Buch“ ist einschließlich einer CD-Rom beim Springer-Verlag erhältlich. Zudem ist die Freiburger Protokollsammlung online unter www.chemo-as.de verfügbar.

Kontakt

Prof. Dr. Monika Engelhardt
Medizinische Universitätsklinik
Hämatologie und Onkologie
Telefon: 0761 270-3246
E-Mail: monika.engelhardt@uniklinikfreiburg.de

Das Chemotherapiesicherheitssystem „Chemo-AS“ ist ein elektronisches Bestellsystem mit Chemotherapie-Datenbank. Es verhindert automatisch Berechnungsfehler in der Dosierung und viele sonstige Fehler bei der Chemotherapiebestellung. Die Chemotherapieanforderung wird zeitgleich von der Klinikumsapotheke und dem Kontrollsystem der Sektion Klinische Forschung kontrolliert und erst danach an die Station verschickt. Diese effektive Kontrolle verhindert, dass Fehler bei der Gabe von Chemotherapien bei den Patienten ankommen.

Die Leistung des Teams um Monika Engelhardt wurde im letzten Jahr vom Verband der Krankenhausdirektoren honoriert. Das Chemotherapiesicherheitssystem war Finalist des Qualitätswettbewerbs „Golden Helix Award“. „Die Auszeichnung zeigt uns, dass sich Qualitätsmanagement für unsere Patienten auszahlt. Gerade bei Tumorpatienten ist es sehr wichtig, dass die Chemotherapie mit möglichst wenig Nebenwirkungen hilft, und nicht für zusätzliche Beschwerden sorgt“, erklärt Monika Engelhardt.

So wird auch in einem gemeinsamen Projekt mit dem Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer Comprehensive Cancer Center Freiburg – CCCF – die Übertragung dieses effektiven Verordnungs- und Chemotherapiesicherheitssystems für Tumorpatienten auf andere Abteilungen des Universitätsklinikums realisiert. Nach erfolgreicher Interaktion mit der Gastroenterologie kann in Kürze auch die Gynäkologie von dem Freiburger System profitieren.