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Und alles dreht sich …

(14.6.2010) Drehschwindel-Attacken zeigen beängstigende Symptome – aber gehen meist glimpflich aus. Was löst sie aus und was kann man dagegen tun?

Alles dreht sich. Auf wackeligen Beinen geht Thomas N. den Flur entlang, stützt sich mit den Händen an der Wand ab und schafft es nur mit Mühe bis zur Außentür. Bei Thomas N. hat auf einmal alles aufgehört zusammenzupassen, die Welt scheint ins Wanken geraten, er tritt immer wieder mit den Beinen ins Leere. Was ist passiert?

„Der geschilderte Fall beschreibt die ungewöhnlichen Symptome eines sogenannten Drehschwindels“, sagt Professor Wolfgang Maier, Experte für Erkrankungen des Innenohrs an der HNO-Universitätsklinik. Obwohl die Symptome in den meisten Fällen wieder vergehen, verlieren Patienten bei der Konfrontation mit einem Drehschwindel sprichwörtlich den Boden unter den Füßen: „Es ist wie Karussell fahren“, sagt Maier. Die Opfer verlieren die Orientierung, wissen nicht mehr, wo oben und unten ist, können sich nicht mehr auf den Beinen halten und werden von Übelkeit und Erbrechen geplagt.

Was sich so drastisch anhört und anfühlt, hat seinen Ausgangspunkt meist in einem winzigen Gebilde, dem Gleichgewichtsorgan des Innenohres. „In den Ohren befindet sich das Gleichgewichtsorgan“, erklärt Professor Maier. Jedes Ohr ist mit einem dieser Organe ausgestattet. Es ist das Kernstück des menschlichen Orientierungssinns, ein biologisches Navigationssystem. Maier: „Dank Gleichgewichtsorgan kann der Mensch bei Bewegungen sein Gleichgewicht behalten – auch mit geschlossenen Augen.“

Kontakt

Erste Hilfe bei Drehschwindel gibt es bei der HNO-Ambulanz: Telefon: 07 61/2 70-42 31

Das Gehirn verarbeitet ständig Informationen der Gleichgewichtsorgane und weiterer Orientierungssinne, um ein Bild der eigenen Lage im Raum zu erstellen. Das geht gut, solange alle beteiligten Sinne übereinstimmende Informationen liefern. Fällt aber einer der Orientierungssinne aus, erhält das Gehirn widersprüchliche Informationen. Die menschliche Orientierung gerät aus dem Takt. Zu den häufigsten Auslösern des Drehschwindels gehört eine Gruppe schwer bestimmbarer Veränderungen im Innenohr. Dazu zählen etwa plötzliche Durchblutungsstörungen, Thrombosen, Virusinfektionen oder lose Calciumteilchen im Ohr. „Das System ist sehr kleinteilig und komplex“, sagt Experte Maier, „von außen gibt es keine einfache Möglichkeit, dort ranzukommen“.

Fast allen Auslösern ist aber zum Glück gemeinsam, dass sie in der Regel keiner langwierigen Behandlung bedürfen. Probleme mit dem Gleichgewichtsorgan verschwinden bei passender Therapie nach Tagen bis Wochen vollständig. Allenfalls das sehr seltene Menière-Syndrom mit Schwindelattacken in Kombination mit tief klingenden Ohrgeräuschen ist nicht einfach heilbar. Symptome können aber gelindert werden.

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