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Bösartiger Darmkrebs – häufig und heilbar

(21.12.09) Darmkrebs fordert jährlich fünfmal mehr Todesopfer als der Straßenverkehr. Dabei sind die Heilungschancen eigentlich sehr gut – wenn das kolorektale Karzinom so früh wie möglich erkannt wird.

Stummer Alarm im Darm

Tatsächlich weist einer von zehn Patienten über 45 Jahren mit Blut im Stuhl einen bösartigen Darmtumor auf. Doch fatalerweise entwickelt sich Darmkrebs langsam und leise. Weil die Symptome lange Zeit fehlen oder verharmlost werden, ist der Dickdarmkrebs so gefährlich: „ Blut- und Schleimbeimengungen, Bauchschmerzen, ein neu aufgetretener Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall und ungewollter Gewichtsverlust sollten an Darmkrebs denken lassen“, erklärt Dr.Henning Schwacha, Oberarzt der gastroenterologischen Abteilung des Universitätsklinikum Freiburg. Für ein Karzinom des Enddarms ist beispielsweise auch der „falsche Freund“ typisch, also ein Stuhlabgang anstelle eines vermeintlichen Windes. Aber: es gibt lediglich unspezifische Hinweise und keinen wirklichen Alarm im Darm! Wer darauf wartet, hat vielleicht bereits den wichtigsten Etappensieg in der Begegnung mit dem Feind verspielt. Daher bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen ein Vorsorge- und Früherkennungsprogramm - in der Regel ab dem 45. Lebensjahr.

Goldstandard Darmspiegelung

Mit einer einfachen rektalen Tastuntersuchung lassen sich bereits 10 Prozent der Darmtumore auffinden. Und mit dem Goldstandard der Untersuchungsmethoden, einer Darmspiegelung, gelingt es, alle weiteren verdächtigen Strukturen zu entdecken. Wie das genau geht, erklärt Dr.Schwacha: „Vor der Koloskopie muss eine gründliche Darmreinigung durchgeführt werden, damit der Untersucher den Darm in allen Bereichen gut beurteilen kann. Diese Darmreinigung erfolgt mit einer Abführlösung, die am Tage vor der Untersuchung und zum Teil am Untersuchungstag getrunken werden muss. Es handelt sich um salzhaltige Lösungen, deren Geschmack man durch Kühlung und Zumischen von klaren Säften oder Tee verbessern kann. Die Untersuchung selbst wird von den Patienten unterschiedlich empfunden. Das Einschieben des flexiblen Koloskopes kann vorübergehend ein mehr oder weniger starkes Gefühl von Blähungen hervorrufen, was durch ein Absaugen der Luft oder auch durch entsprechende Änderungen der Gerätelage gemindert werden kann. Es besteht bei jeder Darmspiegelung die Möglichkeit, eine kurzwirkende Betäubung zu geben, damit der Patient die Untersuchung nicht als zu unangenehm empfindet.“

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Nach einer Koloskopie ohne Krankheitsbefund bleibt das Darmkrebsrisiko für mehr als zehn Jahre erniedrigt und nimmt während dieser Zeit sogar noch ab.

Wachstum im Verborgenen

Fast immer ist der Ausgangspunkt für einen Darmtumor ein Polyp oder ein Adenom, also eine verstärkte Vorwölbung der Schleimhaut oder der Drüsen des Darmes, die nach langem „Schlaf“ entarten können. Diese „Adenom-Karzinom-Sequenz“ kann durch Faktoren, die zu Krebs veranlagen, begünstigt werden, beispielsweise durch das gleichzeitige Vorhandensein einer Colitis ulzerosa oder eines Morbus Crohn. Ein bis zu dreifach erhöhtes Karzinomrisiko weisen Typ 2-Diabetiker mit Insulintherapie auf. Patienten mit dem Lynch-Syndrom oder der familiären adenomatösen Polyposis entwickeln sogar in bis zu 100 Prozent einen Darmkrebs. Sie sollten daher schon im frühen Lebensalter vom Arzt detektiert werden. Dr. Schwacha ist dies besonders wichtig und erzählt: „Am eindrücklichsten sind mir Krankheitsfälle in Erinnerung, die bei jüngeren Menschen auftraten und bei denen die genaue Kenntnis der familiären Vorgeschichte vielleicht eher an das Vorliegen von Darmkrebs hätte denken lassen müssen.“

Heilen ist gut, Vorbeugen ist besser

Darmkrebs kann geheilt werden, wenn es möglich ist, ihn samt dem zugehörigen Darmabschnitt vollständig operativ zu entfernen. Eine Chemotherapie vermindert zusätzlich das Risiko, dass der Tumor wieder auftritt. Ist der Darmkrebs weit fortgeschritten und hat er weitere Organe mit Metastasen infiltriert, kann palliativ lokale Rezidiv behandelt und damit ein Stück Zeit und Qualität am Leben zurückerobert werden. Doch Darmkrebs ist und bleibt eine schwer verdauliche Diagnose. Eine Studie ergab, dass weniger physische als vielmehr ernste seelische Probleme dem Patienten noch drei Jahre nach der Feststellung zu schaffen machen. Wundbeschwerden, dünner Stuhl, Inkontinenz – das Leben mit eventuellen künstlichem Darmausgang - ein Einschnitt und eine Welt für sich.

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