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Depression - Die stille Volkskrankheit
(12.11.2009) Was, wenn Antriebslosigkeit und Gereiztheit zum Dauerzustand werden? Wenn selbst alltägliche Aufgaben zur Last werden? An Depressionen erkrankte Menschen ziehen sich meist aus dem Leben zurück.
Teufelskreislauf Depression
Nicht selten kommen zu den psychischen auch körperliche Beschwerden hinzu. Die eigene Unzulänglichkeit in der Bewältigung des Alltags wiederum löst Ängste und Schuldgefühle aus, welche die angeschlagene Verfassung noch weiter belasten. Im Unterschied zu einfachen Verstimmungen reduzieren sich bei einer depressiven Erkrankung die körperlichen und geistigen Funktionen drastisch.
Laut Berichten der Weltgesundheitsorganisation liegen weltweit Depressionen an der Spitze der Ursachen für die durch eine gesundheitliche Behinderung gravierend beeinträchtigten Lebensjahre. Die deutschen Rentenversicherer machen Depressionen als eine der häufigsten und steigenden Ursache für Krankschreibungen und Berentungen aus.
Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Die erschreckend hohe Suizidrate von 15 Prozent, bei schwer erkrankten depressiven Langzeitpatienten, unterstreicht die Wichtigkeit einer frühzeitigen Therapie. Unwissenheit, Verdrängung oder Schamgefühle hindern jedoch oft Betroffene daran, sich der Umwelt zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen.
Professor Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Freiburg, weist jedoch darauf hin, wie entscheidend eine frühzeitige Diagnosestellung ist: „Wichtig ist, dass die Depression vom behandelnden Arzt schnellstmöglich erkannt wird, um eine speziell auf den Patienten zugeschnittene Therapie beginnen zu können“, denn „wurde die richtige Diagnose einmal gestellt, kann 80 Prozent der Erkrankten in einem überschaubaren Zeitraum entscheidend geholfen werden“.
Was löst eine Depression aus?
Eine Studie der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Freiburg ergab, dass eine entsprechende Schulung von Hausärzten die Erkennungsrate bei Depressionen auf 70 Prozent verdoppelte. „Je weniger Krankheitsepisoden der Patient bis zum Beginn einer Therapie durchlebt hat, desto besser ist die langfristige Prognose“, so Professor Berger.
Die genaue Grundlage der Depression ist noch nicht ausgemacht. Einigkeit besteht jedoch bereits darüber, dass es kein einzelnes Depressionsgen gibt. Familien- und Zwillingsstudien belegen jedoch eine genetische Veranlagung zur Depression. Die Zwillingsstudien zeigen auch, dass die Gene nur ein Teilfaktor sind. Selbst bei eineiigen Zwillingen erkrankt der Zwillingspartner nur in etwa mehr als der Hälfte der Fälle. Zu bedenken ist, dass zwischen genetischen Faktoren und sozialen Umweltfaktoren komplizierte Wechselbedingungen bestehen.
Der zweite Faktor für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko sind belastende Erfahrungen in der Kindheit. Bei genetisch oder durch eine schlimme Kindheit vorbelasteten Patienten genügen oft schon kleine Auslöser, wie ein Zeitzonen- oder Jahreszeitenwechsel, um die Depression auszulösen. Dies kann auch Professor Mathias Berger bestätigen: „Tatsächlich verzeichnen wir in Frühling und Herbst die meisten Depressionserkrankungen.“
Unterschiedliche Stufen der Therapie
Die Therapie greift zuerst an der akuten Depression an und versucht im Anschluss den Zustand des Betroffenen so weit zu stabilisieren, dass es nicht zu einem baldigen Rückfall kommt, wenn die Alltagsbelastungen wieder zu bewältigen sind. Danach wird an der langfristigen Rückfallverhütung gearbeitet. Der Einsatz von so genannten Antidepressiva ist heute nicht mehr so umstritten wie vor einigen Jahren. Sie sollen die Stimmung aufhellen, den inneren Antrieb normalisieren und so gleichzeitig die körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit verringern. Sie wirken gezielt auf die Übertragung der Nervenimpulse im Gehirn.
„Antidepressiva lösen bei einigen Patienten und ihren Angehörigen Bedenken aus“, sagt Professor Berger, und bekräftigt: „Die Nebenwirkungen sind bei den heutigen Medikamenten meist gering, eine Suchtgefahr besteht nicht.“ Unabdingbar ist in der Regel eine begleitende psychotherapeutische Behandlung. Diese bezieht das soziale Umfeld der Patienten mit ein und versucht, seelische Belastungen in alltäglichen Situationen Schritt für Schritt abzubauen. Kritische und krankheitsverursachende Lebenssituationen müssen bearbeitet werden. Ein positives Selbstbild und der Umgang mit schwierigen emotionalen Situationen werden mit den Patienten erarbeitet.
Kontakt
Prof. Dr. Mathias Berger
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Die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie forscht am Uniklinikum Freiburg vor allem an der Entwicklung immer wirksamerer gezielter Psychotherapieverfahren nicht nur für akute Depressionen, sondern auch für bisher chronisch verlaufende Erkrankungsformen. Davon spricht man, wenn eine Depression länger als zwei Jahre besteht. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass auch in diesen Fällen gute Chancen bestehen, dass speziell dafür entwickelte Psychotherapien in Kombination mit Antidepressiva erfolgreich sind.














